Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
VIa ZR 687/21 ECLI:DE:BGH:2024:130224UVIAZR687.21.0 KI-generiert

Tort liability under § 823(2) BGB for unlawful emissions-defeat devices under EG-FGV

Geschäftsnummer VIa ZR 687/21
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

KI-generiert

The German Federal Court of Justice (BGH) reversed and remanded the lower court’s decision, ruling in favor of the plaintiff, who had purchased a diesel passenger car equipped with an unlawful emissions-defeat device. The case involves a claim for damages under tort law, where the appellate court had previously dismissed the plaintiff’s request for compensation under § 823(2) BGB in conjunction with § 6(1) and § 27(1) of the Emissions Vehicle Registration Act (EG-FGV), and the constitutional claim under §§ 826, 31 BGB. The BGH held that while liability under §§ 826, 31 BGB was correctly denied, the lower court erred in lawfully rejecting the tort claim as a matter of law; it confirmed that the provisions of the EG-FGV constitute protective statutes under § 823(2) BGB designed to shield vehicle purchasers from financial loss (differential damages) caused by the installation of illegal defeat devices in violation of Regulation (EC) No 715/2007. Consequently, the BGH ordered the appellate court to reassess the plaintiff’s entitlement to differential damages and to make the necessary findings regarding the defendant’s negligent or intentional liability for the unlawful device installation.

Legislator-Regeste

KI-generiert

§ 823 Abs. 2 BGB, § 562 Abs. 1 ZPO, § 561 ZPO, § 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO; Tort liability under § 823(2) BGB for unlawful emissions-defeat devices under EG-FGV: The case involves a claim for damages under tort law, where the appellate court had previously dismissed the plaintiff’s request for compensation under § 823(2) BGB in conjunction with § 6(1) and § 27(1) of the Emissions Vehicle Registration Act (EG-FGV), and the constitutional claim under §§ 826, 31 BGB. The BGH held that while liability under §§ 826, 31 BGB was correctly denied, the lower court erred in lawfully rejecting the tort claim as a matter of law; it confirmed that the provisions of the EG-FGV constitute protective statutes under § 823(2) BGB designed to shield vehicle purchasers from financial loss (differential damages) caused by the installation of illegal defeat devices in violation of Regulation (EC) No 715/2007. Consequently, the BGH ordered the appellate court to reassess the plaintiff’s entitlement to differential damages and to make the necessary findings regarding the defendant’s negligent or intentional liability for the unlawful device installation.

Schlagwörter

KI-generiert
Haftung aus unerlaubter Handlung Forderungsanmeldung Emissionsrecht E-Justice schadstoffarmes Fahrzeug Vertragsverletzungsklage

Zitierte Gesetzesbestimmungen

KI-generiert

Zitierte Rechtsprechung

KI-generiert
KI-generiert

Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

KI-generiert
§ 562 Abs. 1 ZPO

Provision cited in the dispositive to justify the reversal of the lower court's judgment.

§ 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO

Provision cited in the dispositive to order the remand of the case to the appellate court for new proceedings.

§ 561 ZPO

Provision cited in the dispositive to establish that the decision was reversed because it did not appear correct based on other reasons.

Fragen Sie sich, wie dieser Entscheid auf Ihren Fall anwendbar ist?

Prüfen Sie diesen Entscheid zusammen mit Bundesrecht, kantonalen Erlassen, Kommentaren und Folgeentscheiden in Legislator AI.

Fall in Legislator öffnen →

Volltext

Auf die Revision der Klägerin wird das Urteil des 21. Zivilsenats des Oberlandesgerichts München vom 5. November 2021 aufgehoben.

Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Berufungsgericht zurückverwiesen.

Von Rechts wegen

[TATBESTAND]

Die Klägerin nimmt die Beklagte wegen der Verwendung unzulässiger Abschalteinrichtungen in einem Kraftfahrzeug auf Schadensersatz in Anspruch.

Die Klägerin erwarb im Jahr 2016 einen Gebrauchtwagen des Typs Audi A6 3.0 TDI mit einem Dieselmotor (Euro 6). Sie verlangt von der Beklagten im Wesentlichen, sie im Wege des Schadensersatzes so zu stellen, als habe sie den Kaufvertrag nicht abgeschlossen. Das Landgericht hat der Klage teilweise stattgegeben. Das Berufungsgericht hat die Berufung der Klägerin zurückgewiesen und auf die Berufung der Beklagten das Urteil des Landgerichts abgeändert und die Klage abgewiesen. Hiergegen richtet sich die von dem Senat zugelassene Revision der Klägerin, mit der sie ihre zuletzt gestellten Berufungsanträge weiterverfolgt.

[ENTSCHEIDUNGSGRUENDE]

Die Revision hat Erfolg.

I. Das Berufungsgericht hat seine Entscheidung - soweit für das Revisionsverfahren von Interesse - im Wesentlichen wie folgt begründet:

Der Klägerin stehe kein Anspruch aus §§ 826, 31 BGB zu, da eine sittenwidrige Schädigung nicht substantiiert vorgetragen sei. Ein Anspruch aus § 823 Abs. 2 BGB in Verbindung mit § 6 Abs. 1, § 27 Abs. 1 EG-FGV bestehe nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs nicht.

II. Diese Erwägungen halten der Überprüfung im Revisionsverfahren nicht in allen Punkten stand.

1. Es begegnet keinen revisionsrechtlichen Bedenken, dass das Berufungsgericht eine Haftung der Beklagten aus §§ 826, 31 BGB verneint hat. Die Revision erhebt insoweit auch keine Einwände.

2. Die Revision wendet sich jedoch mit Erfolg dagegen, dass das Berufungsgericht eine Haftung der Beklagten nach § 823 Abs. 2 BGB in Verbindung mit § 6 Abs. 1, § 27 Abs. 1 EG-FGV aus Rechtsgründen abgelehnt hat. Wie der Senat nach Erlass der angefochtenen Entscheidung entschieden hat, sind die Bestimmungen der § 6 Abs. 1, § 27 Abs. 1 EG-FGV Schutzgesetze im Sinne des § 823 Abs. 2 BGB, die das Interesse des Fahrzeugkäufers gegenüber dem Fahrzeughersteller wahren, nicht durch den Kaufvertragsabschluss eine Vermögenseinbuße im Sinne der Differenzhypothese zu erleiden, weil das Fahrzeug entgegen der Übereinstimmungsbescheinigung eine unzulässige Abschalteinrichtung im Sinne des Art. 5 Abs. 2 Satz 1 der Verordnung (EG) Nr. 715/2007 aufweist (vgl. BGH, Urteil vom 26. Juni 2023 - VIa ZR 335/21, BGHZ 237, 245 Rn. 29 bis 32).

Das Berufungsgericht hat daher zwar zu Recht einen Anspruch der Klägerin auf die Gewährung sogenannten "großen" Schadensersatzes verneint (vgl. BGH, Urteil vom 26. Juni 2023 - VIa ZR 335/21, BGHZ 237, 245 Rn. 22 bis 27). Es hat jedoch nicht berücksichtigt, dass der Klägerin nach § 823 Abs. 2 BGB in Verbindung mit § 6 Abs. 1, § 27 Abs. 1 EG-FGV ein Anspruch auf Ersatz eines erlittenen Differenzschadens zustehen kann (vgl. BGH, Urteil vom 26. Juni 2023, aaO, Rn. 28 bis 32; ebenso BGH, Urteile vom 20. Juli 2023 - III ZR 267/20, WM 2023, 1839 Rn. 21 ff.; - III ZR 303/20, juris Rn. 16 f.; Urteil vom 12. Oktober 2023 - VII ZR 412/21, juris Rn. 20). Demzufolge hat das Berufungsgericht - von seinem Rechtsstandpunkt aus folgerichtig - weder der Klägerin Gelegenheit zur Darlegung eines solchen Schadens gegeben, noch hat es Feststellungen zu einer deliktischen Haftung der Beklagten wegen des zumindest fahrlässigen Einbaus einer unzulässigen Abschalteinrichtung getroffen.

III. Die angefochtene Entscheidung ist daher aufzuheben (§ 562 Abs. 1 ZPO), weil sie sich auch nicht aus anderen Gründen als richtig darstellt (§ 561 ZPO). Die Sache ist zur neuen Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückzuverweisen (§ 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO).

Im wiedereröffneten Berufungsverfahren wird die Klägerin Gelegenheit haben, einen Differenzschaden darzulegen. Das Berufungsgericht wird sodann nach den näheren Maßgaben des Urteils des Senats vom 26. Juni 2023 (VIa ZR 335/21, BGHZ 237, 245) die erforderlichen Feststellungen zu den Voraussetzungen und zum Umfang einer Haftung der Beklagten nach § 823 Abs. 2 BGB in Verbindung mit § 6 Abs. 1, § 27 Abs. 1 EG-FGV zu treffen haben.

C. Fischer

Krüger

Götz

Rensen

Katzenstein