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3 StR 311/16 ECLI:DE:BGH:2016:051016B3STR311.16.0 KI-generiert

Narcotics case: Decisive time for preclusion of revealed knowledge under § 31 BtMG is the court’s opening decision, not defendant’s knowledge of it

Geschäftsnummer 3 StR 311/16
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Criminal Justice (BGH) dismissed the defendant's appeal, upholding the Landgericht Kleve's conviction for aiding drug trafficking in non-trivial amounts and the resulting two-and-a-half-year prison sentence. The dispute centered on the validity of the defendant's attempted withdrawal of the appeal and the applicability of sentencing reductions under the German Narcotics Act (BtMG), specifically whether the defendant’s lack of knowledge regarding the opening of main proceedings could exempt him from the preclusion of newly revealed knowledge. The court ruled that the withdrawal was ineffective due to conditional ambiguity and held that the decisive time for preclusion under § 31 BtMG is the date of the court's opening decision, not the defendant's awareness of it; furthermore, the lower court correctly rejected leniency arguments because the defendant's exculpatory statements regarding a witness were not proven.

Legislator-Regeste

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Narcotics case: Decisive time for preclusion of revealed knowledge under § 31 BtMG is the court’s opening decision, not defendant’s knowledge of it: The dispute centered on the validity of the defendant's attempted withdrawal of the appeal and the applicability of sentencing reductions under the German Narcotics Act (BtMG), specifically whether the defendant’s lack of knowledge regarding the opening of main proceedings could exempt him from the preclusion of newly revealed knowledge. The court ruled that the withdrawal was ineffective due to conditional ambiguity and held that the decisive time for preclusion under § 31 BtMG is the date of the court's opening decision, not the defendant's awareness of it; furthermore, the lower court correctly rejected leniency arguments because the defendant's exculpatory statements regarding a witness were not proven.

Schlagwörter

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Betäubungsmittelstrafzumessung Versuch im Strafrecht Eröffnung des Verfahrens Beschränkungen unterliegende Stoffe Unschuldsvermutung bedingte Strafen
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Volltext

Betäubungsmitteldelikt: Maßgeblicher Zeitpunkt für die Präklusion offenbarten Wissens

[TENOR]

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Kleve vom 2. Mai 2016 wird verworfen.

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

[GRUENDE]

Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu der Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt und eine Einziehungsentscheidung getroffen. Hiergegen wendet sich der Beschwerdeführer mit seiner Revision, mit der er die Verletzung formellen und materiellen Rechts rügt. Das Rechtmittel ist aus den zutreffenden Gründen der Antragsschrift des Generalbundesanwalts vom 2. August 2016 unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO. Der näheren Erörterung bedarf nur Folgendes:

1. Der Angeklagte hat seine Revision mit Schreiben vom 13. September 2016 nicht wirksam zurückgenommen. Die Rücknahme einer Revision muss eindeutig und zweifelsfrei erklärt werden, um Wirksamkeit zu erlangen (vgl. BGH, Beschlüsse vom 24. August 2016 - 1 StR 380/16, juris Rn. 2; vom 3. November 2011 - 2 StR 353/11, juris Rn. 3; LR/Jesse, StPO, 26. Aufl., § 302 Rn. 21; KK-Paul, StPO, 7. Aufl., § 302 Rn. 11). Als Prozesshandlung ist sie bedingungsfeindlich (vgl. BGH, Urteil vom 12. November 1953 - 3 StR 435/53, BGHSt 5, 183; Beschluss vom 27. April 2001 - 3 StR 502/99, bei Becker, NStZ-RR 2002, 97, 101 (Nr. 43)). Die von dem Angeklagten abgegebene Erklärung, die Revision zurückzuziehen, jedoch mit der Bitte, dass er in Therapie gehen kann, erfüllt diese Voraussetzungen nicht. Denn es bleibt auch nach Auslegung dieser Erklärung zweifelhaft, ob die Revision nur unter der Bedingung einer Therapiebewilligung zurückgenommen oder ob die Rücknahme unabhängig von einer Therapiebewilligung und damit unbedingt erklärt werden sollte.

2. Das Landgericht hat die Anwendung des § 31 Satz 1 Nr. 1, Satz 2 BtMG rechtsfehlerfrei abgelehnt. Soweit die Revision die Auffassung vertritt, der Angeklagte sei aufgrund seiner Unkenntnis von der Eröffnung des Hauptverfahrens so zu behandeln, als hätte er seine Angaben bereits vor diesem Zeitpunkt gemacht, ist dies nicht zutreffend. Maßgeblich für die Präklusion offenbarten Wissens gemäß § 31 Satz 2 BtMG, § 46b Abs. 3 StGB ist der Zeitpunkt, zu dem der Eröffnungsbeschluss gefasst wird, nicht derjenige, zu dem der Angeklagte Kenntnis von der Eröffnung des Hauptverfahrens erlangt (vgl. BGH, Beschluss vom 3. Dezember 2010 - 1 StR 538/10, StraFo 2011, 61). Zudem hat sich das Tatgericht aufgrund einer rechtsfehlerfreien Beweiswürdigung nicht davon überzeugen können, dass die Darstellung des Angeklagten über die Beteiligung des Zeugen K. an der Tat zutrifft. Eine Anwendung des § 31 BtMG scheidet auch aus diesem Grunde aus (vgl. BGH, Urteile vom 24. November 1982 - 3 StR 384/82, BGHSt 31, 163, 166 f.; vom 18. Juni 2009 - 3 StR 171/09, NStZ-RR 2009, 320, 321; Beschluss vom 13. Januar 2009 - 3 StR 561/08, BGHR BtMG § 31 Nr. 1 Aufdeckung 35).

Becker Schäfer Spaniol

Berg Hoch