Preclusion of general prospect liability by specialized statutory regime upon acquisition after public offer period
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Federal Court of Justice dismissed the plaintiff's complaint against the non-admission of revision, upholding the appellate court's dismissal of the claim and leaving the lower instance judgments in effect, with the plaintiff bearing the costs. The dispute concerned whether a fund investor could claim damages under the "wider" form of prospect liability (violation of pre-contractual duties) for a defective prospect failing to disclose a change in capital shares, challenging whether this general liability remains available when the investor acquired the asset outside the statutory purchase period for specialized statutory prospect liability. The court held that specialized statutory prospect liability under the former Securities Prospectus Act and Stock Exchange Act precludes claims based on pre-contractual disclosure duties if the investment product and market fall within its scope, regardless of whether specific liability elements are met, thereby ruling that the general liability is displaced even when the acquisition occurs after the six-month public offer period.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 97 Abs. 1 ZPO, § 280 Abs. 1 BGB, § 311 Abs. 2 BGB, § 544 Abs. 6 Satz 2 Halbs. 2 ZPO; Preclusion of general prospect liability by specialized statutory regime upon acquisition after public offer period: The dispute concerned whether a fund investor could claim damages under the "wider" form of prospect liability (violation of pre-contractual duties) for a defective prospect failing to disclose a change in capital shares, challenging whether this general liability remains available when the investor acquired the asset outside the statutory purchase period for specialized statutory prospect liability. The court held that specialized statutory prospect liability under the former Securities Prospectus Act and Stock Exchange Act precludes claims based on pre-contractual disclosure duties if the investment product and market fall within its scope, regardless of whether specific liability elements are met, thereby ruling that the general liability is displaced even when the acquisition occurs after the six-month public offer period.
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KI-generiertCited in the dispositive to impose the costs of the complaint proceedings on the losing plaintiff.
Volltext
Die Beschwerde der Klägerin gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des 11. Zivilsenats des Hanseatischen Oberlandesgerichts vom 26. November 2021 wird zurückgewiesen.
Die Klägerin trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens (§ 97 Abs. 1 ZPO).
Der Gegenstandswert für das Beschwerdeverfahren beträgt bis 25.000 €.
[GRUENDE]
I. Die Klägerin nimmt die Beklagten nach den Grundsätzen der Prospekthaftung im weiteren Sinne auf Schadensersatz in Anspruch.
Die Klägerin zeichnete am 8. März 2010 einen Anteil in Höhe von 25.000 € zzgl. 5% Agio (1.250 €) an der N. S. GmbH & Co. KG (nachfolgend: Fondsgesellschaft). Der Fondsbeteiligung liegt ein Prospekt vom 10. Juni 2009 mit Nachtrag vom 16. Februar 2010 zugrunde. Die Beklagte zu 1 hat im Prospekt ausdrücklich die Verantwortung für den Prospekt übernommen. Die Beklagte zu 2 ist Gründungsgesellschafterin der Fondsgesellschaft und Treuhandkommanditistin. Die Klägerin nimmt die Beklagten aus Prospekthaftung im weiteren Sinne in Anspruch, weil der Prospekt nicht über die Umbuchung von 9,1% der Kapitalanteile auf die Gründungsgesellschafter aufkläre und damit fehlerhaft sei.
Das Landgericht hat der Klage antragsgemäß stattgegeben. Das Berufungsgericht hat sie abgewiesen und dies damit begründet, dass der Klägerin kein Anspruch aus Prospekthaftung im weiteren Sinne wegen der vorrangig anzuwendenden spezialgesetzlichen Prospekthaftung (§ 13 VerkProspG, §§ 44 ff. BörsG in der bis zum 31. Mai 2012 geltenden Fassung, nachfolgend aF) zustehe und ein Anspruch aus der spezialgesetzlichen Prospekthaftung verjährt sei.
Dagegen wendet sich die Klägerin mit der Nichtzulassungsbeschwerde, mit der sie geklärt wissen will, "ob die in der Rechtsprechung des Senats entwickelten Grundsätze zum Anwendungsvorrang der spezialgesetzlichen Prospekthaftung gegenüber der Prospekthaftung im weiteren Sinne (§§ 280, 311 BGB) auch dann eingreifen, wenn ein Anleger außerhalb der in § 13 Abs. 1 Nr. 1 VerkProspG a.F. bezeichneten Frist sich beteiligt."
II. Die von der Nichtzulassungsbeschwerde aufgeworfene Frage ist nicht klärungsbedürftig.
Die spezialgesetzliche Prospekthaftung gemäß den § 13 VerkProspG aF i.V.m. §§ 44 ff. BörsG aF schließt in ihrem Anwendungsbereich eine Haftung unter dem Aspekt einer vorvertraglichen Pflichtverletzung aufgrund der Verwendung eines unrichtigen, unvollständigen oder irreführenden Prospekts als Mittel der schriftlichen Aufklärung gemäß § 280 Abs. 1 BGB i.V.m. § 311 Abs. 2 BGB aus (Senatsbeschluss vom 19. Januar 2021 - XI ZB 35/18, BGHZ 228, 237 Rn. 26). Wie der Senat bereits erkannt hat (vgl. Senatsbeschluss vom 14. Juni 2022 - XI ZR 395/21, WM 2022, 1679 Rn. 12 f., in der Fassung des Beschlusses vom 5. September 2022, WM 2022, 1908), wird der Anwendungsbereich in diesem Sinne durch das Anlageprodukt und den Markt, auf dem das Anlageprodukt angeboten wird, sowie durch den Haftungsadressaten bestimmt. Ob einzelne haftungsbegründende oder haftungsausfüllende Voraussetzungen der § 13 VerkProspG aF i.V.m. §§ 44 ff. BörsG aF vorliegen, ist für die Beantwortung der Frage, ob der Anwendungsbereich der spezialgesetzlichen Prospekthaftung eröffnet ist, ohne Bedeutung. Dementsprechend wird die Prospekthaftung im weiteren Sinne auch verdrängt, wenn der Anleger die Vermögensanlage, wie hier, erst nach dem Erwerbszeitraum i.S.d. § 13 Abs. 1 Nr. 1 VerkProspG aF i.V.m. § 44 Abs. 1 Satz 1 BörsG aF, also sechs Monate nach dem ersten öffentlichen Angebot im Inland, erworben hat (vgl. OLG Hamburg, BeckRS 2021, 21441 Rn. 57; Klöhn, NZG 2021, 1063, 1067; Buck-Heeb/Dieckmann, ZIP 2022, 145, 147; Koch, BKR 2022, 271, 286; vgl. auch Senatsbeschluss vom 21. Oktober 2014 - XI ZB 12/12, BGHZ 203, 1 Rn. 64 ff.).
Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 6 Satz 2 Halbs. 2 ZPO abgesehen.
Ellenberger
Matthias
Menges
Derstadt
Ettl