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5 StR 537/19 ECLI:DE:BGH:2019:271119B5STR537.19.0 KI-generiert

Criminal confiscation of social welfare benefits: victim’s restitution claim not a prerequisite when claim failed to arise due to administrative deadline lapse

Geschäftsnummer 5 StR 537/19
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Criminal Justice (BGH) dismissed the defendant's appeal as unfounded, thereby upholding the lower court's order to confiscate the value of criminal proceeds, including social welfare benefits fraudulently obtained under SGB II. The dispute centered on whether the confiscation of criminal proceeds under §§ 73, 73c StGB was barred because the social security agency had failed to revoke the benefit decisions within the statutory one-year deadline (§ 45 Abs. 4 SGB X), which prevented the arising of a civil restitution claim against the victim under § 50 SGB X. The court held that the existence or enforceability of a victim's restitution claim is not a prerequisite for criminal confiscation; consequently, the exclusion clause under § 73e Abs. 1 StGB, which limits confiscation only when a victim's claim has actually lapsed, does not apply by analogy to situations where the claim fails to arise due to the administrative error of the benefit provider, as doing so would frustrate the legislative purpose of depriving offenders of their illicit gains.

Legislator-Regeste

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§ 73c Satz 1 StGB, § 45 Abs. 4 Satz 2 SGB X, § 50 Abs. 1 Satz 1 SGB X, § 73e Abs. 1 StGB; Criminal confiscation of social welfare benefits: victim’s restitution claim not a prerequisite when claim failed to arise due to administrative deadline lapse: The dispute centered on whether the confiscation of criminal proceeds under §§ 73, 73c StGB was barred because the social security agency had failed to revoke the benefit decisions within the statutory one-year deadline (§ 45 Abs. 4 SGB X), which prevented the arising of a civil restitution claim against the victim under § 50 SGB X. The court held that the existence or enforceability of a victim's restitution claim is not a prerequisite for criminal confiscation; consequently, the exclusion clause under § 73e Abs. 1 StGB, which limits confiscation only when a victim's claim has actually lapsed, does not apply by analogy to situations where the claim fails to arise due to the administrative error of the benefit provider, as doing so would frustrate the legislative purpose of depriving offenders of their illicit gains.

Schlagwörter

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Rückforderung von Leistungen strafrechtliche Einziehung Betrug missbräuchlicher Bezug von Leistungen der Sozialhilfe soziale Sicherheit Soziale Ausgrenzung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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§ 73c Satz 1 StGB
Mit Recht hat das Landgericht die Einziehung des Wertes von Taterträgen (§ 73c Satz 1 StGB) auch in Bezug auf die vom Angeklagten ertrogenen Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) angeordnet.
§ 45 Abs. 4 Satz 2 SGB X
Zwar hat – worauf der Generalbundesanwalt zutreffend hinweist – der Leistungsträger die Leistungsbescheide nach den Urteilsfeststellungen nicht innerhalb der in § 45 Abs. 4 Satz 2 SGB X bezeichneten Jahresfrist zurückgenommen, weswegen kein Erstattungsanspruch nach § 50 Abs.
§ 50 Abs. 1 Satz 1 SGB X
4 Satz 2 SGB X bezeichneten Jahresfrist zurückgenommen, weswegen kein Erstattungsanspruch nach § 50 Abs. 1 Satz 1 SGB X entstehen konnte (vgl.
§ 73e Abs. 1 StGB
Die Ausnahmevorschrift des § 73e Abs. 1 StGB ist nicht erfüllt.

Zitierte Rechtsprechung

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Volltext

Tatertragseinziehung: Einziehungsanordnung hinsichtlich bezogener Sozialleistungen

[TENOR]

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Bremen vom 5. April 2019 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat.

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend zur Antragsschrift des Generalbundesanwalts bemerkt der Senat:

Mit Recht hat das Landgericht die Einziehung des Wertes von Taterträgen (§ 73c Satz 1 StGB) auch in Bezug auf die vom Angeklagten ertrogenen Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) angeordnet. Zwar hat – worauf der Generalbundesanwalt zutreffend hinweist – der Leistungsträger die Leistungsbescheide nach den Urteilsfeststellungen nicht innerhalb der in § 45 Abs. 4 Satz 2 SGB X bezeichneten Jahresfrist zurückgenommen, weswegen kein Erstattungsanspruch nach § 50 Abs. 1 Satz 1 SGB X entstehen konnte (vgl. BVerwG, NVwZ 2015, 1392, 1393 [zu § 49a Abs. 1 Satz 1 VwVfG]; LSG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 9. Oktober 2014 – L 5 AS 673/13, juris Rn. 41). Der Bestand (vgl. OLG München, wistra 2018, 522 m. zust. Anm. Wengenroth und Rettke, NZWiSt 2019, 79) bzw. die Durchsetzbarkeit (vgl. zur Verjährung BGH, Beschluss vom 8. Mai 2018 – 5 StR 139/18, BGHR StGB § 73e Erlöschen 1) eines Rückgewähranspruchs des Verletzten ist jedoch keine Voraussetzung der Einziehung nach den §§ 73, 73c StGB.

Die Ausnahmevorschrift des § 73e Abs. 1 StGB ist nicht erfüllt. Danach ist die Einziehung ausgeschlossen, soweit ein dem Verletzten aus der (rechtswidrigen) Tat erwachsener Anspruch „erloschen“ ist, was vorliegend offensichtlich nicht zutrifft. Eine analoge Anwendung scheidet aus. Das Gesetz will die doppelte Inanspruchnahme des Täters namentlich in Fällen vermeiden, in denen der Anspruch des Verletzten bereits (teilweise) erfüllt worden ist (vgl. BT-Drucks. 18/9525 S. 69; Köhler/Burkhard, NStZ 2017, 665, 673). Konstellationen, in denen der Rückgewähranspruch aufgrund von der Verantwortung des Leistungsträgers zuzurechnenden Umständen nicht entsteht, liegen außerhalb dieses Normzwecks. Die Anwendung der Ausschlussklausel über ihren Wortlaut hinaus auf derartige Fälle zu erstrecken, würde vielmehr dem Ziel der §§ 73, 73c StGB zuwiderlaufen, dem Täter die erlangten Verbrechensgewinne wieder zu entziehen.

Sander

König

Berger

Mosbacher

Köhler