Commitment to a psychiatric hospital for minor offenses: adequacy of findings on special circumstances under § 63 sentence 2 StGB
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Federal Court of Justice partially upheld the defendant's appeal, quashing the appellate court's judgment ordering her commitment to a psychiatric institution under § 63 sentence 2 of the Criminal Code, while retaining the factual findings on the objective course of events and remanding the case to a different chamber of the Stuttgart Regional Court. The dispute concerned whether the court adequately justified the commitment order based on minor triggering offenses, specifically attempted dangerous bodily injury, insult, and property damage, rather than a serious crime. The appellate court had previously acquitted the defendant but ordered her indefinite commitment based on her paranoid schizophrenia and a psychiatric expert's prediction of future dangerousness. The Federal Court held that where the triggering offenses are minor, the "special circumstances" required by § 63 sentence 2 Criminal Code must compensate for the lack of a serious offense, a standard the lower court failed to meet. The appellate court erred by relying solely on the expert's opinion without substantiating it with concrete facts, failing to reconcile its assessment of danger with expert findings that the minor fire did not pose a significant risk to building residents, and not specifying the nature of the defendant's alleged aggressive behavior during provisional custody.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 63 Satz 2 StGB, § 349 Abs. 4 StPO, § 349 Abs. 2 StPO, § 63 Satz 1 StGB, § 353 Abs. 2 StPO, § 246a StPO; Commitment to a psychiatric hospital for minor offenses: adequacy of findings on special circumstances under § 63 sentence 2 StGB: The dispute concerned whether the court adequately justified the commitment order based on minor triggering offenses, specifically attempted dangerous bodily injury, insult, and property damage, rather than a serious crime. The appellate court had previously acquitted the defendant but ordered her indefinite commitment based on her paranoid schizophrenia and a psychiatric expert's prediction of future dangerousness. The Federal Court held that where the triggering offenses are minor, the "special circumstances" required by § 63 sentence 2 Criminal Code must compensate for the lack of a serious offense, a standard the lower court failed to meet. The appellate court erred by relying solely on the expert's opinion without substantiating it with concrete facts, failing to reconcile its assessment of danger with expert findings that the minor fire did not pose a significant risk to building residents, and not specifying the nature of the defendant's alleged aggressive behavior during provisional custody.
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KI-generiertProcedural basis for the partial success of the revision leading to the quashing of the judgment.
Procedural basis for rejecting the remainder of the revision as unfounded.
Provision allowing the retention of factual findings on the objective course of events despite the appeal.
Volltext
Notwendige Darstellung in Unterbringungsanordnung bei geringfügigen Anlasstaten
[TENOR]
1. Auf die Revision der Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Stuttgart vom 27. Oktober 2022 mit den Feststellungen aufgehoben; jedoch bleiben die Feststellungen zu den objektiven Tatumständen aufrechterhalten.
2. Die weitergehende Revision wird als unbegründet verworfen.
3. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.
[GRUENDE]
Im Straf- und Sicherungsverfahren hat das Landgericht die Angeklagte freigesprochen und gemäß § 63 Satz 2 StGB ihre Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet. Die hiergegen gerichtete, auf die Sachrüge gestützte Revision der Angeklagten hat den aus der Beschlussformel ersichtlichen Erfolg (§ 349 Abs. 4 StPO); im Übrigen ist ihr Rechtsmittel unbegründet (§ 349 Abs. 2 StPO).
1. Das Tatgericht hat die der Unterbringungsanordnung zugrundeliegenden Umstände in den Urteilsgründen so umfassend darzustellen, dass das Revisionsgericht in die Lage versetzt wird, die außerordentlich belastende Maßregel nachzuvollziehen. Sind die Anlasstaten nur als geringfügig einzuordnen, gelten gemäß § 63 Satz 2 StGB noch strengere Darlegungsanforderungen: Die besonderen Umstände im Sinne dieser Vorschrift müssen die schmale Tatsachenbasis in Folge der anders gelagerten Anlassdelikte ausgleichen (st. Rspr.; BGH, Beschlüsse vom 25. November 2020 – 1 StR 420/20 Rn. 4 und vom 23. Januar 2019 – 2 StR 523/18, BGHR StGB § 63 Satz 2 besondere Umstände 1 Rn. 12; je mwN).
2. Daran gemessen begegnet die vom Landgericht getroffene Prognoseentscheidung durchgreifenden Bedenken. Nachdem das Landgericht weder ein Inbrandsetzen eines wesentlichen Gebäudeteils hatte feststellen noch sich vom subjektiven Tatbestand der schweren Brandstiftung, die hier als einzige „erhebliche“ Tat im Sinne des § 63 Satz 1 StGB in Betracht gekommen wäre, eine Überzeugung hatte bilden können, hätte es der Darlegung besonderer Umstände im Sinne des § 63 Satz 2 StGB bedurft. Dies hat die Strafkammer jedoch versäumt. Sie hat lediglich die Einschätzung des psychiatrischen Sachverständigen, dass die Angeklagte, die unter einer paranoiden Schizophrenie leidet, mit hoher Wahrscheinlichkeit erhebliche Straftaten begehen und dadurch die Allgemeinheit gefährden werde, wiedergegeben (UA S. 59), ohne dies mit Tatsachen zu belegen. Die den fünf Anlasstaten vor- bzw. nachgelagerten Vorfälle erscheinen als ebenso wenig ausreichend gewichtig und lassen vor allem keine Steigerung der Gefährlichkeit bei der nicht vorgeahndeten Angeklagten erkennen. Auch das „zunehmend aggressive und bedrohliche Verhalten“ der Angeklagten in der einstweiligen Unterbringung (UA S. 8, 60) wird nicht präzisiert. Was das Brandgeschehen betrifft, bei welchem lediglich der Duschkopf aus Kunststoff brannte, die Duschkabine durch Flammen beschädigt und das restliche Badezimmer mit einer Rußschicht überzogen war (UA S. 18), so widerspricht die Annahme einer Gefährdung der Bewohner des Mehrfamilienhauses (UA S. 61) den mithilfe eines Brandsachverständigen getroffenen Feststellungen und der Beweiswürdigung zu diesem Nachtatgeschehen (UA S. 47 f.), in die das Landgericht die vorübergehende Abwesenheit der Angeklagten eingestellt hat. Da die Badezimmertür geschlossen war, konnte keine erhebliche Menge an Rauchgas austreten.
3. Die Feststellungen zu den objektiven Tatumständen sind vom Rechtsfehler nicht betroffen und haben Bestand (§ 353 Abs. 2 StPO). Im Übrigen ist die Sache naheliegender Weise unter Hinzuziehung eines weiteren Sachverständigen (§ 246a StPO) neu zu verhandeln. Angesichts der nach ihrem Gewicht die Voraussetzungen des § 63 Satz 1 StGB bei Weitem nicht erfüllenden Anlasstaten (versuchte gefährliche Körperverletzung durch das – vergebliche – Werfen eines Steines, der von einer Balkonbrüstung abprallte; [tätliche] Beleidigungen; Sachbeschädigung) und des Vollzugs der einstweiligen Unterbringung (§ 126a StPO) von einem Jahr erscheint die Sache besonders eilbedürftig.
Bellay
Fischer
Wimmer
Leplow
Allgayer