Third-party inspection of trademark revocation files: Exclusion of Information Freedom Act and exemption from proving legitimate interest under the Trade Mark Act
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Federal Court of Justice (BGH) ordered that the applicant, a law firm not party to the proceedings, be granted access to the court and procedural files of the BGH, the Federal Patent Court, and the German Patent and Trade Mark Office (DPMA), thereby prevailing in its request. The dispute concerned whether a third party could inspect files related to the revocation of an international trademark for Germany (specifically a chocolate bar mark), which had been ordered by the Federal Patent Court and is subject to legal appeal. The BGH ruled that the Information Freedom Act does not apply to trademark proceedings because specific provisions in the Trade Mark Act, particularly Section 62 in conjunction with Section 82(3), take precedence. The court determined that unlike applications for unpublished marks, which require a showing of justified interest, no such demonstration is required for inspecting files related to registered trademarks or their revocation; although the involved parties objected, they failed to substantiate any protected interests that would justify denying unrestricted access.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 62 MarkenG, § 82 Abs. 3 MarkenG, § 124 MarkenG, § 62 Abs. 1 MarkenG; Third-party inspection of trademark revocation files: Exclusion of Information Freedom Act and exemption from proving legitimate interest under the Trade Mark Act: The dispute concerned whether a third party could inspect files related to the revocation of an international trademark for Germany (specifically a chocolate bar mark), which had been ordered by the Federal Patent Court and is subject to legal appeal. The BGH ruled that the Information Freedom Act does not apply to trademark proceedings because specific provisions in the Trade Mark Act, particularly Section 62 in conjunction with Section 82(3), take precedence. The court determined that unlike applications for unpublished marks, which require a showing of justified interest, no such demonstration is required for inspecting files related to registered trademarks or their revocation; although the involved parties objected, they failed to substantiate any protected interests that would justify denying unrestricted access.
Schlagwörter
KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertVolltext
Verfahren in Markenangelegenheiten: Anwendbarkeit des Informationsfreiheitsgesetzes auf die Akteneinsicht Dritter; Erforderlichkeit der Glaubhaftmachung eines berechtigten Interesses - Schokoladenstäbchen
[LEITSATZ] Schokoladenstäbchen
1. Das Informationsfreiheitsgesetz findet auf die Akteneinsicht Dritter in Verfahren in Markenangelegenheiten keine Anwendung.
2. Für die Akteneinsicht in die Verfahrensakten über einen Antrag auf Schutzentziehung einer IR-Marke braucht ein berechtigtes Interesse nicht glaubhaft gemacht zu werden.
[TENOR] Der Antragstellerin wird Einsicht in die Akten des Bundesgerichtshofs - I ZB 56/11 -, des Bundespatentgerichts - 25 W (pat) 8/09 - und des Deutschen Patentund Markenamts - IR 869 586/30 - einschließlich des Löschungsverfahrens gewährt. Die Akteneinsicht kann auf der Geschäftsstelle des I. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs oder beim Deutschen Patentund Markenamt in München erfolgen.
[GRUENDE] 1
I. Das Bundespatentgericht hat der IR-Marke Nr. 869586 für Deutschland den Schutz entzogen (BPatG, Beschluss vom 21. Juli 2011 - 25 W (pat) 8/09, juris). Dagegen hat die Markeninhaberin Rechtsbeschwerde eingelegt. Die an dem Rechtsbeschwerdeverfahren nicht beteiligte Antragstellerin, eine Partnerschaft von Rechtsanwälten, begehrt Einsicht in die Akten dieses Verfahrens.
2
II. Dem Antrag ist stattzugeben.
3
1. Entgegen der Ansicht der Antragstellerin ist die Einsicht allerdings nicht nach dem Gesetz zur Regelung des Zugangs zu Informationen des Bundes - Informationsfreiheitsgesetz - vom 5. September 2005 (BGBl. I, S. 2722) zulässig. Auf die Einsicht Dritter in die Akten in Verfahren in Markenangelegenheiten (§§ 32 bis 96 MarkenG) findet das Informationsfreiheitsgesetz nach seinem § 1 Abs. 3 keine Anwendung. Nach dieser Bestimmung gehen Regelungen in anderen Rechtsvorschriften über den Zugang zu amtlichen Informationen mit Ausnahme des § 29 des Verwaltungsverfahrensgesetzes und des § 25 des Zehnten Buches des Sozialgesetzbuches vor. Zu den dem Informationsfreiheitsgesetz vorrangigen Regelungen gehören die Bestimmungen des Markengesetzes über die Akteneinsicht (vgl. Büscher in Büscher/Dittmer/Schiwy, Gewerblicher Rechtschutz, Urheberrecht, Medienrecht, 2. Aufl., § 62 MarkenG Rn. 3; Fezer, Markenrecht, 4. Aufl., § 62 Rn. 1; Kirschneck in Ströbele/Hacker, MarkenG, 10. Aufl., § 62 Rn. 1). Die Aktenund Registereinsicht beim Deutschen Patentund Markenamt richtet sich nach § 62 MarkenG. Die Vorschrift ist nach § 82 Abs. 3 MarkenG im Beschwerdeverfahren vor dem Bundespatentgericht entsprechend anwendbar; sie gilt auch im Rechtsbeschwerdeverfahren (vgl. BGH, Beschluss vom 6. Oktober 2005 - I ZB 11/04, BeckRS 2005, 12319 mwN).
4
2. Nach § 62 Abs. 2 i.V.m. § 82 Abs. 3 MarkenG ist grundsätzlich Einsicht in die Gerichtsund Verfahrensakten zu gewähren, die eine eingetragene Marke betreffen. Dies gilt nach §§ 107, 119 MarkenG auch für das Verfahren über den Antrag auf Schutzentziehung einer IR-Marke, das nach § 115 Abs. 1, § 124 MarkenG an die Stelle des Antrags auf Löschung einer eingetragenen Marke tritt.
5
Für die Akteneinsicht braucht - anders als bei der Einsicht in die Akten von Markenanmeldungen nach § 62 Abs. 1 MarkenG (vgl. auch BGH, Beschluss vom 10. April 2007 - I ZB 15/06, GRUR 2007, 628 Rn. 13 f. = WRP 2007, 788 - MOON) - ein berechtigtes Interesse nicht glaubhaft gemacht zu werden. Ob ausnahmsweise einer (unbeschränkten) Akteneinsicht schutzwürdige Belange der Verfahrensbeteiligten entgegenstehen können (bejahend Büscher in Büscher/Dittmer/Schiwy aaO § 62 MarkenG Rn. 15; Fezer aaO § 62 Rn. 5; Kirschneck in Ströbele/Hacker aaO § 62 Rn. 20; verneinend Ingerl/Rohnke, MarkenG, 3. Aufl., § 62 Rn. 5; Fezer/Grabrucker, Handbuch der Markenpraxis, Bd. 1, Seite 233 f. Rn. 56) braucht vorliegend nicht entschieden zu werden. Die Verfahrensbeteiligten haben der begehrten Akteneinsicht zwar widersprochen. Sie haben ein berechtigtes Interesse, das ausnahmsweise einer (unbeschränkten) Akteneinsicht entgegenstehen könnte, aber nicht dargelegt und glaubhaft gemacht. Ein solches Interesse ist auch nicht ersichtlich.
Bornkamm Büscher Schaffert
Koch Löffler