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4 StR 282/16 ECLI:DE:BGH:2016:121016B4STR282.16.0 KI-generiert

Sentencing reliance on suspended sentence status without factual findings: validity of appellate affirmation under § 354 Abs. 1a StPO

Geschäftsnummer 4 StR 282/16
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The German Federal Court of Justice (4th Criminal Senate) rejected the defendant’s revision, upholding the lower court’s conviction for five counts of bankruptcy, intentional violation of the insolvency application obligation, and intentional delay of insolvency proceedings, resulting in a total custodial sentence of five years and six months, which the defendant must bear the costs of appealing. The defendant challenged the sentencing as materially erroneous, specifically arguing that the trial court improperly counted his status as being on suspended sentence during the commission of the 2008–2009 offenses to his disadvantage, despite a lack of factual findings confirming the suspension period overlapped with those dates. Although the appellate court acknowledged this sentencing error, it upheld the original sentence under § 354 Abs. 1a Sentence 1 StPO, deeming the imposed penalties appropriate based on careful planning and the overall criminal record, without conducting a new comprehensive balancing of all sentencing factors. The court determined that because the Public Prosecutor’s Office had submitted a reasoned application pointing to this legal basis, the defendant was deemed informed of the potential appellate sentencing decision, thus negating the requirement for a specific judicial notice.

Legislator-Regeste

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§ 354 Abs. 1a Satz 1 StPO; Sentencing reliance on suspended sentence status without factual findings: validity of appellate affirmation under § 354 Abs. 1a StPO: The defendant challenged the sentencing as materially erroneous, specifically arguing that the trial court improperly counted his status as being on suspended sentence during the commission of the 2008–2009 offenses to his disadvantage, despite a lack of factual findings confirming the suspension period overlapped with those dates. Although the appellate court acknowledged this sentencing error, it upheld the original sentence under § 354 Abs. 1a Sentence 1 StPO, deeming the imposed penalties appropriate based on careful planning and the overall criminal record, without conducting a new comprehensive balancing of all sentencing factors. The court determined that because the Public Prosecutor’s Office had submitted a reasoned application pointing to this legal basis, the defendant was deemed informed of the potential appellate sentencing decision, thus negating the requirement for a specific judicial notice.

Schlagwörter

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bedingter Strafvollzug strafrechtliches Revisionsverfahren Konkursverfahren strafrechtliche Sanktion Gültigkeitserfordernis Rechtsstellung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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BVerfGE 118, 212
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 354 Abs. 1a Satz 1 StPO

Provision applied to uphold the sentencing despite a procedural error in reasoning, as the appellate court deemed the original punishment appropriate.

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Volltext

Strafzumessung: Berücksichtigung der während der Tatbegehung laufenden Bewährung

[TENOR]

1. Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Bochum vom 18. November 2015 wird verworfen.

2. Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

[GRUENDE]

Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Bankrotts in fünf Fällen, wegen vorsätzlicher Verletzung der Insolvenzantragspflicht und wegen vorsätzlicher Insolvenzverschleppung zu der Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Hiergegen richtet sich die auf die Verletzung materiellen Rechts gestützte Revision des Angeklagten. Das Rechtsmittel hat keinen Erfolg.

1. Die Überprüfung des Schuldspruchs hat keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben.

2. Der nicht rechtsfehlerfrei begründete Strafausspruch kann bestehen bleiben, weil der Senat die Einzelstrafen und die Gesamtstrafe gemäß § 354 Abs. 1a Satz 1 StPO für angemessen hält.

a) Der Strafausspruch ist rechtsfehlerhaft, weil das Landgericht bei der Bestimmung der Einzelstrafen und der Gesamtstrafe zum Nachteil des Angeklagten gewertet hat, dass er bei Begehung der in den Jahren 2008 bis 2009 verübten Taten aufgrund einer Verurteilung durch das Amtsgericht Meiningen vom 1. März 2004 unter laufender Bewährung gestanden habe. Dafür findet sich in den Feststellungen keine Stütze. Mitgeteilt ist insoweit lediglich, dass die Strafe nach Ablauf der Bewährungszeit am 10. August 2010 erlassen wurde. Damit kann, wie der Generalbundesanwalt in seiner Antragsschrift vom 30. Juni 2016 zutreffend ausgeführt hat, vom Revisionsgericht nicht beurteilt werden, ob die Taten, wie vom Landgericht angenommen, während der Bewährungszeit begangen wurden.

b) Der Rechtsfehler nötigt jedoch unter den hier gegebenen Umständen nicht zur Aufhebung des Strafausspruchs, weil die verhängte Rechtsfolge angemessen ist (§ 354 Abs. 1a Satz 1 StPO).

Die bei verfassungskonformer Auslegung erforderlichen Voraussetzungen für eine Entscheidung des Revisionsgerichts liegen vor (vgl. BVerfGE 118, 212). Auf den Umstand, dass es an Feststellungen zum Ablauf der Bewährungszeit fehlt, kommt es nicht an. Der Senat kann auf der Grundlage des zutreffend ermittelten, im Übrigen vollständigen und aktuellen Strafzumessungssachverhalts selbst entscheiden, dass die vom Landgericht verhängten Einzelstrafen und die Gesamtstrafe angemessen sind (vgl. BGH, Beschluss vom 29. April 2014 – 4 StR 23/14, Rn. 8). Hierbei sind die sorgfältige Tatplanung, das gesamte Tatbild und die einschlägige Vorstrafe maßgeblich. Einer umfassenden neuen Gesamtabwägung mit eigener Gewichtung aller bedeutsamen Strafzumessungsgesichtspunkte, was einer Sachentscheidung des Revisionsgerichts entgegenstehen könnte, bedarf es nicht (vgl. BGH, Beschluss vom 13. Oktober 2009 – 5 StR 347/09, NStZ-RR 2010, 21). Auch unter Berücksichtigung der Gegenerklärung der Verteidigung ergeben sich keine Anhaltspunkte für neue strafzumessungsrelevante Umstände.

Ein Hinweis auf die Vorgehensweise gemäß § 354 Abs. 1a Satz 1 StPO war nicht erforderlich, weil wegen des mit Gründen versehenen Antrags des Generalbundesanwalts angenommen werden kann, dass der Angeklagte Kenntnis von einer im Raum stehenden Strafzumessungsentscheidung des Revisionsgerichts erlangt hat (vgl. BGH, Beschluss vom 21. Mai 2014 – 4 StR 144/14).

VRinBGH Sost-Scheible isturlaubsbedingt an der Beifügungder Unterschrift gehindert.

Cierniak

Franke

Cierniak

Bender

Quentin