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1 StR 579/19 ECLI:DE:BGH:2019:191219B1STR579.19.0 KI-generiert

Extradited defendant’s jurisdiction under § 7 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 1 StGB for foreign offenses despite waiver of specialty principle

Geschäftsnummer 1 StR 579/19
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The German Federal Court of Justice (BGH) rejected the defendant's appeal against a conviction for rape, upholding the lower court's judgment while ordering that the time served in Austria be credited to the sentence at a 1:1 ratio. The dispute centered on the applicability of German criminal law to acts committed in Serbia, as the defendant was extradited from Austria to Germany under a European Arrest Warrant primarily for a rape offense committed in Germany, with Serbia not requesting extradition within the appropriate timeframe. The court ruled that German jurisdiction was valid under § 7(2)(2) Alternative 1 of the German Criminal Code (StGB) because the defendant was "affected" within the domestic territory, and that no procedural barrier existed despite the extradition context; furthermore, the court found no prejudicial legal error in the sentencing phase, noting that the Serbian statutory penalties for the relevant offenses were not milder than German law, thereby justifying the application of German sentencing standards.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 2 StPO; Extradited defendant’s jurisdiction under § 7 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 1 StGB for foreign offenses despite waiver of specialty principle: The dispute centered on the applicability of German criminal law to acts committed in Serbia, as the defendant was extradited from Austria to Germany under a European Arrest Warrant primarily for a rape offense committed in Germany, with Serbia not requesting extradition within the appropriate timeframe. The court ruled that German jurisdiction was valid under § 7(2)(2) Alternative 1 of the German Criminal Code (StGB) because the defendant was "affected" within the domestic territory, and that no procedural barrier existed despite the extradition context; furthermore, the court found no prejudicial legal error in the sentencing phase, noting that the Serbian statutory penalties for the relevant offenses were not milder than German law, thereby justifying the application of German sentencing standards.

Schlagwörter

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Auslieferung Europäischer Haftbefehl alternative Zuständigkeit Strafzumessung Vergewaltigung E-Justice

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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5 StR 183/95
Oktober 1996 - 5 StR 183/95, BGHSt 42, 275, 279 mwN) - nicht erkennbar in den Blick genommen hat.
BGHSt 42, 275
Oktober 1996 - 5 StR 183/95, BGHSt 42, 275, 279 mwN) - nicht erkennbar in den Blick genommen hat.
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 349 Abs. 2 StPO

Procedural rule applied in the dispositive to order the 1:1 crediting of foreign pre-trial detention time to the sentence.

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Volltext

Strafverurteilung wegen Vergewaltigung: Anwendbarkeit deutschen Strafrechts bei Auslieferung eines Angeklagten unter Verzicht auf den Spezialitätsgrundsatz

[TENOR]

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts München I vom 19. Juli 2019 wird mit der Maßgabe als unbegründet verworfen, dass die in Österreich erlittene Freiheitsentziehung im Maßstab 1:1 angerechnet wird (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die der Nebenklägerin im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat:

1. Ein Verfahrenshindernis besteht bei den in Serbien begangenen Taten in den Fällen C.I.1.-3. der Urteilsgründe nicht. Insoweit folgt die Anwendbarkeit deutschen Strafrechts aus § 7 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 1 StGB. Der inhaftierte Angeklagte ist „im Inland betroffen“. Er wurde - unter Verzicht auf den Grundsatz der Spezialität - aufgrund eines Europäischen Haftbefehls, dem die in M. begangene Vergewaltigung (Fall C.II. der Urteilsgründe) zugrunde lag, von der Republik Österreich nach Deutschland ausgeliefert. Die festzustellende Anwesenheit des Angeklagten im Inland ist also nicht auf strafprozessuale Zwangsmaßnahmen wegen der in seinem Heimatland begangenen Taten zurückzuführen. Somit bestehen trotz der grundsätzlich keine deutsche Strafgewalt begründenden Einlieferung (vgl. Pappas, Stellvertretende Strafrechtspflege, 1996, S. 195 f.; Oehler, FS Köln 1988, 489, 497 ff.) auch mit Blick auf den völkerrechtlichen Grundsatz der Nichteinmischung hier keine Bedenken gegen die stellvertretende Strafrechtspflege nach § 7 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 1 StGB. Die Republik Serbien hat als Heimat- und Tatortstaat nicht binnen angemessener Frist um die Auslieferung des Angeklagten ersucht (vgl. Bl. 507 ff., 516 ff. der Sachakten sowie hierzu allgemein BT-Drucks. 13/4541, S. 14 f. und 15/3482, S. 25; LK/Werle/Jeßberger, StGB, 12. Aufl., § 7 Rn. 111 f.; SK-StGB/Hoyer, 9. Aufl., § 7 Rn. 14).

2. Kein durchgreifender Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten besteht darin, dass das Landgericht im Rahmen der Strafzumessung bei den Fällen C.I.1.-3. der Urteilsgründe Art und Maß der Rechtsfolgen nach dem Tatortrecht - wie an sich geboten (vgl. BGH, Urteil vom 23. Oktober 1996 - 5 StR 183/95, BGHSt 42, 275, 279 mwN) - nicht erkennbar in den Blick genommen hat. Denn die serbischen Gesetze (vgl. Art. 121, 178, 180 und 182 des serbischen Strafgesetzbuchs) sind mit Blick auf erhöhte Mindeststrafen insgesamt nicht milder als das deutsche Recht, hätten also keine geringeren Strafen nahegelegt.

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