Sexual abuse of children: reasoning requirement for aggregate sentencing when a caesura effect necessitates multiple total sentences
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Federal Court of Justice (BGH) partially granted the defendant’s appeal, reversing the Landgericht Gießen’s sentences regarding the aggregate penalties while upholding the convictions and individual sentence amounts; the case was remanded for resentencing on the total terms of imprisonment. The dispute involved a challenge to the appropriateness of two separate aggregate prison terms, which were necessitated by the "caesura effect" of incorporating prior convictions into the current sentencing. The decisive legal holding established that when the need to form multiple aggregate sentences arises from a prior conviction’s caesura effect, the trial court must explicitly explain how it balanced any resulting aggravation of the total penalty against the principle of guilt-appropriate sentencing, ensuring the overall measure of punishment remains proportionate; the lower court’s failure to address this "total penalty evil" constituted a reasoning defect that prevented the BGH from affirming the aggregate sentences despite the correctness of the underlying findings.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 349 Abs. 4 StPO, § 349 Abs. 2 StPO, § 353 Abs. 2 StPO; Sexual abuse of children: reasoning requirement for aggregate sentencing when a caesura effect necessitates multiple total sentences: The dispute involved a challenge to the appropriateness of two separate aggregate prison terms, which were necessitated by the "caesura effect" of incorporating prior convictions into the current sentencing. The decisive legal holding established that when the need to form multiple aggregate sentences arises from a prior conviction’s caesura effect, the trial court must explicitly explain how it balanced any resulting aggravation of the total penalty against the principle of guilt-appropriate sentencing, ensuring the overall measure of punishment remains proportionate; the lower court’s failure to address this "total penalty evil" constituted a reasoning defect that prevented the BGH from affirming the aggregate sentences despite the correctness of the underlying findings.
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KI-generiertCited in the dispositive to characterize the partial success of the revision, specifically the reversal of the aggregate penalty sentences.
Cited in the dispositive as the legal basis for dismissing the further-reaching part of the defendant’s revision as unfounded.
Volltext
Strafverurteilung wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern u.a.: Schuldangemessenheit der Gesamtstrafe
[TENOR]
1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Gießen vom 12. Februar 2020 in den Aussprüchen über die Gesamtstrafen aufgehoben.
2. Die weitergehende Revision des Angeklagten wird als unbegründet verworfen.
3. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.
[GRUENDE]
Das Landgericht hat den Angeklagten wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in zwölf Fällen, davon in drei Fällen in Tateinheit mit Sichverschaffen kinderpornografischer Schriften unter Einbeziehung von anderweitig verhängten Freiheitsstrafen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten und außerdem wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in 13 Fällen, davon in sechs Fällen in Tateinheit mit Sichverschaffen kinderpornografischer Schriften und in einem Fall hiervon außerdem in Tateinheit mit Drittbesitzverschaffung kinderpornografischer Schriften sowie wegen Besitzes kinderpornografischer Schriften in zwei Fällen zu einer weiteren Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Hiergegen wendet sich der Angeklagte mit der auf die Sachrüge gestützten Revision. Das Rechtsmittel hat den aus der Beschlussformel ersichtlichen Teilerfolg (§ 349 Abs. 4 StPO) und ist im Übrigen gemäß § 349 Abs. 2 StPO unbegründet.
Während die Überprüfung des Schuldspruchs und der Einzelstrafbemessung aufgrund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat, können die Gesamtstrafenaussprüche keinen Bestand haben.
Nötigt – wie hier – die Zäsurwirkung einer einzubeziehenden Vorverurteilung zur Bildung zweier Gesamtstrafen, muss das Gericht einen sich daraus möglicherweise für den Angeklagten ergebenden Nachteil infolge eines zu hohen Gesamtstrafübels ausgleichen. Dabei muss es nicht nur darlegen, dass es sich dieser Sachlage bewusst gewesen ist, sondern auch erkennen lassen, dass es das Gesamtmaß der Strafen für schuldangemessen gehalten hat (vgl. BGH, Beschlüsse vom 9. November 1995 – 4 StR 650/95, BGHSt 41, 310, 313, vom 17. April 2008 – 4 StR 118/08, NStZ-RR 2008, 234, vom 7. Februar 2018 – 1 StR 582/17, NStZ-RR 2018, 171). Das angefochtene Urteil genügt diesen Anforderungen nicht, weil es keine Ausführungen zum Gesamtstrafübel enthält. Der Senat kann nicht vollständig ausschließen, dass die Bemessung der Gesamtstrafen auf diesem Mangel beruht.
Da die Gesamtstrafenaussprüche allein aufgrund eines Begründungsmangels keinen Bestand haben, sind die zugrundeliegenden, rechtsfehlerfrei getroffenen Feststellungen nicht aufzuheben (§ 353 Abs. 2 StPO). Das neue Tatgericht kann weitergehende Feststellungen treffen, sofern sie den bisherigen nicht widersprechen.
Franke
Krehl
Meyberg
Grube
Schmidt