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IX ZR 91/20 ECLI:DE:BGH:2023:030423BIXZR91.20.0 KI-generiert

Allocation of litigation costs in a moot revision appeal: equitable discretion under § 91a(1) ZPO where substantive scope of a co-occupancy administrator’s duties remains legally open

Geschäftsnummer IX ZR 91/20
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang struck_off
Kostenauflage geteilt

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice ordered that the litigation costs for the entire dispute be borne by the parties themselves, effectively leaving the lower court’s judgment dismissing the claims in force without a substantive review on the merits. The case involved a civil dispute where plaintiffs, claiming status as interested parties in an enforcement administration, sued a former enforcement administrator for damages arising from alleged breaches of duty in the operation of a biogas plant on encumbered property. The dispute became moot in the appellate revision stage when the plaintiffs declared the case resolved after the defendant’s bankruptcy proceedings were reversed, a resolution to which the defendant did not object within the statutory deadline. Relying on Section 91a(1) of the Code of Civil Procedure, the court exercised its equitable discretion to offset costs because the admissible revision question—whether an enforcement administrator’s duties extend to commercial operations like biogas plants that are not inherently tied to the land—remained legally open and unresolved in existing jurisprudence.

Legislator-Regeste

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§ 91a Abs. 1 ZPO, § 128 Abs. 3 ZPO, § 91a Abs. 1 Satz 2 ZPO, § 91a Abs. 1 Satz 1 ZPO; Allocation of litigation costs in a moot revision appeal: equitable discretion under § 91a(1) ZPO where substantive scope of a co-occupancy administrator’s duties remains legally open: The case involved a civil dispute where plaintiffs, claiming status as interested parties in an enforcement administration, sued a former enforcement administrator for damages arising from alleged breaches of duty in the operation of a biogas plant on encumbered property. The dispute became moot in the appellate revision stage when the plaintiffs declared the case resolved after the defendant’s bankruptcy proceedings were reversed, a resolution to which the defendant did not object within the statutory deadline. Relying on Section 91a(1) of the Code of Civil Procedure, the court exercised its equitable discretion to offset costs because the admissible revision question—whether an enforcement administrator’s duties extend to commercial operations like biogas plants that are not inherently tied to the land—remained legally open and unresolved in existing jurisprudence.

Schlagwörter

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Zivilprozessverfahren Revision eines Entscheids Vollstreckungskosten Rechtspflege Kostenverlegung Handelsstreitigkeit

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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IX ZR 244/09
Cost allocation in insolvency annulment proceedings: settlement after withdrawal of tabular objection
IX ZB 188/03
Januar 2004 - IX ZB 188/03, ZInsO 2004, 201; vom 24.
V ZB 16/05
April 2005 - V ZB 16/05, BGHZ 163, 9, 13 ff).
BGHZ 163, 9
April 2005 - V ZB 16/05, BGHZ 163, 9, 13 ff).
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 91a Abs. 1 ZPO

The main ground for the decision to offset litigation costs, as the court used this provision to determine the allocation of costs based on the circumstances of the resolved case.

§ 128 Abs. 3 ZPO

The procedural rule applied to allow the court to decide the cost issue by written order without a hearing.

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Volltext

Kostenentscheidung in übereinstimmend erledigt erklärtem Rechtsstreit in Revisionsinstanz

[TENOR]

Die Kosten des in der Hauptsache erledigten Rechtsstreits werden gegeneinander aufgehoben.

[GRUENDE]

I. Die Klägerinnen haben dem Beklagten als vormaligem Zwangsverwalter Pflichtverletzungen im Zusammenhang mit dem Betrieb einer Biogasanlage vorgeworfen und Schadensersatz verlangt. Die Klage ist in den Tatsacheninstanzen ohne Erfolg geblieben. Mit Beschluss vom 25. März 2021 hat der Senat die Revision auf die Nichtzulassungsbeschwerde gegen die Entscheidung des Berufungsgerichts wegen grundsätzlicher Bedeutung zugelassen. Erst danach ist bekannt geworden, dass bereits am 26. September 2019 das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Beklagten eröffnet worden war. Nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens haben die Klägerinnen mit Schriftsatz vom 23. Februar 2023 den Rechtsstreit in der Hauptsache für erledigt erklärt. Der Beklagte hat dem nicht widersprochen.

II. 1. Der Senat hat gemäß § 91a Abs. 1 ZPO durch Beschluss über die Kosten zu entscheiden. Er macht von der Möglichkeit Gebrauch, ohne mündliche Verhandlung über die Kostentragungspflicht zu befinden (§ 128 Abs. 3 ZPO).

2. Eine Erledigung der Hauptsache kann auch noch im Revisionsrechtszug erklärt werden (BGH, Beschluss vom 24. Oktober 2011 - IX ZR 244/09, NZI 2011, 937 Rn. 6). Die Klägerinnen haben die Erledigungserklärung schriftsätzlich durch ihren Rechtsanwalt abgegeben. Der Beklagte hat der ihm am 2. März 2023 zugestellten Erledigungserklärung einschließlich des Hinweises gemäß § 91a Abs. 1 Satz 2 ZPO innerhalb der Notfrist von zwei Wochen nicht widersprochen, so dass eine übereinstimmende Erledigungserklärung der Parteien vorliegt.

3. Die übereinstimmenden Erledigungserklärungen sind auch wirksam, weil die Revision nach Zulassung durch den Senat zulässig gewesen ist (vgl. BGH, Beschluss vom 15. Januar 2004 - IX ZB 188/03, ZInsO 2004, 201; vom 24. Oktober 2011, aaO Rn. 7).

III. Ist der Rechtsstreit durch die übereinstimmenden Erklärungen erledigt, hat der Senat gemäß § 91a Abs. 1 Satz 1 ZPO unter Berücksichtigung des bisherigen Sach- und Streitstands nach billigem Ermessen über die Kosten des Rechtsstreits zu entscheiden. Danach sind die Kosten gegeneinander aufzuheben.

1. Der Senat hat die Revision wegen grundsätzlicher Bedeutung im Hinblick auf die Frage zugelassen, ob die Klägerinnen als Beteiligte im Sinne von § 154 ZVG anzusehen sind, inwieweit der Beklagte als Zwangsverwalter ihnen gegenüber Pflichten einzuhalten hatte und solche gegebenenfalls verletzt hat. Das Berufungsgericht, dessen Entscheidung in NZI 2020, 808 veröffentlicht ist, hatte insoweit die Auffassung vertreten, dass sich die Zwangsverwaltung nur auf das Grundstück (Erbbaurecht) und nicht auf den darauf betriebenen Gewerbebetrieb beziehe. Eine Biogasanlage könne überall betrieben werden und sei anders als im Falle der Urproduktion nicht mit dem Grundstück verbunden. Die Klägerinnen, die Leistungen für den Betrieb der Biogasanlage erbracht hatten, gehörten daher nach Ansicht des Berufungsgerichts nicht zu den Personen, gegenüber denen der Beklagte als Zwangsverwalter Pflichten einzuhalten hatte.

2. Die Beantwortung der Zulassungsfrage ist offen (vgl. Keller, NZI 2020, 811 f; Cranshaw, jurisPR-InsR 14/2020 Anm. 3; vgl. zur Fortführung eines Gewerbebetriebs durch den Zwangsverwalter auch BGH, Beschluss vom 14. April 2005 - V ZB 16/05, BGHZ 163, 9, 13 ff). Damit entspricht es dem bisherigen Sach- und Streitstand, die Kosten des Rechtsstreits gegeneinander aufzuheben. Weitere Billigkeitsgesichtspunkte sind weder vorgetragen noch sonst ersichtlich.

Schoppmeyer

Lohmann

Schultz

Selbmann

Harms