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1 StR 428/19 ECLI:DE:BGH:2020:140120B1STR428.19.0 KI-generiert

Tax Evasion Sentencing: Aggravation Based on Criminal Energy Despite Absence of Participatory Role in Planning Phase

Geschäftsnummer 1 StR 428/19
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Teilweise gutgeheissen (Partially Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Criminal Justice (BGH) quashed the sentencing portion of a lower court’s judgment, remanding the case to a different economic criminal chamber for new proceedings, while rejecting the remainder of the defendant's revision. The dispute concerned a conviction for tax evasion where the Landgericht Hildesheim had imposed a four-year and ten-month custodial sentence, erroneously weighting the defendant's "criminal energy" heavily based on a long, planned, and targeted preparation phase; however, the facts established that the defendant did not participate in preparatory meetings or formulate the scheme to undervalue the company for tax avoidance purposes, but merely approved its implementation. The BGH held that the trial court erred under sentencing law by attributing excessive aggravating weight to the criminal energy given the defendant’s passive role in the specific planning stages, and noted that given significant mitigating factors—including the absence of prior convictions, the more than eleven-year lapse since the offense, the complete restitution of tax damages during investigation, and the exceptionally long duration of the proceedings—the original sentence may have been too severe. The legal basis for the partial reversal rests on § 349 Abs. 4 StPO, which allows the appellate court to revoke the sentencing if it cannot exclude that a less severe penalty would have been imposed had the lower court not committed the identified error of assessment, while leaving the guilt determination and the order for compensation for excessive procedural duration intact under § 353 Abs. 2 StPO.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 4 StPO, § 349 Abs. 2 StPO, § 353 Abs. 2 StPO; Tax Evasion Sentencing: Aggravation Based on Criminal Energy Despite Absence of Participatory Role in Planning Phase: The dispute concerned a conviction for tax evasion where the Landgericht Hildesheim had imposed a four-year and ten-month custodial sentence, erroneously weighting the defendant's "criminal energy" heavily based on a long, planned, and targeted preparation phase; however, the facts established that the defendant did not participate in preparatory meetings or formulate the scheme to undervalue the company for tax avoidance purposes, but merely approved its implementation. The BGH held that the trial court erred under sentencing law by attributing excessive aggravating weight to the criminal energy given the defendant’s passive role in the specific planning stages, and noted that given significant mitigating factors—including the absence of prior convictions, the more than eleven-year lapse since the offense, the complete restitution of tax damages during investigation, and the exceptionally long duration of the proceedings—the original sentence may have been too severe. The legal basis for the partial reversal rests on § 349 Abs. 4 StPO, which allows the appellate court to revoke the sentencing if it cannot exclude that a less severe penalty would have been imposed had the lower court not committed the identified error of assessment, while leaving the guilt determination and the order for compensation for excessive procedural duration intact under § 353 Abs. 2 StPO.

Schlagwörter

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Steuerhinterziehungsbussen Strafzumessung Revision des Strafurteils Steuerveranlagungsverfahren überlange Verfahrensdauer Steuerumgehung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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3 StR 250/09
August 2009 - 3 StR 250/09, BGHSt 54, 135 Rn.
BGHSt 54, 135
August 2009 - 3 StR 250/09, BGHSt 54, 135 Rn.
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 349 Abs. 4 StPO

Main ground for overturning the sentencing order based on the appellate court's power to revoke the penalty if a lighter sentence could not be excluded.

§ 349 Abs. 2 StPO

Basis for declaring the remainder of the revision unfounded after the partial overturning of the judgment.

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Volltext

Steuerhinterziehung: Strafzumessung bei Billigung der Planung und Umsetzung eines Hinterziehungskonstrukts

[TENOR]

1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Hildesheim vom 30. Januar 2019 im Strafausspruch aufgehoben.

2. Die weitergehende Revision wird als unbegründet verworfen.

3. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

[GRUENDE]

Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und zehn Monaten verurteilt und angeordnet, dass hiervon vier Monate als Kompensation für eine überlange Verfahrensdauer als vollstreckt gelten. Die Revision des Angeklagten führt zur Aufhebung des Strafausspruchs (§ 349 Abs. 4 StPO); im Übrigen ist sie unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

Zum Schuldspruch hat die Nachprüfung des Urteils keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben. Der Strafausspruch hat jedoch keinen Bestand. Straferschwerend hat das Landgericht eine beträchtliche kriminelle Energie des Angeklagten gewertet, „die sich aus der von ihm gebilligten langen, planvollen und zielgerichteten Vorbereitung der Tat und der Verstrickung einer Reihe von Personen hierin“ ergibt (UA S. 121). Es hat hierbei allerdings nicht in den Blick genommen, dass der Angeklagte ausweislich der Urteilsfeststellungen an keinem der festgestellten, die Verlagerung der Gesellschaft nach Österreich vorbereitenden Gespräche mit seinem Steuerberater, den beratenden Rechtsanwälten und Wirtschaftsprüfern teilnahm (UA S. 79). Nach den Feststellungen wurde der Plan, den mit der Bewertung des zu veräußernden Unternehmens zu beauftragenden Wirtschaftsprüfern einen äußerst günstigen Firmenwert als gewünschtes Bewertungsergebnis vorzugeben, um die Steuerbelastung möglichst niedrig zu halten, nicht vom Angeklagten, sondern vielmehr von Beratern des Angeklagten gefasst (UA S. 17). Der Angeklagte kannte und billigte lediglich die Planung und Umsetzung der Verlagerung nach Österreich einschließlich der steuerrechtlichen Folgen (UA S. 79). Das Landgericht hat daher der kriminellen Energie des Angeklagten rechtsfehlerhaft ein zu großes Gewicht beigemessen.

Angesichts der vom Landgericht angeführten erheblichen Strafmilderungsgründe, darunter, dass die Taten des nicht vorbestraften Angeklagten mehr als elf Jahre zurückliegen, das Verfahren „überdurchschnittlich“ lange dauerte und der „Steuerschaden“ bereits im Ermittlungsverfahren vollständig ausgeglichen wurde (UA S. 121), kann der Senat nicht ausschließen, dass das Landgericht ohne diesen Wertungsfehler auch mit Blick auf den hohen Verkürzungsumfang eine niedrigere als die verhängte Freiheitsstrafe von vier Jahren und zehn Monaten festgesetzt hätte. Der Aufhebung von Feststellungen bedarf es nicht, da diese von dem Rechtsfehler nicht betroffen sind (§ 353 Abs. 2 StPO). Das neue Tatgericht kann ergänzende Feststellungen treffen, die mit den bisherigen nicht in Widerspruch stehen. Die Entscheidung über die Kompensation für eine überlange Verfahrensdauer ist von der Aufhebung im Strafausspruch nicht betroffen (vgl. BGH, Urteil vom 27. August 2009 - 3 StR 250/09, BGHSt 54, 135 Rn. 8).

Raum

Jäger

Hohoff

Leplow

Pernice