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4 StR 414/18 ECLI:DE:BGH:2018:101018B4STR414.18.0 KI-generiert

Cruel mistreatment of infant by repeated severe injuries exceeding typical bodily harm consequences under § 225 Abs. 1 Nr. 1 StGB

Geschäftsnummer 4 StR 414/18
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice (BGH) dismissed the defendant’s appeal as unfounded, thereby upholding the conviction and sentence imposed by the Detmold Regional Court and ordering the defendant to bear the costs of the legal proceedings. The dispute concerned the legal classification of severe, repeated acts of physical violence committed against the defendant's two-month-old child, specifically addressing the prosecutor’s and defendant’s arguments regarding whether the conduct constituted "cruel mistreatment" (*quälen*) under § 225 Abs. 1 Nr. 1 StGB. The court held that the specific injuries sustained by the victim—including multiple bone fractures, brain tissue injuries, and deep burns—inflicted over a short period of approximately one month, resulted in prolonged and recurring severe pain that exceeded the typical consequences of isolated bodily harm. The decisive legal basis established that such cumulative, sustained suffering, consciously accepted by the perpetrator, satisfies the statutory requirement for "cruel mistreatment" under § 225 Abs. 1 Nr. 1 StGB, regardless of whether the individual acts might otherwise be characterized as "rough handling."

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 2 StPO, § 225 Abs. 1 Nr. 1 StGB, § 223 StGB; Cruel mistreatment of infant by repeated severe injuries exceeding typical bodily harm consequences under § 225 Abs. 1 Nr. 1 StGB: The dispute concerned the legal classification of severe, repeated acts of physical violence committed against the defendant's two-month-old child, specifically addressing the prosecutor’s and defendant’s arguments regarding whether the conduct constituted "cruel mistreatment" (*quälen*) under § 225 Abs. 1 Nr. 1 StGB. The court held that the specific injuries sustained by the victim—including multiple bone fractures, brain tissue injuries, and deep burns—inflicted over a short period of approximately one month, resulted in prolonged and recurring severe pain that exceeded the typical consequences of isolated bodily harm. The decisive legal basis established that such cumulative, sustained suffering, consciously accepted by the perpetrator, satisfies the statutory requirement for "cruel mistreatment" under § 225 Abs. 1 Nr. 1 StGB, regardless of whether the individual acts might otherwise be characterized as "rough handling."

Schlagwörter

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Kindsmisshandlung grausame und erniedrigende Behandlung Prozessleitung Auslegung von Urteilen einfache Körperverletzung Angriff auf Leib und Leben
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 349 Abs. 2 StPO

Cited in the dispositive as the legal basis for dismissing the appeal as unfounded because no legal error to the detriment of the accused was found.

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Volltext

Bewertung der Taten bei dem Straftatbestand der Misshandlung von Schutzbefohlenen

[TENOR]

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Detmold vom 8. Juni 2018 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat:

Dass die Strafkammer die verschiedenen massiven Gewalthandlungen des Angeklagten zum Nachteil seines im Tatzeitraum zwei Monate alten Kindes nicht jeweils als ein rohes Misshandeln im Sinne des § 225 Abs. 1 Nr. 1 StGB bewertet hat (vgl. dazu BGH, Beschluss vom 7. August 2018 – 4 StR 89/18, Rn. 4 mwN), beschwert den Angeklagten nicht. Durch die Feststellung, dass das Tatopfer in dem kurzen, insgesamt nur ca. einmonatigen Tatzeitraum infolge der wiederholten Gewalthandlungen des Angeklagten an länger andauernden, wiederkehrenden Schmerzen litt, was dem Angeklagten auch bewusst war und von ihm billigend in Kauf genommen wurde, wird auch ein Quälen im Sinne des § 225 Abs. 1 Nr. 1 StGB hinreichend belegt.

Quälen im Sinne des § 225 Abs. 1 Nr. 1 StGB bedeutet das Verursachen länger dauernder oder sich wiederholender (erheblicher) Schmerzen oder Leiden körperlicher oder seelischer Art. Es wird im Allgemeinen durch mehrere Tathandlungen bewirkt, wobei oft erst deren ständige Wiederholung den besonderen Unrechtsgehalt des Quälens verwirklicht. Die zugefügten Schmerzen oder Leiden müssen dabei über die typischen Auswirkungen einzelner Körperverletzungshandlungen hinausgehen und der Vorsatz des Täters sich auch hierauf erstrecken (vgl. BGH, Urteil vom 23. Juli 2015 – 3 StR 633/14, NStZ-RR 2015, 369, 370; Beschluss vom 24. Februar 2015 – 4 StR 11/15, StV 2016, 434; Beschluss vom 20. März 2012 – 4 StR 561/11, NStZ 2013, 466, 467; Beschluss vom 7. Dezember 2006 – 2 StR 470/06, Rn. 5 [insoweit in NStZ 2007, 720 nicht abgedruckt]). Das Erfordernis, dass die zugefügten Schmerzen oder Leiden über die typischen Auswirkungen der einzelnen Körperverletzungshandlungen hinausgehen müssen, ist dabei insbesondere dann von Bedeutung, wenn die einzelnen Körperverletzungshandlungen für sich genommen eher niederschwellig sind (vgl. den Sachverhalt in BGH, Beschluss vom 20. März 2012 – 4 StR 561/11, NStZ 2013, 466 ff.) und erst deren ständige Wiederholung den gegenüber § 223 StGB gesteigerten Unrechtsgehalt ausmacht (vgl. BGH, Beschluss vom 31. August 2016 – 4 StR 340/16, NStZ 2017, 282, 284 mwN). Bringt der Täter – wie hier – dem Tatopfer vorsätzlich in enger Folge mehrere schwere Verletzungen (zeitverschiedene handgelenksnahe Speichenfrakturen auf beiden Seiten, metaphysäre Kantenabrisse an beiden Oberschenkelknochen, Schlüsselbeinfraktur, Unterschenkelschaftfraktur am Schien- und Wadenbein, Hirngewebsverletzungen, tiefe Verbrühung am Mundboden u.a.) bei, die jeweils schon für sich zu länger dauernden und erheblichen Schmerzen führen, sodass die neu zugefügten Schmerzen und Leiden zu noch nicht oder gerade abgeklungenen Schmerzen und Leiden aus früheren Gewalthandlungen hinzutreten oder sich an diese anschließen, ist auch damit ein Quälen im Sinne des § 225 Abs. 1 Nr. 1 StGB gegeben.

Sost-Scheible

Roggenbuck

Franke

Quentin

Feilcke