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3 StR 71/17 ECLI:DE:BGH:2017:040417B3STR71.17.0 KI-generiert

Whether consent to dismiss absent witnesses constitutes an essential part of the trial under § 338 No. 5 StPO

Geschäftsnummer 3 StR 71/17
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The German Federal Court of Criminal Justice (BGH) dismissed the defendant's appeal, upholding the conviction of the Regional Court of Oldenburg and ordering the appellant to bear the costs of the legal remedy and the joint plaintiff's necessary expenses. The dispute centered on a procedural challenge under § 338 No. 5 StPO, alleging that the defendant's absence during the court's decision to drop the summoning of absent witnesses, to which the parties had consented, constituted a fundamental defect in the trial. The court ruled that this specific procedural act does not qualify as an "essential part of the main hearing" requiring the presence of all parties, distinguishing it from the waiver of testimony from witnesses who are actually present in court. The decisive legal basis relies on the distinction that while waiving the examination of present witnesses under § 245 Abs. 1 Satz 2 StPO is a substantive part of the trial requiring unanimous consent, dropping the summons of witnesses not yet appeared can be ordered by the court without such consent, as the parties retain the right to petition for their examination, meaning the absence of a party during the latter decision does not render the judgment void.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 2 StPO, § 338 Nr. 5 StPO, § 245 Abs. 1 Satz 1 StPO, § 245 Abs. 1 Satz 2 StPO, § 245 Abs. 1 StPO; Whether consent to dismiss absent witnesses constitutes an essential part of the trial under § 338 No. 5 StPO: The dispute centered on a procedural challenge under § 338 No. 5 StPO, alleging that the defendant's absence during the court's decision to drop the summoning of absent witnesses, to which the parties had consented, constituted a fundamental defect in the trial. The court ruled that this specific procedural act does not qualify as an "essential part of the main hearing" requiring the presence of all parties, distinguishing it from the waiver of testimony from witnesses who are actually present in court. The decisive legal basis relies on the distinction that while waiving the examination of present witnesses under § 245 Abs. 1 Satz 2 StPO is a substantive part of the trial requiring unanimous consent, dropping the summons of witnesses not yet appeared can be ordered by the court without such consent, as the parties retain the right to petition for their examination, meaning the absence of a party during the latter decision does not render the judgment void.

Schlagwörter

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Vorladung Parteianhörung Willensmangel Verfahrensrechte Ausschluss eines Zeugen Petitionsrecht
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Volltext

Absoluter Revisionsgrund: Abwesenheit eines Verfahrensbeteiligten bei Erklärung der Einverständnisses mit der Abladung nicht präsenter Zeugen

[TENOR]

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Oldenburg vom 10. November 2016 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die dem Nebenkläger im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

Zu der Rüge nach § 338 Nr. 5 StPO, § 185 GVG bemerkt der Senat ergänzend zu den Darlegungen des Generalbundesanwalts in dessen Antragsschrift:

Der Generalbundesanwalt hat im Ergebnis zu Recht ausgeführt, dass die Rüge keinen Erfolg hat, weil die Dolmetscherin nicht bei einem wesentlichen Teil der Hauptverhandlung abwesend war. Dies gilt auch insoweit, als die Verfahrensbeteiligten auf die Mitteilung des Vorsitzenden, mehrere für einen späteren Zeitpunkt geladene und nicht erschiene Zeugen abladen zu wollen, sich hiermit einverstanden erklärten. Dieser Erklärung kommt - im Gegensatz zu dem Einverständnis zum Absehen der Vernehmung präsenter Zeugen - eine für die Hauptverhandlung im Sinne der zu § 338 Nr. 5 StPO entwickelten Maßstäbe (vgl. hierzu Meyer-Goßner/Schmitt, StPO, 59. Aufl., § 338 Rn. 36; KK/Gericke, StPO, 7. Aufl., § 338 Rn. 70; jew. mwN) wesentliche Bedeutung nicht zu. Hierzu gilt:

Nach § 245 Abs. 1 Satz 1 StPO ist die Beweisaufnahme - soweit hier von Belang - grundsätzlich auf alle vom Gericht vorgeladenen und auch erschienenen Zeugen zu erstrecken. Die Einvernahme der Zeugen kann nur unterbleiben, wenn die Staatsanwaltschaft, der Verteidiger und der Angeklagte gemäß § 245 Abs. 1 Satz 2 StPO damit einverstanden sind, dass von der Er-hebung einzelner Beweise abgesehen wird. Sind die Zeugen geladen und erschienen, so hat deshalb das entsprechende Einverständnis der im Gesetz genannten Verfahrensbeteiligten eine für den Fortgang der Beweisaufnahme rechtserhebliche Bedeutung. Die Abgabe der Erklärung nach § 245 Abs. 1 Satz 2 StPO ist somit ein im Sinne des § 338 Nr. 5 StPO wesentlicher Teil der Hauptverhandlung (BGH, Beschluss vom 5. September 1995 - 1 StR 456/95, NStZ 1996, 351).

Sind demgegenüber die Zeugen - wie hier - erst für einen späteren Zeitpunkt geladen und noch nicht erschienen, so kann das Gericht ihre Abladung auch ohne die Zustimmung der genannten Verfahrensbeteiligten veranlassen; für diese Verfahrenskonstellation besteht eine § 245 Abs. 1 Satz 2 StPO entsprechende Regelung nicht. Die Verfahrensbeteiligten sind vielmehr gegebenenfalls gehalten, auf die Vernehmung der abgeladenen Zeugen etwa durch das Stellen entsprechender Anträge hinzuwirken. Das - wie hier - in der Hauptverhandlung erklärte Einverständnis mit der Abladung nicht präsenter Zeugen entfaltet deshalb keine Rechtswirkungen, die denjenigen einer Erklärung im Sinne des § 245 Abs. 1 StPO vergleichbar und damit im Sinne des § 338 Nr. 5 StPO als wesentlicher Teil der Hauptverhandlung anzusehen sind.

Becker

Schäfer

RiBGH Gericke befindet sich im Urlaub und ist dahergehindert zu unterschreiben.

Becker

Tiemann

Hoch