Life insurance withdrawal notice and estoppel by inconsistent conduct in long-standing contracts
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe German Federal Court of Civil Procedure (BGH) dismissed the plaintiff’s revision as inadmissible and without prospect of success, thereby upholding the judgment of the Oberlandesgericht Köln, with the plaintiff bearing the costs. The dispute concerned the validity of a life insurance policy and the effectiveness of the statutory notice regarding the right of withdrawal (Widerspruchsbelehrung), where the insured had continued performing the contract for several years after being properly informed that the contracts did not have to come into existence. The court held that the plaintiff was precluded by principles of good faith (Treu und Glauben) and prohibitive conduct (rechtsmissbräuchliches Verhalten) from arguing the invalidity of the contract or the non-EEA-compliance of the insurance model, even if the underlying model were Community law-incompatible, as such an argument would contradict the insured’s long-standing performance of the agreement. The decision clarified that the application of domestic law principles regarding prohibited conduct does not undermine the practical effectiveness of EU directive requirements for precise withdrawal notices when the insured voluntarily maintains the contract despite adequate legal information.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 552a ZPO, § 552a Satz 1 ZPO; Life insurance withdrawal notice and estoppel by inconsistent conduct in long-standing contracts: The dispute concerned the validity of a life insurance policy and the effectiveness of the statutory notice regarding the right of withdrawal (Widerspruchsbelehrung), where the insured had continued performing the contract for several years after being properly informed that the contracts did not have to come into existence. The court held that the plaintiff was precluded by principles of good faith (Treu und Glauben) and prohibitive conduct (rechtsmissbräuchliches Verhalten) from arguing the invalidity of the contract or the non-EEA-compliance of the insurance model, even if the underlying model were Community law-incompatible, as such an argument would contradict the insured’s long-standing performance of the agreement. The decision clarified that the application of domestic law principles regarding prohibited conduct does not undermine the practical effectiveness of EU directive requirements for precise withdrawal notices when the insured voluntarily maintains the contract despite adequate legal information.
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KI-generiertProvision explicitly cited in the dispositive to dismiss the revision as inadmissible and without prospect of success.
Volltext
Private Rentenversicherung: Wirksamkeit der Widerspruchsbelehrung in einem Altvertrag
[TENOR]
Die Revision gegen das Urteil des 20. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Köln vom 8. April 2016 wird gemäß § 552a Satz 1 ZPO auf Kosten der Klägerseite zurückgewiesen.
Der Streitwert für das Revisionsverfahren wird auf 16.695,39 € festgesetzt.
[GRUENDE]
Die vom Berufungsgericht zugelassene Revision der Klägerseite (Versicherungsnehmer: im Folgenden d. VN) war gemäß § 552a ZPO zurückzuweisen, weil die Voraussetzungen für ihre Zulassung nicht vorliegen und die Revision keine Aussicht auf Erfolg hat. Der Senat hat die Parteien mit Beschluss vom 27. September 2016 auf die beabsichtigte Zurückweisung hingewiesen. Auf die dortigen Gründe wird ergänzend Bezug genommen.
Der Schriftsatz des Klägervertreters vom 7. November 2016 gibt keine Veranlassung, von der Zurückweisung der Revision abzusehen.
Soweit dort darauf hingewiesen wird, die Revision sei auf die Europarechtswidrigkeit des Policenmodells insgesamt gestützt, begründet dies im Streitfall keine Pflicht zu einer Vorlage an den Gerichtshof der Europäischen Union, da es auf diese Frage hier nicht entscheidungserheblich ankommt. Wie der Senat in seinem Hinweisbeschluss näher ausgeführt hat, wäre es dem Kläger, der trotz Belehrung darüber, dass er die Verträge nicht zustande kommen lassen musste, diese bis zum Widerspruch über mehrere Jahre durchgeführt hat, wegen widersprüchlichen Verhaltens verwehrt, sich bei unterstellter Gemeinschaftsrechtswidrigkeit des Policenmodells auf eine Unwirksamkeit der Verträge zu berufen. Die Frage einer möglichen Vorlage an den Gerichtshof der Europäischen Union in einem Fall, in dem kein widersprüchliches Verhalten des Versicherungsnehmers festgestellt werden kann, stellt sich im Streitfall nicht.
Entgegen der Ansicht der Revision sind die Maßstäbe für die Berücksichtigung der Gesichtspunkte von Treu und Glauben auch in der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union geklärt (siehe im Einzelnen Senatsurteil vom 16. Juli 2014 - IV ZR 73/13, BGHZ 202, 102 Rn. 41 f.; BVerfG, Nichtannahmebeschluss vom 4. März 2015 - 1 BvR 3280/14, juris Rn. 31 ff. m.w.N.) und die Annahme rechtsmissbräuchlichen Verhaltens steht in Fällen wie dem vorliegenden in Einklang mit dieser Rechtsprechung (vgl. Senatsurteil aaO; vgl. auch BVerfG aaO).
Die Anwendung der Grundsätze von Treu und Glauben beeinträchtigen auch angesichts der besonderen Umstände des Streitfalles die praktische Wirksamkeit des Gemeinschaftsrechts und den Sinn und Zweck des Widerspruchsrechts nicht. Die Erwägungen der Zweiten und Dritten Richtlinie Lebensversicherung, eine genaue Belehrung der Versicherungsnehmer über ihr Rücktrittsrecht vor Abschluss des Vertrages sicherzustellen, werden auch hier nicht berührt, denn entscheidend ist im Streitfall, dass d. VN, der dem geltenden nationalen Recht entsprechend ordnungsgemäß über die Möglichkeit belehrt worden ist, die Verträge ohne Nachteile nicht zustande kommen zu lassen, diese gleichwohl in Vollzug gesetzt und sie über mehrere Jahre durchgeführt hat (vgl. ergänzend Senatsurteil vom 10. Juni 2015 - IV ZR 105/13, VersR 2015, 876 Rn. 13 f.).
Mayen Harsdorf-Gebhardt Lehmann
Dr. Brockmöller Dr. Bußmann