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6 StR 217/21 ECLI:DE:BGH:2021:130721B6STR217.21.0 KI-generiert

Conditionality of commitment to a detoxification facility under § 64 StGB based on reduction of dangerousness independent of addiction treatment

Geschäftsnummer 6 StR 217/21
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Teilweise gutgeheissen (Partially Allowed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The German Federal Court of Criminal Court (BGH) granted the defendant's appeal solely insofar as it challenged the order for commitment to a detoxification facility, vacating that specific measure while upholding the life imprisonment sentence and the reservation of preventive custody; the prosecution effectively prevailed on the core criminal liability but failed to secure the supplementary therapeutic measure. The dispute concerned whether the lower court’s decision to order commitment under § 64 StGB for a defendant convicted of attempted murder and dangerous bodily harm was legally sufficient, with the material facts indicating that the defendant’s dangerousness stemmed primarily from a propensity for serious crime rather than solely from substance dependence. The decisive legal basis was the requirement that a commitment order under § 64 StGB must not only aim at treating the addiction but also demonstrably reduce the defendant’s overall dangerousness (frequency and intensity of future offenses); because the lower court admitted that successful therapy would only reduce, not eliminate, the defendant's dangerousness due to his independent criminal inclination, the BGH found the statutory conditions unmet and applied § 354 StPO to let the order lapse without a remand for new proceedings.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 4 StPO, § 349 Abs. 2 StPO, § 64 StGB, § 354 Abs. 1 StPO, § 473 Abs. 4 StPO; Conditionality of commitment to a detoxification facility under § 64 StGB based on reduction of dangerousness independent of addiction treatment: The dispute concerned whether the lower court’s decision to order commitment under § 64 StGB for a defendant convicted of attempted murder and dangerous bodily harm was legally sufficient, with the material facts indicating that the defendant’s dangerousness stemmed primarily from a propensity for serious crime rather than solely from substance dependence. The decisive legal basis was the requirement that a commitment order under § 64 StGB must not only aim at treating the addiction but also demonstrably reduce the defendant’s overall dangerousness (frequency and intensity of future offenses); because the lower court admitted that successful therapy would only reduce, not eliminate, the defendant's dangerousness due to his independent criminal inclination, the BGH found the statutory conditions unmet and applied § 354 StPO to let the order lapse without a remand for new proceedings.

Schlagwörter

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Betäubungsmittelabhängigkeit Strafurteil therapeutische Massnahme Einweisung zur Entzugsbehandlung bedingte Entlassung Einweisung in eine Heil- oder Pflegeanstalt

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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3 StR 393/99
September 1999 - 3 StR 393/99, BGHR StGB § 64 Zusammenhang, symptomatischer 2; vom 6.
4 StR 230/02
August 2002 - 4 StR 230/02, NStZ 2003, 86).
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 349 Abs. 4 StPO

Basis for partially granting the revision and quashing the commitment order.

§ 349 Abs. 2 StPO

Basis for dismissing the remainder of the revision as unfounded.

§ 354 Abs. 1 StPO

Procedural basis for letting the commitment order lapse without remand due to the prospect of success in a new trial.

§ 473 Abs. 4 StPO

Basis for ordering the appellant to bear the costs of the proceedings and necessary expenses of the auxiliary victim.

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Volltext

Anordnung der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt im Strafverfahren wegen versuchten Mordes: Beachtung des Aspekts der Gefahrenabwehr

[TENOR]

Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Rostock vom 20. November 2020 aufgehoben, soweit die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt angeordnet worden ist; diese Anordnung entfällt.

Die weitergehende Revision wird verworfen.

Der Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels und die der Nebenklägerin dadurch entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

[GRUENDE]

Das Landgericht hat den Angeklagten wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt, die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt angeordnet und dessen Unterbringung in der Sicherungsverwahrung vorbehalten. Die Revision des Angeklagten hat mit der Sachrüge in dem aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Umfang Erfolg (§ 349 Abs. 4 StPO); im Übrigen ist sie unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

1. Die Anordnung der Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt hält rechtlicher Überprüfung nicht stand. Das Landgericht hat nicht erkennbar bedacht, dass diese Maßregel nicht ausschließlich zur Besserung der Sucht des Täters, also ohne gleichzeitige Auswirkungen auf die Interessen der öffentlichen Sicherheit im Sinne einer Verminderung der von dem rauschmittelabhängigen Täter ausgehenden Gefährlichkeit, angeordnet werden darf. Erforderlich ist vielmehr, dass bei erfolgreichem Verlauf der Behandlung jedenfalls das Ausmaß der Gefährlichkeit des Täters nach Frequenz und krimineller Intensität der von ihm zu befürchtenden Straftaten deutlich herabgesetzt wird (vgl. BGH, Beschlüsse vom 22. September 1999 - 3 StR 393/99, BGHR StGB § 64 Zusammenhang, symptomatischer 2; vom 6. August 2002 - 4 StR 230/02, NStZ 2003, 86).

Das ist hier den Urteilsgründen zufolge nicht der Fall. Wie das Landgericht im Rahmen der Ausführungen zur vorbehaltenen Anordnung der Unterbringung des Angeklagten in der Sicherungsverwahrung rechtsfehlerfrei ausgeführt hat, würde selbst eine erfolgreiche Suchttherapie die Gefährlichkeit des Angeklagten „nicht beseitigen, sondern allenfalls verringern“, weil diese vorrangig auf seinen Hang zur Begehung erheblicher Straftaten zurückgeht (UA S. 76). Die erforderliche Verminderung der Gefährlichkeit des Angeklagten ist damit nicht dargetan.

2. Der Senat schließt aus, dass in einer neuen Verhandlung Feststellungen getroffen werden können, die eine Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt nach § 64 StGB rechtfertigen. Er lässt diese Anordnung deshalb in entsprechender Anwendung des § 354 Abs. 1 StPO entfallen.

3. Im Hinblick auf den geringen Erfolg der Revision ist es nicht unbillig, den Beschwerdeführer mit den gesamten Kosten seines Rechtsmittels und den dadurch der Nebenklägerin entstandenen notwendigen Auslagen zu belasten (§ 473 Abs. 4 StPO).

Sander

Schneider

König

Tiemann

von Schmettau