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5 StR 523/23 ECLI:DE:BGH:2024:280224B5STR523.23.0 KI-generiert

Omission of entanglement assessment for commitment to detoxification institution under § 64 StGB

Geschäftsnummer 5 StR 523/23
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Teilweise gutgeheissen (Partially Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Criminal Justice partially granted the defendant's appeal, setting aside the lower court’s judgment solely to the extent it failed to order the defendant’s commitment to a detoxification institution, while rejecting the remainder of the appeal and remanding the case for a new hearing. The 22-year-old defendant had been sentenced to a total custodial term of six years for aggravated robbery, dangerous bodily harm, and drug possession based on her long-standing, recurring history of consuming various illicit substances without sustained abstinence. Although the factual findings strongly suggested the defendant possessed a "tendency" to abuse intoxicants, the trial court committed a procedural error by omitting any deliberation on whether to mandate therapeutic confinement, creating a legal defect since it could not be excluded that the offenses were predominantly caused by such a tendency. The decision hinges on the application of Section 64 of the German Criminal Code and the procedural requirements of Sections 337 and 246a of the Code of Criminal Procedure, which necessitate a fresh expert-assessment and evaluation of the revised legal standards effective October 2023.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 2 StPO, § 64 Satz 1 StGB, § 337 StPO, § 246a StPO, § 64 StGB; Omission of entanglement assessment for commitment to detoxification institution under § 64 StGB: The 22-year-old defendant had been sentenced to a total custodial term of six years for aggravated robbery, dangerous bodily harm, and drug possession based on her long-standing, recurring history of consuming various illicit substances without sustained abstinence. Although the factual findings strongly suggested the defendant possessed a "tendency" to abuse intoxicants, the trial court committed a procedural error by omitting any deliberation on whether to mandate therapeutic confinement, creating a legal defect since it could not be excluded that the offenses were predominantly caused by such a tendency. The decision hinges on the application of Section 64 of the German Criminal Code and the procedural requirements of Sections 337 and 246a of the Code of Criminal Procedure, which necessitate a fresh expert-assessment and evaluation of the revised legal standards effective October 2023.

Schlagwörter

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Strafzumessung Revision des Strafurteils Körperverletzung Betäubungsmittelbesitz Gefährliche Stoffe Fall des Ausschlusses

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 349 Abs. 2 StPO

Cited to declare the remainder of the appeal unfounded and to justify its dismissal.

§ 337 StPO

Cited as the legal basis for the partial reversal of the judgment due to a procedural error in the handling of the commitment order.

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Volltext

Strafverurteilung wegen Betäubungsmitteldelikt: Tatgerichtliche Erörterungspflicht der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt

[TENOR]

Auf die Revision der Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Dresden vom 3. Juli 2023 aufgehoben, soweit die Anordnung der Unterbringung der Angeklagten in einer Entziehungsanstalt unterblieben ist.

Die weitergehende Revision wird verworfen.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

[GRUENDE]

Das Landgericht hat die Angeklagte wegen besonders schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und wegen Besitzes von Betäubungsmitteln zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt und eine Einziehungsentscheidung getroffen. Die mit der Sachrüge geführte Revision der Angeklagten hat in dem aus der Beschlussformel ersichtlichen Umfang Erfolg; im Übrigen ist sie unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

Soweit eine Anordnung der Unterbringung der Angeklagten in einer Entziehungsanstalt unterblieben ist, hält das Urteil rechtlicher Nachprüfung nicht stand.

Nach den Urteilsfeststellungen begann die 22 Jahre alte Angeklagte bereits im Alter von zwölf oder dreizehn Jahren, illegale Substanzen zu konsumieren, zunächst Marihuana, dann Ecstasy, Crystal und Kokain, zuletzt auch Heroin. Sie lebte nie längerfristig abstinent. Nach dem Tod eines Freundes im September 2021 fing sie wieder an, intensiv Drogen zu nehmen. Sie trat bereits mehrfach strafrechtlich in Erscheinung, unter anderem mit Straftaten nach dem Betäubungsmittelgesetz, die mit ihrem Drogenkonsum im Zusammenhang standen. Am 7. November 2022 verwahrte sie in ihrer Wohnung 8,19 Gramm Marihuana, 5,01 Gramm Heroin und 5,46 Gramm Crystal zum Eigenkonsum (Tat II.2 der Urteilsgründe).

Angesichts dessen liegt es jedenfalls nicht fern, dass die Angeklagte einen Hang im Sinne des § 64 Satz 1 StGB hat, berauschende Mittel im Übermaß zu sich zu nehmen. Dennoch hat es das Landgericht versäumt, die Anordnung der Unterbringung der Angeklagten in einer Entziehungsanstalt zu erörtern. Das Urteil beruht auf dem Rechtsfehler (§ 337 StPO), da nicht ausgeschlossen werden kann, dass die abgeurteilten Taten überwiegend auf den möglichen Hang zurückgingen und eine hinreichende Erfolgsaussicht besteht.

Die Frage der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt bedarf somit – unter Heranziehung eines Sachverständigen (§ 246a StPO) – erneuter Prüfung und Entscheidung (vgl. zu den Voraussetzungen der zum 1. Oktober 2023 in Kraft getretenen Neufassung des § 64 StGB BGH, Beschluss vom 7. November 2023 – 5 StR 345/23).

Gericke

Mosbacher

Köhler

Resch

Werner