Retrial procedure: Requirements for reading out prior judgments under § 243 StPO and admissibility of objections to the duty to investigate
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe German Federal Court of Criminal Justice (BGH) 5th Senate dismissed the defendant’s appeal as unfounded, upholding the conviction of the Regional Court of Hamburg and ordering the defendant to bear the legal costs. The defendant challenged the procedural regularity of a retrial following a prior remand, arguing that the indictment and prior judgments were not fully read out, and claimed the court failed in its duty to investigate the fairness of the proceedings regarding informant testimony, while also asserting that the sentencing improperly failed to mitigate punishment based on the distinction between direct and eventual intent. The Court held that the procedural requirements for the retrial were met because the original judgment was read in excerpt and the appellate decision was read in full, as evidenced by the court records, and that the specific statutory citation error by the presiding judge did not constitute a fatal defect. The appeal was further rejected because the complaint regarding the court’s duty to investigate was inadmissible due to a lack of specific factual reference to the allegedly relevant police documents, and the sentencing argument failed because the lower court had not drawn favorable inferences from the form of intent that would have required explicit reasoning under sentencing law.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 243 Abs. 3 Satz 1 StPO, § 274 StPO, § 249 Abs. 1 StPO, § 344 Abs. 2 StPO, § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO, § 267 Abs. 3 Satz 1 StPO; Retrial procedure: Requirements for reading out prior judgments under § 243 StPO and admissibility of objections to the duty to investigate: The defendant challenged the procedural regularity of a retrial following a prior remand, arguing that the indictment and prior judgments were not fully read out, and claimed the court failed in its duty to investigate the fairness of the proceedings regarding informant testimony, while also asserting that the sentencing improperly failed to mitigate punishment based on the distinction between direct and eventual intent. The Court held that the procedural requirements for the retrial were met because the original judgment was read in excerpt and the appellate decision was read in full, as evidenced by the court records, and that the specific statutory citation error by the presiding judge did not constitute a fatal defect. The appeal was further rejected because the complaint regarding the court’s duty to investigate was inadmissible due to a lack of specific factual reference to the allegedly relevant police documents, and the sentencing argument failed because the lower court had not drawn favorable inferences from the form of intent that would have required explicit reasoning under sentencing law.
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KI-generiertProcedural requirement for the reading out of the indictment and prior decisions in a retrial, which the court found to have been fulfilled.
Basis for the court's decision that the procedural objection regarding the duty to investigate was inadmissible due to non-compliance with presentation requirements.
Volltext
Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Hamburg vom 21. Februar 2023 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat.
Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.
Ergänzend bemerkt der Senat:
1. Die vom Angeklagten erhobene Verfahrensrüge einer Verletzung des § 243 Abs. 3 Satz 1 StPO, weil nach Zurückverweisung der Sache durch den Senat in der neuen Hauptverhandlung weder der Anklagesatz noch das Ausgangsurteil und die zurückverweisende Revisionsentscheidung vollständig verlesen worden seien, hat keinen Erfolg.
Der behauptete Verfahrensfehler liegt schon deswegen nicht vor, weil das in Teilrechtskraft erwachsene landgerichtliche Urteil im ersten Rechtsgang auszugsweise und die zugehörige Senatsentscheidung vom 6. Januar 2022 umfassend verlesen worden sind. Dies steht nach der gebotenen Auslegung des Hauptverhandlungsprotokolls fest (§ 274 StPO; vgl. hierzu BGH, Beschluss vom 14. März 2023 – 5 StR 28/23; MüKo-StPO/Valerius, 2. Aufl., § 274 Rn. 25).
Danach ist das aufgehobene Urteil des Landgerichts auszugsweise im „Tenor und [den] Feststellungen zur Sache“, verlesen worden; die aufhebende Entscheidung des Senats (fälschlich als „Beschluss“ bezeichnet) demgegenüber vollständig. Einschränkungen zur Verlesung des Revisionsurteils sind daraus – anders als beim aufgehobenen Urteil – nicht erkennbar: „Beschluss des BGH vom 06.01.2022 zum Az. 5 StR 2/21“. Gegenüber diesem klaren Wortlaut kommt den dazu angegebenen Blattzahlen „1398 bis 1401“ keine Bedeutung zu. Diese beziehen sich ausschließlich auf Passagen mit Ausführungen zu dem Mitangeklagten und es ist schon nicht ersichtlich, weshalb das Revisionsurteil nur hinsichtlich eines früheren Mitangeklagten verlesen worden sein sollte. Deswegen war es für alle Verfahrensbeteiligten eindeutig erkennbar, dass die Senatsentscheidung umfassend verlesen, die angegebenen Blattzahlen hingegen fehlerhaft erfasst wurden. Das vom Senat gefundene Ergebnis der Auslegung wird durch weitere, aus der Niederschrift ersichtliche Vorgänge gestützt. Danach sind verlesene Aktenteile als „Anlage 1“ zum Hauptverhandlungsprotokoll genommen worden. Diese Anlage umfasst das vollständige Urteil des Senats vom 6. Januar 2022, hingegen vom aufgehobenen Urteil des Landgerichts nur die verlesenen Auszüge.
Dadurch ist den Erfordernissen des § 243 Abs. 3 Satz 1 StPO genüge getan (vgl. hierzu BGH, Beschluss vom 6. Dezember 2018 – 4 StR 424/18, NStZ 2019, 293 f.; Urteil vom 24. April 2018 – 1 StR 481/17, NStZ 2018, 614; BeckOK-StPO/Gorf, 49. Ed., § 243 Rn. 25; LR-StPO/Becker, 27. Aufl., § 243 Rn. 53; KK-StPO/Schneider, 9. Aufl., § 243 Rn. 30).
Dass die Strafkammervorsitzende die Verlesung auf § 249 Abs. 1 StPO gestützt hat, statt richtigerweise auf § 243 Abs. 3 Satz 1 StPO, begründet keinen durchgreifenden Verfahrensfehler. Denn die Verlesung hat ihren Zweck – Information der Prozessbeteiligten und der Öffentlichkeit (vgl. BGH, Urteil vom 24. April 2018 – 1 StR 481/17 Rn. 6) – erfüllt.
2. Die Verfahrensrüge einer Verletzung der Aufklärungspflicht (§ 344 Abs. 2 StPO) erweist sich schon mangels Einhaltung der Vortragserfordernisse nach § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO als unzulässig. Es fehlt an der inhaltlichen Mitteilung der in Bezug genommenen Observationsberichte und anderer Urkunden, aus denen sich Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen den Grundsatz des fairen Verfahrens ergeben könnten (z.B.: Dokument über die zeugenschaftliche Vernehmung eines Informanten durch die Polizei vom 22. Mai 2019, Antrag der Rechtsanwältin S. vom 6. Juli 2020 nebst der darin in Bezug genommenen Aktenteile). Auf der Grundlage des Revisionsvorbringens lässt sich deshalb nicht prüfen, ob sich dem Landgericht eine weitere Aufklärung des Sachverhalts hätte aufdrängen müssen.
3. Soweit die Revision mit der Sachrüge geltend macht, das Landgericht habe das Handeln mit (lediglich) Eventualvorsatz strafmildernd berücksichtigen müssen, zeigt sie keinen Rechtsfehler auf. Es hat aus der Vorsatzform keine dem Angeklagten günstige Rückschlüsse auf die individuelle Tatschuld gezogen (vgl. hierzu BGH, Beschluss vom 1. Juni 2016 – 2 StR 150/15, NStZ 2017, 216, 218; Schäfer/Sander/van Gemmeren, Praxis der Strafzumessung, 6. Aufl., Rn. 618; Lackner/Kühl/Heger, StGB, 30. Aufl., § 46 Rn. 33a), die sie als bestimmenden Strafzumessungsgrund (§ 267 Abs. 3 Satz 1 StPO) hätte erörtern müssen. Hiergegen ist nichts zu erinnern.
Cirener
Köhler
Resch
von Häfen
Werner