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1 StR 435/22 ECLI:DE:BGH:2023:100123B1STR435.22.0 KI-generiert

Confiscation of seized property barred by prohibition of adverse re-examination after procedural joining of appeal and first-instance trial

Geschäftsnummer 1 StR 435/22
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Teilweise gutgeheissen (Partially Allowed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice (Ist. 1) partially granted the defendant's revision, ordering the supplementary declaration that the prior district court judgment was rendered moot and annulling the confiscation orders for a folding knife and marijuana, while rejecting the remainder of the appeal and imposing costs on the defendant. The dispute concerned a criminal case for drug offenses where, following the procedural joining of an appeal with a subsequent first-instance trial under § 4 Abs. 1 StPO, the regional court had imposed confiscation measures on items associated with the previously tried, lower-level charges. The decisive legal basis was the prohibition of adverse re-examination (ne bis in idem / Verschlechterungsverbot) under § 331 StPO, which barred the superior court from imposing new penalties or confiscations on offenses for which the defendant had already received a final, favorable judgment from the lower court, thereby requiring the application of § 354 Abs. 1 StPO to correct the erroneous sentence.

Legislator-Regeste

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§ 4 Abs. 1 StPO, § 331 StPO, § 331 Abs. 1 StPO, § 354 Abs. 1 StPO; Confiscation of seized property barred by prohibition of adverse re-examination after procedural joining of appeal and first-instance trial: Der Senat hebt entsprechend dem Antrag des Generalbundesanwalts – nachdem das Landgericht zu dem erstinstanzlichen Verfahren ein anhängiges Berufungsverfahren analog § 4 Abs. 1 StPO hinzuverbunden hat – das dem Berufungsverfahren zugrunde liegende Urteil des Amtsgerichts Calw vom 22. Juli 2021 (Az. 5 ) deklaratorisch als gegenstandslos auf.

Schlagwörter

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strafrechtliche Einziehung Revision des Strafurteils Strafzumessung prozessleitende Verfügungen Straftaten gegen das Vermögen Beweisverwertungsverbot

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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5 StR 387/18
Confiscation of criminal proceeds on defendant-only appeal: Inapplicability of the prohibition of reformatio in peius despite availability of independent confiscation proceedings
BGHSt 64, 48
Januar 2019 – 5 StR 387/18, BGHSt 64, 48 Rn.
4 StR 95/20
Alternative intent targeting multiple victims and loss of objection withdrawal right upon joining summary penalty order to first-instance proceedings
4 StR 81/92
Mai 1992 – 4 StR 81/92 –, BGHSt 38, 300, 301; Beschluss vom 24.
BGHSt 38, 300
Mai 1992 – 4 StR 81/92 –, BGHSt 38, 300, 301; Beschluss vom 24.
4 StR 159/90
April 1990 – 4 StR 159/90 –, BGHSt 37, 15, 18; Urteil vom 15.
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Volltext

1. Auf die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Tübingen vom 3. August 2022 wird

a) der Tenor des vorbezeichneten Urteils dahin ergänzt, dass das Urteil des Amtsgerichts Calw vom 22. Juli 2021 (Az. 5 ) als gegenstandslos aufgehoben wird und

b) die Einziehung des im Verfahren 38 sichergestellten Klappmessers sowie des im Verfahren 43 sichergestellten Marihuanas aufgehoben; die Einziehungsanordnungen entfallen.

2. Die weitergehende Revision wird verworfen.

3. Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

[GRUENDE]

Der Senat hebt entsprechend dem Antrag des Generalbundesanwalts – nachdem das Landgericht zu dem erstinstanzlichen Verfahren ein anhängiges Berufungsverfahren analog § 4 Abs. 1 StPO hinzuverbunden hat – das dem Berufungsverfahren zugrunde liegende Urteil des Amtsgerichts Calw vom 22. Juli 2021 (Az. 5 ) deklaratorisch als gegenstandslos auf.

Zudem hat die Einziehungsentscheidung nur teilweise Bestand. Sie begegnet durchgreifenden rechtlichen Bedenken, soweit das Landgericht in den Fällen II.1 und II.2 der Urteilsgründe Tat- und Betäubungsmittel eingezogen hat, die den vormals erstinstanzlich durch das Amtsgericht Calw abgeurteilten Taten zuzuordnen sind. Einer – grundsätzlich möglichen – Einziehung durch das Landgericht stand das Verbot der Schlechterstellung (§ 331 StPO) entgegen, denn das Amtsgericht hatte keine Einziehung angeordnet (vgl. BGH, Beschluss vom 10. Januar 2019 – 5 StR 387/18, BGHSt 64, 48 Rn. 19 ff.). Der Generalbundesanwalt hat dazu ausgeführt:

„Die Verbindung eines beim Landgericht anhängigen Berufungsverfahrens zu einem dort anhängigen erstinstanzlichen Verfahren analog § 4 Abs. 1 StPO führt zur Verschmelzung beider Verfahren mit der Folge, dass insgesamt erstinstanzlich zu verhandeln ist (BGH, Urteil vom 14. Januar 2021 – 4 StR 95/20 –, Rn. 23 f.; Urteil vom 21. Mai 1992 – 4 StR 81/92 –, BGHSt 38, 300, 301; Beschluss vom 24. April 1990 – 4 StR 159/90 –, BGHSt 37, 15, 18; Urteil vom 15. Dezember 1989 – 4 StR 616/89 –, BGHSt 36, 348). Obwohl die für das erstinstanzliche Verfahren vorgesehenen Regelungen gelten, können sich Besonderheiten daraus ergeben, dass in demselben Verfahren bereits eine Hauptverhandlung stattgefunden hat und eine zu Gunsten des Angeklagten wirksame Entscheidung mit ‛beschränkter Rechtskraft’ ergangen ist (BGH, Urteil vom 30. Oktober 1986 – 4 StR 368/86 –, BGHSt 34, 204, 207). Das Verschlechterungsverbot gemäß § 331 Abs. 1 StPO ist in einem Verfahren bei allen späteren Entscheidungen zu beachten (Gössel in Löwe/Rosenberg, StPO, 26. Aufl. 2012, § 331 Rn. 17; Paul in Karlsruher Kommentar zur StPO, 8. Aufl. 2019, § 331 Rn. 9; Schmitt in Meyer-Goßner/Schmitt, StPO, 65. Aufl. 2022, § 331 Rn. 4). Es gilt daher auch nach einer Verfahrensverbindung analog § 4 Abs. 1 StPO (ebenso wohl BGH, Urteil vom 30. Oktober 1986 – 4 StR 368/86 –, BGHSt 34, 204, 207 f., sowie in einer ähnlichen Konstellation BGH, Beschluss vom 21. Juni 2018 – 4 StR 638/17 –, Rn. 3 m.w.N.).“

Dem schließt sich der Senat an; er hat den Einziehungsausspruch entsprechend § 354 Abs. 1 StPO geändert.

Jäger

Bellay

Wimmer

Allgayer

Munk