Omission of § 64 StGB Discussion: No Duty to Argue When Therapy Success Is Evidently Unattainable Due to Language Barriers and Lack of Domestic Ties
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Federal Court of Justice dismissed the defendant's appeal as unfounded, upholding the lower court's judgment and ordering the defendant to bear the costs of the legal remedy. The dispute centered on whether the trial court’s omission to explicitly discuss the possibility of ordering placement in a detoxification institution under § 64 of the German Criminal Code constituted a procedural error. The court ruled that such a discussion was not required because the statutory prerequisite of a foreseeable therapy success was evidently absent; the decisive factors were the defendant's lack of German language skills, status as a foreign national with residence abroad, and the lack of a domestic social reception space or sufficient domestic tie, as the offense occurred during a mere transit through Germany. The application of the amended § 64 StGB and the principle that the public prosecutor's motion for reversal in this context operated to the defendant's disadvantage permitted the appellate court to decide the matter without a full retrial.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 64 StGB, § 64 Satz 2 StGB, § 2 Abs. 6 StGB, § 349 Abs. 2 StPO, § 349 Abs. 4 StPO; Omission of § 64 StGB Discussion: No Duty to Argue When Therapy Success Is Evidently Unattainable Due to Language Barriers and Lack of Domestic Ties: Der Senat ist nicht gehindert, gemäß § 349 Abs. 2 StPO zu entscheiden. Der Aufhebungsantrag des Generalbundesanwalts hinsichtlich der unterbliebenen Entscheidung über eine Maßregelanordnung nach § 64 StGB wirkt zu Lasten und nicht zu Gunsten des Angeklagten im Sinne des § 349 Abs. 4 StPO (st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Beschlüsse vom 28. Februar 2017 – 4 StR 591/16; vom 7. Oktober 2014 – 1 StR 317/14, Rn. 25; vom 4. April 2000 – 5 StR 94/00, Rn. 6).
Schlagwörter
KI-generiertZitierte Gesetzesbestimmungen
KI-generiertZitierte Rechtsprechung
KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertVolltext
Unterbringung in einer Entziehungsanstalt: Erörterung in den Urteilsgründen bei ersichtlich fehlendem Therapieerfolg
[TENOR]
Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Potsdam vom 20. Juli 2023 wird als unbegründet verworfen.
Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.
Ergänzend zu der Antragsschrift des Generalbundesanwalts bemerkt der Senat:
Soweit im angefochtenen Urteil eine Prüfung der Frage der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt unterblieben ist, besteht kein Anlass, das Urteil aufzuheben. Die Strafkammer musste sich nicht veranlasst sehen, in den Urteilsgründen eine Unterbringung nach § 64 StGB zu erörtern, weil es nach den Feststellungen ersichtlich an der Anordnungsvoraussetzung eines zu erwartenden Therapieerfolgs fehlt (§ 64 Satz 2 StGB in der seit dem 1. Oktober 2023 und vom Senat gemäß § 2 Abs. 6 StGB anzuwendenden Fassung). Schon die nicht vorhandenen Deutschkenntnisse des Angeklagten sind ein gewichtig gegen einen Therapieerfolg sprechender Umstand (vgl. BGH, Beschlüsse vom 16. Februar 2022 – 2 StR 537/21, Rn. 7; vom 23. November 2021 – 2 StR 380/21, Rn. 13; vom 9. November 2021 – 5 StR 208/21, Rn. 7; jeweils zu § 64 StGB aF). Vorliegend kommt hinzu, dass bei dem Angeklagten, der ausländischer Staatsangehöriger ist, seinen Wohnsitz im Ausland hat und die verfahrensgegenständliche Straftat lediglich anlässlich einer Durchreise durch Deutschland beging, weder ein inländischer sozialer Empfangsraum – dessen es jedenfalls in der Erprobungsphase einer Therapie zur Vorbereitung der Wiedereingliederung in die Gesellschaft bedarf (vgl. MüKo-StGB/van Gemmeren, 4. Aufl., § 64 Rn. 81 mwN)– noch sonst ein hinreichender Inlandsbezug ersichtlich ist (vgl. BGH, Beschlüsse vom 23. September 2020 – 6 StR 265/20; vom 28. Oktober 2008 – 5 StR 472/08, Rn. 6).
Der Senat ist nicht gehindert, gemäß § 349 Abs. 2 StPO zu entscheiden. Der Aufhebungsantrag des Generalbundesanwalts hinsichtlich der unterbliebenen Entscheidung über eine Maßregelanordnung nach § 64 StGB wirkt zu Lasten und nicht zu Gunsten des Angeklagten im Sinne des § 349 Abs. 4 StPO (st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Beschlüsse vom 28. Februar 2017 – 4 StR 591/16; vom 7. Oktober 2014 – 1 StR 317/14, Rn. 25; vom 4. April 2000 – 5 StR 94/00, Rn. 6).
Sander
Feilcke
Fritsche
von Schmettau
Arnoldi