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1 StR 629/16 ECLI:DE:BGH:2017:070317B1STR629.16.0 KI-generiert

Proportionality of renewed psychiatric placement versus pending probation revocation after aggravated new offense

Geschäftsnummer 1 StR 629/16
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice (BGH) dismissed the defendant's appeal, upholding the Landgericht München II's 2016 conviction and the order for placement in a psychiatric hospital under § 63 StGB, thereby confirming the lower court's judgment in favor of the prosecution. The dispute centered on whether a new placement order was disproportionate given that the defendant had previously been placed in a psychiatric institution in 2011 with execution suspended on probation, which was subsequently subject to a revocation proceeding. The court ruled that the principle of proportionality was satisfied because the new offense—a attempted homicide committed using hazardous tools such as tear gas and a kitchen knife—was significantly more severe than the prior acts of insult and threat that had justified the initial, pre-reform placement. The decisive legal basis is the doctrine that a new judicial proceeding is permissible and necessary over a simple revocation of probation if the new findings on the symptom crime and the defendant's endangerment will have substantial effects on the duration and design of the measure, particularly when the original order was based on the old version of § 63 StGB and the current trial provides a more robust legal basis for the extended institutionalization.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 2 StPO, § 63 StGB; Proportionality of renewed psychiatric placement versus pending probation revocation after aggravated new offense: The dispute centered on whether a new placement order was disproportionate given that the defendant had previously been placed in a psychiatric institution in 2011 with execution suspended on probation, which was subsequently subject to a revocation proceeding. The court ruled that the principle of proportionality was satisfied because the new offense—a attempted homicide committed using hazardous tools such as tear gas and a kitchen knife—was significantly more severe than the prior acts of insult and threat that had justified the initial, pre-reform placement. The decisive legal basis is the doctrine that a new judicial proceeding is permissible and necessary over a simple revocation of probation if the new findings on the symptom crime and the defendant's endangerment will have substantial effects on the duration and design of the measure, particularly when the original order was based on the old version of § 63 StGB and the current trial provides a more robust legal basis for the extended institutionalization.

Schlagwörter

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Verhältnismässigkeit Wirkungen des Urteils Justizreform versuchte vorsätzliche Tötung Widerruf des bedingten Strafvollzugs Deliktsgut

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 349 Abs. 2 StPO

Procedural rule cited in the dispositive to justify the dismissal of the appeal as unfounded.

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Volltext

Strafsache: Verhältnismäßigkeit der erneuten Unterbringungsanordnung

[TENOR]

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts München II vom 5. Juli 2016 wird als unbegründet verworfen (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die dem Nebenkläger im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat:

Der Anordnung der Unterbringung des Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus steht nicht entgegen, dass bereits im Jahr 2011 die Unterbringung des Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus unter Aussetzung von deren Vollstreckung zur Bewährung angeordnet worden und zum Urteilszeitpunkt ein Verfahren über den Widerruf der Aussetzung zur Bewährung anhängig war.

Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist bei der Frage, ob gegen einen Angeklagten oder Beschuldigten, gegen den bereits zuvor die Unterbringung angeordnet worden ist, eine erneute Unterbringungsanordnung getroffen werden kann, dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz in besonderer Weise Rechnung zu tragen. Die Verhältnismäßigkeit ist jedenfalls dann gewahrt, wenn das neue Urteil erhebliche Auswirkungen auf Dauer und Ausgestaltung des Maßregelvollzugs haben kann und das Erkenntnisverfahren in besserer Weise als das Vollstreckungsverfahren dazu geeignet ist, die neue Symptomtat sowie die sich darin widerspiegelnde Gefährlichkeit des Angeklagten bzw. Beschuldigten für alle an der Maßregelvollstreckung Beteiligten verbindlich festzustellen und damit Änderungen in der Ausgestaltung des Vollzugs oder die Anordnung von dessen Fortdauer zu legitimieren (st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 9. Mai 2006 - 3 StR 111/06, BGHR StGB § 62 Verhältnismäßigkeit 6 mwN sowie Beschlüsse vom 9. April 2013 - 5 StR 58/13, StraFo 2013, 250 und vom 21. Juli 2010 - 5 StR 243/10, NStZ-RR 2011, 41; Urteil vom 17. September 2009 - 4 StR 325/09, RuP 2010, 57).

Auch im vorliegenden Fall ist die Verhältnismäßigkeit gewahrt. Ob im Vollstreckungsverfahren ausreichende Feststellungen zur verfahrensgegenständlichen Symptomtat getroffen werden können, so dass hinsichtlich der im Jahr 2011 zur Bewährung ausgesetzten Anordnung der Unterbringung des Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus ein Bewährungswiderruf erfolgen kann, ist ungewiss. Dies gilt umso mehr, als die damalige Unterbringungsanordnung nach alter Rechtslage (§ 63 StGB aF) erging und allein auf Taten der Beleidigung und Bedrohung als Symptomtaten gestützt werden konnte. Vor diesem Hintergrund ist das vorliegende Erkenntnisverfahren besser dazu geeignet, die sich von den früheren Taten des Angeklagten erheblich unterscheidende neue Symptomtat eines unter Einsatz gefährlicher Werkzeuge (Reizgas und Küchenmesser) begangenen versuchten Tötungsdelikts und die sich darin widerspiegelnde Gefährlichkeit des Angeklagten für alle an der Maßregelvollstreckung Beteiligten verbindlich festzustellen.

Graf

Jäger

Bellay

Radtke

Fischer