Inclusion of additional drug trafficking offenses within the historical life facts of a European Arrest Warrant under the principle of speciality
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Federal Court of Criminal Justice (BGH) rejected the defendant's appeal, upholding the Landgericht Mannheim's conviction and ordering the defendant to bear the costs of the legal remedy. The dispute centered on whether the prosecution violated the principle of speciality (*Spezialitätsgrundsatz*) by including an additional drug trafficking charge in the trial that was not explicitly listed in the European Arrest Warrant (EAW) and the subsequent surrender warrant issued by Portugal. The court ruled that the principle was not breached, as the additional offense was part of the same historical life facts and series of crimes covered by the EAW, occurring within the specified timeframe, involving identical modus operandi (amphetamine trafficking under the same agreement), and not resulting in a change to the nature or legal assessment of the crimes. The decision relied on Article 27(2) of Framework Decision 2002/584/JI and § 83h(1) No. 1 of the International Judicial Cooperation Act (IRG), concluding that the additional charge did not constitute an "other offense" or "other act" under these provisions, and that no prejudice to the interests of the requested state was anticipated.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 349 Abs. 2 StPO; Inclusion of additional drug trafficking offenses within the historical life facts of a European Arrest Warrant under the principle of speciality: The dispute centered on whether the prosecution violated the principle of speciality (*Spezialitätsgrundsatz*) by including an additional drug trafficking charge in the trial that was not explicitly listed in the European Arrest Warrant (EAW) and the subsequent surrender warrant issued by Portugal. The court ruled that the principle was not breached, as the additional offense was part of the same historical life facts and series of crimes covered by the EAW, occurring within the specified timeframe, involving identical modus operandi (amphetamine trafficking under the same agreement), and not resulting in a change to the nature or legal assessment of the crimes. The decision relied on Article 27(2) of Framework Decision 2002/584/JI and § 83h(1) No. 1 of the International Judicial Cooperation Act (IRG), concluding that the additional charge did not constitute an "other offense" or "other act" under these provisions, and that no prejudice to the interests of the requested state was anticipated.
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KI-generiertBasis for rejecting the appeal as unfounded because the review revealed no legal error to the defendant's detriment.
Volltext
Spezialitätsgrundsatz bei Serienstraftaten
[LEITSATZ]
Zum Spezialitätsgrundsatz bei Serienstraftaten.
[TENOR]
Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Mannheim vom 25. Februar 2010 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).
Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.
Ergänzend zu der von der Revision geltend gemachten Verletzung des Grundsatzes der Spezialität (Art. 27 Abs. 2 des Rahmenbeschlusses des Rates vom 13. Juni 2002 über den Europäischen Haftbefehl und die Übergabeverfahren zwischen den Mitgliedstaaten (2002/584/JI) - RB-EUHb; vgl. auch § 83h Abs. 1 Nr. 1, § 82 IRG) bemerkt der Senat:
Wie der Generalbundesanwalt in seiner Antragsschrift bereits zutreffend ausgeführt hat, ist der Grundsatz der Spezialität nicht verletzt; ein Verfahrenshindernis hinsichtlich der in den Urteilsgründen unter B1. dargestellten Tat (Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Mannheim vom 21. Oktober 2009) besteht insoweit nicht. Auch diese Tat war von der portugiesischen Auslieferungsbewilligung erfasst. Sie liegt innerhalb des Tatzeitraums (Januar 2000 bis Oktober/November 2008), der in dem Europäischen Haftbefehl genannt ist, welcher der Auslieferung zugrunde liegt.
Ihre Begehungsweise ist mit den weiteren in diesem Haftbefehl im Einzelnen aufgeführten Taten identisch (jeweils Handeltreiben mit mehreren Kilogramm Amphetamin, jeweils gleicher Wirkstoffgehalt und Kilogrammpreis, Übergabe erfolgte überwiegend - bis auf den letzten im Haftbefehl aufgeführten Fall - durch den Angeklagten in dessen Gartengrundstück) und sie beruht - wie auch die übrigen Taten - auf derselben, vor der Durchführung der ersten Tat zwischen dem Angeklagten und seinem Abnehmer geschlossenen Vereinbarung zur fortgesetzten Begehung von Betäubungsmittelstraftaten.
Dem Europäischen Haftbefehl lässt sich zudem entnehmen, dass der Angeklagte über die dort namentlich benannten Taten hinaus auch bei weiteren Gelegenheiten gleichartige Betäubungsmittelgeschäfte durchgeführt hat (vgl. die Sachverhaltsschilderung im Haftbefehl hinsichtlich der Taten Ziffern 10 - 14: "bei mehreren Gelegenheiten, mithin mindestens in fünf Fällen"). Mehr als fünf Fälle hat das Landgericht vorliegend nicht ausgeurteilt. Die im Urteil unter B1. dargestellte Tat ist somit ebenfalls von dem historischen Lebenssachverhalt umfasst, wie er dem Europäischen Haftbefehl (vgl. allgemein zur Darstellung von Serienstraftaten im Europäischen Haftbefehl BeckOK-Inhofer, Stand 1.
August 2010, RB-EUHb, Anhang Rn.
6) und der portugiesischen Auslieferungsbewilligung zugrunde gelegen hat. Durch ihre Einbeziehung im vorliegenden Verfahren hat sich weder die Art noch die rechtliche Würdigung der dem Angeklagten zur Last gelegten Straftaten - jeweils Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen gemäß § 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG - geändert. Bei der unter B1. dargestellten Tat handelt es sich daher nicht um eine "andere Tat" im Sinne des § 83h Abs. 1 Nr. 1 IRG bzw. um eine "andere Handlung" im Sinne des Art. 27 Abs. 2 RB-EUHb (vgl. hierzu auch EuGH, Urteil vom 1. Dezember 2008 - C - 338/08 PPU, NJW 2009, 1057, 1059). Ihrer Einbeziehung steht der Grundsatz der Spezialität nicht entgegen, zumal bei der vorliegenden Fallgestaltung eine Beeinträchtigung der Interessen des ersuchten Staates - hier Portugal - nicht zu besorgen ist (vgl. BGH, Beschluss vom 25. April 1995 - 1 StR 18/95, nur teilweise abgedruckt in NStZ 1995, 608; BGH, Beschluss vom 22. Juli 2003 - 5 StR 22/03, NStZ 2003, 684).
Nack Wahl Elf
Graf Sander