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3 StR 17/15 ECLI:DE:BGH:2016:280616B3STR17.15.0 KI-generiert

Right to be heard: No obligation to notify defendant of legal view before dismissing criminal revision under § 349(2) StPO

Geschäftsnummer 3 StR 17/15
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice (BGH) dismissed the defendant's complaint for denial of hearing (Anhörungsrüge), leaving the costs of the legal remedy to be borne by the defendant. The dispute arose from a prior BGH decision in a criminal revision proceeding concerning infidelity (Untreue), where the higher court had partially set aside a conviction for breach of trust and dismissed the remainder of the appeal based solely on the prosecution's application without providing a prior notice of its legal view that a fiduciary duty was derived from the defendant's position on the supervisory board. The BGH held that under § 349(2) StPO, it is standard practice for criminal senates to decide such partial revisions without a prior consultation or specific legal notice to the defendant, as the right to be heard under Article 103(1) of the German Basic Law is satisfied by the opportunity to respond to the prosecution's application. The court ruled that neither § 265 StPO nor constitutional law required a prior indication of the legal basis for the decision because no change to the guilt finding was made and the legal view applied was already established in prior BGH jurisprudence, meaning no "surprise decision" occurred.

Legislator-Regeste

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§ 356a StPO, § 349 Abs. 2 StPO, Art. 103 Abs. 1 GG, § 265 StPO; Right to be heard: No obligation to notify defendant of legal view before dismissing criminal revision under § 349(2) StPO: The dispute arose from a prior BGH decision in a criminal revision proceeding concerning infidelity (Untreue), where the higher court had partially set aside a conviction for breach of trust and dismissed the remainder of the appeal based solely on the prosecution's application without providing a prior notice of its legal view that a fiduciary duty was derived from the defendant's position on the supervisory board. The BGH held that under § 349(2) StPO, it is standard practice for criminal senates to decide such partial revisions without a prior consultation or specific legal notice to the defendant, as the right to be heard under Article 103(1) of the German Basic Law is satisfied by the opportunity to respond to the prosecution's application. The court ruled that neither § 265 StPO nor constitutional law required a prior indication of the legal basis for the decision because no change to the guilt finding was made and the legal view applied was already established in prior BGH jurisprudence, meaning no "surprise decision" occurred.

Schlagwörter

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Anspruch auf rechtliches Gehör Revision des Strafurteils Strafanzeige Pflichtverletzung Rechtsgutachten erworbener Anspruch

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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2 BvR 1225/01
Januar 2002 - 2 BvR 1225/01, NStZ 2002, 487, 488 f.; vom 30.
2 BvR 792/11
Constitutional validity of unreasoned, non-oral dismissal of criminal appeal under § 349 Abs. 2 StPO in light of ECHR Article 6 fair hearing and right to a public hearing
3 StR 95/12
Mai 2012 - 3 StR 95/12, juris Rn.
1 BvR 1383/90
Mai 1991 - 1 BvR 1383/90, BVerfGE 84, 188, 190; vom 19.
BVerfGE 84, 188
Mai 1991 - 1 BvR 1383/90, BVerfGE 84, 188, 190; vom 19.
1 BvR 986/91
Mai 1992 - 1 BvR 986/91, BVerfGE 86, 133, 144 f.).
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 356a StPO

The procedural legal basis explicitly cited in the dispositive for the dismissal of the complaint for denial of hearing.

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Volltext

Rechtliches Gehör im Strafverfahren: Hinweis des Revisionsgerichts auf seine Rechtsauffassung vor Verwerfung der Revision durch Beschluss

[TENOR]

Die Anhörungsrüge des Verurteilten gegen den Senatsbeschluss vom 26. November 2015 wird verworfen.

Der Verurteilte hat die Kosten seines Rechtsbehelfs zu tragen.

[GRUENDE]

Der Senat hat mit Beschluss vom 26. November 2015 auf die Revision des Verurteilten das Urteil des Landgerichts Koblenz, soweit es ihn betrifft, in zehn Fällen - in einem Fall unter Aufrechterhaltung der Feststellungen zum objektiven Tatgeschehen mit Ausnahme derjenigen zum Vermögensnachteil - sowie im Ausspruch über die Gesamtstrafe aufgehoben, die Sache insoweit zu neuer Verhandlung und Entscheidung zurückverwiesen und die weitergehende Revision verworfen. Hiergegen wendet sich der Verurteilte mit seiner An-hörungsrüge (§ 356a StPO). Er beanstandet, dass der Senat vor der Entscheidung keinen Hinweis auf seine dem Senatsbeschluss zugrunde gelegte Rechtsauffassung erteilt habe, wonach die für die Erfüllung des Untreuetatbestandes erforderliche Vermögensbetreuungspflicht aus der Stellung des Verurteilten als Mitglied des Aufsichtsrats folge. Mit dieser rechtlichen Subsumtion hätten er und seine Verteidiger sich nach dem Senatsbeschluss erstmals konfrontiert gesehen.

Die zulässige Gehörsrüge ist unbegründet.

Soweit der Senat die weitergehende Revision des Verurteilten auf die Antragsschrift des Generalbundesanwalts und ohne vorherigen Hinweis auf seine Rechtsauffassung verworfen hat, entspricht dieses Vorgehen nach § 349 Abs. 2 StPO der üblichen Beratungs- und Entscheidungspraxis der Strafsenate des Bundesgerichtshofs. Dem Anspruch des Verurteilten auf rechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG) ist dadurch Rechnung getragen worden, dass der Senatsbeschluss auf den begründeten Antrag der Staatsanwaltschaft ergangen ist und der Verurteilte mit der Zustellung des Antrags Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten hat. Um bei diesem Verfahrensstand nach § 349 Abs. 2 StPO entscheiden zu können, muss sich das Revisionsgericht nur im Ergebnis, nicht aber auch in allen Teilen der Begründung dem Antrag der Staatsanwaltschaft anschließen. In diesen Fällen ist es auch verfassungsrechtlich nicht geboten, die Entscheidung des Revisionsgerichts zu begründen, wenngleich eine Begründung sinnvoll ist und - wie vorliegend vom Senat praktiziert - der ständigen Übung der Strafsenate des Bundesgerichtshofs entspricht (vgl. zu alledem BVerfG, Beschlüsse vom 21. Januar 2002 - 2 BvR 1225/01, NStZ 2002, 487, 488 f.; vom 30. Juni 2014 - 2 BvR 792/11, NJW 2014, 2563, 2564).

Der Senat war auch weder einfachgesetzlich noch verfassungsrechtlich gehalten, den Verurteilten vor seiner Entscheidung auf seine Rechtsauffassung hinzuweisen. Die auf die Besonderheiten der Tatsacheninstanz zugeschnittene Vorschrift des § 265 StPO gilt im Revisionsverfahren grundsätzlich nicht und steht lediglich einer den Schuldspruch abändernden Entscheidung des Revisionsgerichts entgegen, wenn der Angeklagte im Hinblick auf die von der Auffassung des Tatgerichts im Ergebnis abweichende rechtliche Beurteilung durch das Revisionsgericht noch keine Möglichkeit der Verteidigung hatte (vgl. BGH, Beschluss vom 29. Mai 2012 - 3 StR 95/12, juris Rn. 8; KK-Kuckein, StPO, 7. Aufl., § 265 Rn. 1; LR/Franke, 26. Aufl., § 354 Rn. 20 f.). So lag der Fall indes nicht; der Senat hat eine Änderung des Schuldspruchs nicht vorgenommen.

Art. 103 Abs. 1 GG verpflichtet das Gericht im Übrigen grundsätzlich weder zu einem Rechtsgespräch noch zu einem Hinweis auf seine Rechtsauffassung. Der Verfahrensbeteiligte muss grundsätzlich, auch wenn die Rechtslage umstritten oder problematisch ist, alle vertretbaren Gesichtspunkte von sich aus in Betracht ziehen und seinen Vortrag darauf einstellen (BVerfG, Beschlüsse vom 29. Mai 1991 - 1 BvR 1383/90, BVerfGE 84, 188, 190; vom 19. Mai 1992 - 1 BvR 986/91, BVerfGE 86, 133, 144 f.). Nach diesen Maßstäben lag eine Überraschungsentscheidung nicht vor, da die mit der Anhörungsrüge angegriffene Rechtsauffassung des Senats bereits in der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (vgl. Urteil vom 6. Dezember 2001 - 1 StR 215/01, BGHSt 47, 187, 201 f.) - was auch die Anhörungsrüge der Sache nach einräumt - angelegt war. Auch wurde dem Verurteilten schon deshalb kein Sachvortrag abgeschnitten (vgl. BVerfG, Beschluss vom 29. Mai 1991 - 1 BvR 1383/90, BVerfGE 84, 188, 190), weil für die materiellrechtliche Überprüfung des Urteils auf die Sachrüge hin allein die Urteilsurkunde maßgeblich war.

Schließlich hat der Senat bei seiner Entscheidung weder Verfahrensstoff verwertet, zu dem der Verurteilte nicht gehört worden wäre, noch zu berücksichtigendes Vorbringen übergangen.

Becker Schäfer Mayer

Gericke Spaniol