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4 StR 104/22 ECLI:DE:BGH:2022:300822B4STR104.22.0 KI-generiert

Admissibility of paper-filed appeal justification under mandatory electronic transmission rules.

Geschäftsnummer 4 StR 104/22
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Nichteintreten / Unzulässig (Inadmissible)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Criminal Procedure dismissed the defendant’s application for reinstatement and rejected his appeal as inadmissible, leaving the lower court’s conviction and sentence in force. The dispute concerned the procedural validity of the appeal against a conviction for dangerous bodily injury, specifically whether the appeal justification filed via fax was effective when electronic submission was mandatory. The court held that the justifications were not effectively transmitted because they did not meet the statutory requirement for electronic form, and the defense failed to plausibly demonstrate a temporary technical impossibility of electronic transmission immediately upon filing. Furthermore, the reinstatement application was deemed inadmissible because it was filed beyond the one-week deadline following the defendant’s knowledge of the defect, and the court found no basis for ex officio reinstatement due to the defendant’s potential contributory negligence in failing to verify the defective filing. The decision rests on §§ 32a, 32d, 345, 349, and 44-45 StPO, establishing that paper submissions are only valid in cases of immediate, documented technical failure and that reinstatement requires strict adherence to post-knowledge deadlines.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 1 StPO, § 345 Abs. 1 Satz 3 StPO, § 32a StPO, § 32d Satz 2 StPO, § 32d Satz 3 StPO, § 32d Satz 4 Halbs. 1 StPO; Admissibility of paper-filed appeal justification under mandatory electronic transmission rules: The dispute concerned the procedural validity of the appeal against a conviction for dangerous bodily injury, specifically whether the appeal justification filed via fax was effective when electronic submission was mandatory. The court held that the justifications were not effectively transmitted because they did not meet the statutory requirement for electronic form, and the defense failed to plausibly demonstrate a temporary technical impossibility of electronic transmission immediately upon filing. Furthermore, the reinstatement application was deemed inadmissible because it was filed beyond the one-week deadline following the defendant’s knowledge of the defect, and the court found no basis for ex officio reinstatement due to the defendant’s potential contributory negligence in failing to verify the defective filing. The decision rests on §§ 32a, 32d, 345, 349, and 44-45 StPO, establishing that paper submissions are only valid in cases of immediate, documented technical failure and that reinstatement requires strict adherence to post-knowledge deadlines.

Schlagwörter

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Prozessvoraussetzung Aktenübermittlung Strafurteil gesetzliche Grundlage notwendige Verteidigung Bewerbung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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4 StR 59/22
Inadmissibility of Revision due to failure to submit grounds in mandatory electronic form
3 StR 560/18
Wiedereinsetzung into Revisionsbegründungsfrist: lack of specific disclosure of when the defendant learned of the missed deadline renders the application inadmissible.
1 StR 267/72
Dezember 1972 – 1 StR 267/72, BGHSt 25, 89, 90 ff.; Beschluss vom 19.
BGHSt 25, 89
Dezember 1972 – 1 StR 267/72, BGHSt 25, 89, 90 ff.; Beschluss vom 19.
4 StR 68/22
Juli 2022 – 4 StR 68/22, juris Rn.
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 349 Abs. 1 StPO

Serves as the explicit legal ground for the dismissal of the appeal as inadmissible in the second operative order.

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Volltext

Revision im Strafverfahren: Glaubhaftmachung der vorübergehenden Unmöglichkeit der elektronischen Übermittlung der Revisionsbegründung

[TENOR]

1. Der Antrag des Angeklagten, ihm Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Frist zur Begründung der Revision gegen das Urteil des Landgerichts Hagen vom 27. Oktober 2021 zu gewähren, wird verworfen.

2. Die Revision des Angeklagten gegen das vorbezeichnete Urteil wird als unzulässig verworfen (§ 349 Abs. 1 StPO).

3. Der Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels und die dem Nebenkläger im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

[GRUENDE]

Das Landgericht hat den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verurteilt, von der drei Monate wegen überlanger Verfahrensdauer als vollstreckt gelten.

1. Seine hiergegen eingelegte Revision ist nicht fristgerecht begründet worden und daher unzulässig. Denn die beiden Revisionsbegründungen sind dem Landgericht zwar innerhalb der Frist des § 345 Abs. 1 Satz 3 StPO, aber nicht in elektronischer Form (§ 32a StPO) und damit gemäß § 32d Satz 2 StPO nicht wirksam übermittelt worden (vgl. BGH, Beschluss vom 28. April 2022 – 4 StR 59/22 Rn. 2; OLG Oldenburg, Beschluss vom 25. Februar 2022 – 1 Ss 28/22, StraFo 2022, 147, 148 mit zutreffendem Hinweis auf die Gesetzesbegründung, BT-Drucks. 18/9416, S. 51).

Ein Ausnahmefall gemäß § 32d Satz 3 StPO liegt nicht vor. Nach dieser Vorschrift ist eine Übermittlung in Papierform nur dann zulässig, wenn die elektronische Übermittlung aus technischen Gründen vorübergehend nicht möglich ist. Diese vorübergehende Unmöglichkeit ist bei der Ersatzeinreichung oder unverzüglich danach glaubhaft zu machen (§ 32d Satz 4 Halbs. 1 StPO). Dies ist jeweils nicht geschehen. Die Revisionsbegründung von Rechtsanwalt K. vom 21. Januar 2022 enthält keine Ausführungen dazu, warum die Einreichung mittels Telefax erfolgt ist. In der Revisionsbegründung von Rechtsanwalt M. vom 3. Februar 2022 ist lediglich auf dem ersten Blatt links oben in fettgedruckten Großbuchstaben vermerkt: „PER FAX DA BEA DERZEIT HIER OHNE FUNKTION“. Aus dieser stichwortartigen Zustandsbeschreibung ergibt sich nicht, dass im Zeitpunkt der Übermittlung eine grundsätzlich einsatzbereite technische Infrastruktur existierte und eine nur vorübergehende technische Störung gegeben war. Die weiteren Ausführungen der Verteidiger in den – überdies nicht an das Landgericht, sondern an den Generalbundesanwalt gerichteten – Schriftsätzen vom 4., 7. und 12. April 2022 sind erst mehr als zwei Monate nach der Übermittlung der Revisionsbegründungen vom 21. Januar 2022 und vom 3. Februar 2022 und damit jedenfalls nicht mehr unverzüglich im Sinne des § 32d Satz 4 StPO erfolgt.

2. Der Wiedereinsetzungsantrag ist ebenfalls unzulässig. Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ist auf Antrag demjenigen zu gewähren, der ohne Verschulden verhindert war, eine Frist einzuhalten (§ 44 Satz 1 StPO). Der Antrag ist binnen einer Woche nach Wegfall des Hindernisses zu stellen (§ 45 Abs. 1 Satz 1 StPO). Dabei kommt es auf die Kenntnis des Angeklagten an (BGH, Beschluss vom 7. Februar 2019 – 3 StR 560/18, StraFo 2019, 280). Diese Wochenfrist ist vorliegend nicht gewahrt. Der zum Wegfall des Hindernisses führende Hinweis des Generalbundesanwalts ist dem Angeklagten am 1. April 2022 zugestellt worden. Der daraufhin angebrachte Wiedereinsetzungsantrag vom 12. April 2022 ist erst am 13. April 2022 und damit nach Fristablauf beim Landgericht eingegangen.

3. Für eine gemäß § 45 Abs. 2 Satz 3 StPO von Amts wegen zu gewährende Wiedereinsetzung in den vorigen Stand in die versäumte Wiedereinsetzungsfrist besteht schon deshalb kein Anlass, weil insoweit ein Mitverschulden des Angeklagten mit Blick auf die ihm durch den Hinweis des Generalbundesanwalts bereits vermittelte Kenntnis von der formunwirksamen Revisionseinlegung durch seinen Verteidiger nicht ausgeschlossen erscheint (vgl. hierzu BGH, Beschluss vom 21. Dezember 1972 – 1 StR 267/72, BGHSt 25, 89, 90 ff.; Beschluss vom 19. Juli 2022 – 4 StR 68/22, juris Rn. 7).

Quentin

Rommel

Scheuß

Messing

Weinland