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1 StR 122/16 ECLI:DE:BGH:2016:210416B1STR122.16.0 KI-generiert

Wage tax evasion and social security withholding: non-retroactive impact of erroneous competition assessment on sentencing

Geschäftsnummer 1 StR 122/16
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice (BGH) rejected the defendant's appeal, upholding the lower court's conviction and sentencing for tax evasion and related offenses. The case involved the defendant's failure to submit monthly wage tax declarations for the years 2009–2013 and the withholding of social security contributions, where the Landgericht Koblenz had erred in fact and law by aggregating the non-submissions into a single annual act per year and failing to recognize a single act (Tateinheit) when both employer and employee contributions were withheld simultaneously. The BGH determined that, although the lower court's legal analysis regarding the number of distinct omissions under § 370 Abs. 1 Nr. 2 AO and the concurrence of offenses under § 266a StGB was incorrect, these errors did not disadvantage the defendant because the overall assessment of guilt and the applied sentencing framework remained unaffected, with the additional wrongful withholding of employee contributions properly accounted for within the culpability range.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 2 StPO, § 266a Abs. 1 StGB, § 266a Abs. 2 Nr. 2 StGB; Wage tax evasion and social security withholding: non-retroactive impact of erroneous competition assessment on sentencing: The case involved the defendant's failure to submit monthly wage tax declarations for the years 2009–2013 and the withholding of social security contributions, where the Landgericht Koblenz had erred in fact and law by aggregating the non-submissions into a single annual act per year and failing to recognize a single act (Tateinheit) when both employer and employee contributions were withheld simultaneously. The BGH determined that, although the lower court's legal analysis regarding the number of distinct omissions under § 370 Abs. 1 Nr. 2 AO and the concurrence of offenses under § 266a StGB was incorrect, these errors did not disadvantage the defendant because the overall assessment of guilt and the applied sentencing framework remained unaffected, with the additional wrongful withholding of employee contributions properly accounted for within the culpability range.

Schlagwörter

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Umgehung der Beitragspflicht Quellensteuer Steuerwettbewerb fehlerhafte Strafzumessung Steuerveranlagungen soziale Sicherheit

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 349 Abs. 2 StPO

Procedural provision cited in the dispositive to reject the appeal as unfounded.

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Volltext

Lohnsteuerhinterziehung durch Nichtabgabe von Lohnsteueranmeldungen und Vorenthalten von Sozialversicherungsbeiträgen: Auswirkungen der unzutreffenden Beurteilung des Konkurrenzverhältnisses

[TENOR]

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Koblenz vom 27. Oktober 2015 wird als unbegründet verworfen (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat:

1. Soweit das Landgericht „zu Gunsten des Angeklagten“ (UA S. 6) hinsichtlich der durch Nichtabgabe von Lohnsteueranmeldungen gemäß § 370 Abs. 1 Nr. 2 AO begangenen Steuerhinterziehungen von lediglich einer Unterlassungstat jährlich ausgegangen ist, hält dies rechtlicher Nachprüfung nicht stand. Gemäß § 41a Abs. 2 Satz 1 EStG ist der Lohnsteuer-Anmeldezeit-raum grundsätzlich der Kalendermonat. Wenn die Lohnsteuer für das vorangegangene Kalenderjahr mehr als 1.080 Euro (im Tatzeitraum 2009 – 2013: 1.000 Euro), aber nicht mehr als 4.000 Euro betragen hat, ist das Kalendervierteljahr der Lohnsteuer-Anmeldungszeitraum (§ 41a Abs. 2 Satz 2 1. HS EStG). Lediglich dann, wenn die Lohnsteuer für das vergangene Kalenderjahr nicht mehr als 1.080 Euro (im Tatzeitraum: 1.000 Euro) betragen hat, ist der Lohnsteueranmeldungszeitraum das Kalenderjahr (§ 41a Abs. 2 Satz 2 2. HS EStG). Da diese Grenzen im Tatzeitraum jeweils überschritten wurden, hätte der Angeklagte jeweils monatliche Lohnsteueranmeldungen abgeben müssen. Die Nichtabgabe jeder einzelnen dieser Lohnsteueranmeldungen stellt eine eigenständige Steuerhinterziehung des Angeklagten durch Unterlassen dar (§ 370 Abs. 1 Nr. 2 AO). Das Landgericht hätte deshalb die Besteuerungsgrundlagen für die jeweiligen monatlichen Anmeldezeiträume– soweit erforderlich durch Schätzung (vgl. dazu BGH, Beschluss vom 10. November 2009 – 1 StR 283/09, NStZ 2010, 635 sowie Jäger in Klein, AO, 12. Aufl., § 370 Rn. 98 mwN) – ermitteln und die verkürzte Lohnsteuer errechnen müssen.

Der Senat schließt jedoch aus, dass sich die rechtsfehlerhafte Zusammenfassung mehrerer Unterlassungstaten zu jährlich einer Tat zum Nachteil des Angeklagten ausgewirkt hat. Denn die unzutreffende Beurteilung des Konkurrenzverhältnisses beeinflusst den materiellen Unrechts- und Schuldgehalt der Taten insgesamt nicht (vgl. BVerfG, Beschluss vom 1. März 2004– 2 BvR 2251/03, BVerfGK 3, 20; BGH, Beschlüsse vom 14. Januar 2015– 4 StR 440/14, Rn. 5, NStZ-RR 2015, 113 und vom 21. Januar 2014– 2 StR 507/13; jeweils mwN). Das Landgericht hat auch für keine der Steuerhinterziehungen wegen Verkürzung von Steuern in großem Ausmaß gemäß § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 AO die Strafe dem Strafrahmen des § 370 Abs. 3 AO für besonders schwere Fälle entnommen.

2. Der Umstand, dass das Landgericht bei gleichzeitigem Vorenthalten von Arbeitgeberbeiträgen nach § 266a Abs. 1 StGB und Arbeitnehmerbeiträgen nach § 266a Abs. 2 Nr. 2 StGB entgegen der Rechtsprechung des Senats (vgl. BGH, Beschlüsse vom 24. Juni 2015 – 1 StR 76/15 Rn. 15, wistra 2015, 393 und vom 18. Mai 2010 – 1 StR 111/10, wistra 2010, 408) nicht von einer einheitlichen Tat, sondern von Tateinheit ausgegangen ist, beschwert den Angeklagten ebenfalls nicht. Denn die zusätzliche Verwirklichung von § 266a Abs. 2 Nr. 2 StGB durfte im Rahmen des Schuldumfangs Berücksichtigung finden (vgl. BGH aaO).

RiBGH Prof. Dr. Graf befindet sich im Urlaub und ist deshalb an der Unterschriftsleistung gehindert.

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