Specialized statutory prospectus liability displaces general pre-contractual liability despite late acquisition outside the six-month offer period
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Federal Court of Justice (BGH) dismissed the plaintiff’s complaint for leave to appeal, thereby upholding the appellate court’s judgment that dismissed the plaintiff’s claim, with the plaintiff bearing the costs of the proceedings. The dispute involved a claim for damages based on prospectus liability in the broad sense, alleging that a fund participation prospectus failed to disclose the rebooking of a portion of capital shares to the founding partner, which the lower court rejected on the grounds that specialized statutory prospectus liability applied and had prescribed. The BGH held that the question of whether the priority of specialized statutory prospectus liability displaces liability for pre-contractual breach of duty under §§ 280, 311 BGB even when the investor acquires the asset after the specific acquisition period under § 13 Abs. 1 Nr. 1 VerkProspG aF in conjunction with §§ 44 ff. BörsG aF is not worthy of clarification, as existing case law already establishes that the scope of specialized liability is determined by the investment product, market, and addressee, regardless of whether the specific statutory prerequisites (such as the six-month acquisition window) are met, thereby excluding the broader contractual liability theory in this context.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 97 Abs. 1 ZPO, § 280 Abs. 1 BGB, § 311 Abs. 2 BGB, § 544 Abs. 6 Satz 2 Halbs. 2 ZPO; Specialized statutory prospectus liability displaces general pre-contractual liability despite late acquisition outside the six-month offer period: The dispute involved a claim for damages based on prospectus liability in the broad sense, alleging that a fund participation prospectus failed to disclose the rebooking of a portion of capital shares to the founding partner, which the lower court rejected on the grounds that specialized statutory prospectus liability applied and had prescribed. The BGH held that the question of whether the priority of specialized statutory prospectus liability displaces liability for pre-contractual breach of duty under §§ 280, 311 BGB even when the investor acquires the asset after the specific acquisition period under § 13 Abs. 1 Nr. 1 VerkProspG aF in conjunction with §§ 44 ff. BörsG aF is not worthy of clarification, as existing case law already establishes that the scope of specialized liability is determined by the investment product, market, and addressee, regardless of whether the specific statutory prerequisites (such as the six-month acquisition window) are met, thereby excluding the broader contractual liability theory in this context.
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KI-generiertProvision cited in the dispositive to order the plaintiff to bear the costs of the complaint proceedings.
Volltext
Die Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des 11. Zivilsenats des Hanseatischen Oberlandesgerichts vom 26. November 2021 wird zurückgewiesen.
Der Kläger trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens (§ 97 Abs. 1 ZPO).
Der Gegenstandswert für das Beschwerdeverfahren beträgt bis 50.000 €.
[GRUENDE]
I. Der Kläger nimmt die Beklagten nach den Grundsätzen der Prospekthaftung im weiteren Sinne auf Schadensersatz in Anspruch.
Der Kläger zeichnete am 19. Mai 2010 einen Anteil in Höhe von 50.000 € zzgl. 2,5% Agio (1.250 €) an der N. S. GmbH & Co. KG (nachfolgend: Fondsgesellschaft). Der Fondsbeteiligung liegt ein Prospekt vom 10. Juni 2009 mit Nachtrag vom 16. Februar 2010 zugrunde. Die Beklagte zu 1 hat im Prospekt ausdrücklich die Verantwortung für den Prospekt übernommen. Die Beklagte zu 2 ist Gründungsgesellschafterin der Fondsgesellschaft und Treuhandkommanditistin. Der Kläger nimmt die Beklagten aus Prospekthaftung im weiteren Sinne in Anspruch, weil der Prospekt nicht über die Umbuchung von 9,1% der Kapitalanteile auf die Gründungsgesellschafter aufkläre und damit fehlerhaft sei.
Das Landgericht hat der Klage antragsgemäß stattgegeben. Das Berufungsgericht hat sie abgewiesen und dies damit begründet, dass dem Kläger kein Anspruch aus Prospekthaftung im weiteren Sinne wegen der vorrangig anzuwendenden spezialgesetzlichen Prospekthaftung (§ 13 VerkProspG, §§ 44 ff. BörsG in der bis zum 31. Mai 2012 geltenden Fassung, nachfolgend aF) zustehe und ein Anspruch aus der spezialgesetzlichen Prospekthaftung verjährt sei.
Dagegen wendet sich der Kläger mit der Nichtzulassungsbeschwerde, mit der er geklärt wissen will, "ob die in der Rechtsprechung des Senats entwickelten Grundsätze zum Anwendungsvorrang der spezialgesetzlichen Prospekthaftung gegenüber der Prospekthaftung im weiteren Sinne (§§ 280, 311 BGB) auch dann eingreifen, wenn ein Anleger außerhalb der in § 13 Abs. 1 Nr. 1 VerkProspG a.F. bezeichneten Frist sich beteiligt."
II. Die von der Nichtzulassungsbeschwerde aufgeworfene Frage ist nicht klärungsbedürftig.
Die spezialgesetzliche Prospekthaftung gemäß den § 13 VerkProspG aF i.V.m. §§ 44 ff. BörsG aF schließt in ihrem Anwendungsbereich eine Haftung unter dem Aspekt einer vorvertraglichen Pflichtverletzung aufgrund der Verwendung eines unrichtigen, unvollständigen oder irreführenden Prospekts als Mittel der schriftlichen Aufklärung gemäß § 280 Abs. 1 BGB i.V.m. § 311 Abs. 2 BGB aus (Senatsbeschluss vom 19. Januar 2021 - XI ZB 35/18, BGHZ 228, 237 Rn. 26). Wie der Senat bereits erkannt hat (vgl. Senatsbeschluss vom 14. Juni 2022 - XI ZR 395/21, WM 2022, 1679 Rn. 12 f., in der Fassung des Beschlusses vom 5. September 2022, WM 2022, 1908), wird der Anwendungsbereich in diesem Sinne durch das Anlageprodukt und den Markt, auf dem das Anlageprodukt angeboten wird, sowie durch den Haftungsadressaten bestimmt. Ob einzelne haftungsbegründende oder haftungsausfüllende Voraussetzungen der § 13 VerkProspG aF i.V.m. §§ 44 ff. BörsG aF vorliegen, ist für die Beantwortung der Frage, ob der Anwendungsbereich der spezialgesetzlichen Prospekthaftung eröffnet ist, ohne Bedeutung. Dementsprechend wird die Prospekthaftung im weiteren Sinne auch verdrängt, wenn der Anleger die Vermögensanlage, wie hier, erst nach dem Erwerbszeitraum i.S.d. § 13 Abs. 1 Nr. 1 VerkProspG aF i.V.m. § 44 Abs. 1 Satz 1 BörsG aF, also sechs Monate nach dem ersten öffentlichen Angebot im Inland, erworben hat (vgl. OLG Hamburg, BeckRS 2021, 21441 Rn. 57; Klöhn, NZG 2021, 1063, 1067; Buck-Heeb/Dieckmann, ZIP 2022, 145, 147; Koch, BKR 2022, 271, 286; vgl. auch Senatsbeschluss vom 21. Oktober 2014 - XI ZB 12/12, BGHZ 203, 1 Rn. 64 ff.).
Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 6 Satz 2 Halbs. 2 ZPO abgesehen.
Ellenberger
Matthias
Menges
Derstadt
Ettl