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4 StR 379/22 ECLI:DE:BGH:2022:211222B4STR379.22.0 KI-generiert

Aggravated extortion: sufficiency of continuing physical force to establish the required final causal link and threat requirement

Geschäftsnummer 4 StR 379/22
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice (BGH) 4th Criminal Senate dismissed the defendant's appeal, upholding the lower court's conviction and leaving the judgment against the defendant in force. The dispute concerned whether the defendant's conduct constituted aggravated extortion (robbery), specifically challenging the sufficiency of the "threat" element in the context of prior physical violence. The court ruled that while the lower court incorrectly relied on the mere "lingering effect" of prior massive violence, which is insufficient to establish a threat under § 255 StGB without specific evidence of a continuing intent to use force, the conviction was nonetheless sustained. The decisive legal basis is that the defendant's subsequent use of physical force—lifting the victim by the hair and pushing them up the stairs—constituted ongoing violence that established the required final causal link between the application of force and the demand for the handover of assets, thereby satisfying the requirements of §§ 253, 255 StGB.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 2 StPO, § 255 StGB, § 249 StGB; Aggravated extortion: sufficiency of continuing physical force to establish the required final causal link and threat requirement: The dispute concerned whether the defendant's conduct constituted aggravated extortion (robbery), specifically challenging the sufficiency of the "threat" element in the context of prior physical violence. The court ruled that while the lower court incorrectly relied on the mere "lingering effect" of prior massive violence, which is insufficient to establish a threat under § 255 StGB without specific evidence of a continuing intent to use force, the conviction was nonetheless sustained. The decisive legal basis is that the defendant's subsequent use of physical force—lifting the victim by the hair and pushing them up the stairs—constituted ongoing violence that established the required final causal link between the application of force and the demand for the handover of assets, thereby satisfying the requirements of §§ 253, 255 StGB.

Schlagwörter

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schwerer Fall Erpressung strafrechtliche Drohung Raub Beweiswürdigung und Beweiskraft unverhältnismässige Gewaltanwendung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 349 Abs. 2 StPO

Cited as the procedural basis for dismissing the appeal as unfounded because the review revealed no legal error to the detriment of the accused.

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Volltext

Vorliegen einer räuberische Erpressung bei einer konkludenten Drohung mit Gewalt

[TENOR]

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Bochum vom 13. Juni 2022 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die den Nebenklägerinnen im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat:

Im Fall III.2. der Urteilsgründe hält (auch) der Schuldspruch wegen räuberischer Erpressung (§§ 253 Abs. 1, 255, 249 Abs. 1 StGB) rechtlicher Nachprüfung stand.

Zwar ist das Landgericht im rechtlichen Ausgangspunkt unzutreffend davon ausgegangen, dass schon die bloße Ausnutzung der „Fortwirkung der unmittelbar vorangegangenen, massiven Gewalteinwirkung auf die Geschädigte“ den Tatbestand der räuberischen Erpressung (§§ 253, 255 StGB) erfüllt.

Eine räuberische Erpressung nach §§ 253, 255 StGB setzt voraus, dass der Täter Gewalt oder Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben einsetzt, um eine Vermögensverfügung des Opfers herbeizuführen, sodass zwischen beidem nach seiner Vorstellung von der Tat ein finaler Zusammenhang besteht (st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 2. Februar 2021 ‒ 2 StR 432/20, StV 2021, 493, 494; Beschluss vom 28. Januar 2020 ‒ 4 StR 632/19 Rn. 6; Beschluss vom 20. September 2016 ‒ 3 StR 174/16, NStZ 2017, 92, 93; Beschluss vom 25. Februar 2014 ‒ 4 StR 544/13, NStZ 2014, 269, 270; Beschluss vom 13. November 2012 ‒ 3 StR 422/12, juris, jeweils zu § 255 StGB; vgl. zu § 249 StGB BGH, Beschluss vom 14. Juli 2021 ‒ 6 StR 298/21, NStZ 2022, 42 Rn. 5; Urteil vom 3. März 2021 ‒ 2 StR 170/20, StV 2022, 18, 19 f.; Beschluss vom 11. September 2018 ‒ 1 StR 413/18, StV 2020, 234, 235; Beschluss vom 7. Februar 2017 ‒ 3 StR 488/16, NStZ-RR 2017, 143, 144). Das bloße Ausnutzen der Angst des zuvor körperlich misshandelten Opfers vor erneuter Gewaltanwendung reicht dafür nicht aus (vgl. BGH, Beschluss vom 20. September 2016 ‒ 3 StR 174/16, NStZ 2017, 92, 93). Zwar kann in einem solchen Fall die Annahme naheliegen, der Täter habe dem Opfer durch sein Verhalten zu verstehen gegeben, er werde die zuvor zu anderen Zwecken eingesetzte Gewalt nunmehr zur Erzwingung der erstrebten vermögensschädigenden Handlung des Opfers fortsetzen oder wiederholen (vgl. BGH, Beschluss vom 2. Februar 2021 ‒ 2 StR 432/20, StV 2021, 493, 494). Die Annahme einer konkludenten Drohung bedarf aber konkreter Feststellungen und Belege. Hieran fehlt es.

Der Schuldspruch wegen räuberischer Erpressung hält einer rechtlichen Überprüfung im Ergebnis aber stand. Denn nach den Feststellungen setzte der Angeklagte in Ausführung seines Tatentschlusses, das Tatopfer nunmehr zur Herausgabe seiner Wertgegenstände zu nötigen, weitere Gewalt ein, indem er es an den Haaren vom Boden emporriss, die Treppen hinauf bis in die Wohnung stieß und ihm dort befahl, seine Wertsachen auszuhändigen. Die Gewalt dauerte bis zum Zeitpunkt des Herausgabeverlangens fort, so dass auch der erforderliche finale Zusammenhang gegeben ist.

Quentin

Bartel

Rommel

Scheuß

Momsen-Pflanz