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7 C 7/15 ECLI:DE:BVerwG:2016:030516B7C7.15.0 KI-generiert

Severance of concurrent information access and press law claims; stay pending CJEU ruling on professional secrecy in financial sector

Geschäftsnummer 7 C 7/15
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Administrative Court ordered the partial severance of the proceedings, assigning the press law claim to a different senate due to jurisdictional constraints, and stayed the remainder of the case pending a preliminary ruling by the Court of Justice of the European Union. The dispute involved a plaintiff alleging both a right of access to information under the Federal Freedom of Information Act and a distinct right to information under press law, which the court determined constituted a concurrence of claims with different procedural bases (a mandate action for the former and a general performance claim for the latter) rather than a single legal issue. The court held that these claims involved different legal interests and procedural types, requiring separation, and stayed the main proceedings because the interpretation of the scope of professional secrecy under Article 54 of Directive 2004/39/EC, relevant for exemption clauses under banking secrecy laws, is currently under review by the CJEU in a separate case, making the issues decisional for the current dispute.

Legislator-Regeste

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§ 93 Satz 2 VwGO, § 4 UStG, § 94 VwGO, § 94 VwGO in entsprechender Anwendung; Severance of concurrent information access and press law claims; stay pending CJEU ruling on professional secrecy in financial sector: The dispute involved a plaintiff alleging both a right of access to information under the Federal Freedom of Information Act and a distinct right to information under press law, which the court determined constituted a concurrence of claims with different procedural bases (a mandate action for the former and a general performance claim for the latter) rather than a single legal issue. The court held that these claims involved different legal interests and procedural types, requiring separation, and stayed the main proceedings because the interpretation of the scope of professional secrecy under Article 54 of Directive 2004/39/EC, relevant for exemption clauses under banking secrecy laws, is currently under review by the CJEU in a separate case, making the issues decisional for the current dispute.

Schlagwörter

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Presserecht Zugang zu amtlichen Dokumenten Trennung von Verfahren Verfahrensrechte Bankenrecht Ehetrennung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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§ 93 Satz 2 VwGO
Procedural basis cited in the first order to justify the severance of the press law claim from the main proceedings due to different jurisdictions.
§ 4 UStG
Juli 2014 - 9 B 63.13 - Buchholz 401.2 § 4 UStG Nr.
§ 94 VwGO
Die Aussetzung des Verfahrens beruht auf § 94 VwGO in entsprechender Anwendung.
§ 94 VwGO in entsprechender Anwendung
Procedural basis cited in the second order to justify the stay of proceedings pending a preliminary ruling by the Court of Justice of the European Union.

Zitierte Rechtsprechung

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III ZB 59/13
Jurisdictional competence for parallel claims under the Freedom of Information Act and the Administrative Procedure Act in takeover supervision proceedings
BGHZ 199, 159
November 2013 - III ZB 59/13 - BGHZ 199, 159 Rn.
BVerwGE 146, 56
Februar 2013 - 6 A 2.12 - BVerwGE 146, 56 Rn.
I ZR 230/11
Labeling natural mineral water as "Biomineralwasser" and imitating the statutory organic logo: misleading advertising and market conduct rule violations
BGHZ 194, 314
September 2012 - I ZR 230/11 - BGHZ 194, 314 Rn.
BVerwGE 112, 166
November 2000 - 3 C 3.00 - BVerwGE 112, 166 ).
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 93 Satz 2 VwGO

Procedural basis cited in the first order to justify the severance of the press law claim from the main proceedings due to different jurisdictions.

§ 94 VwGO in entsprechender Anwendung

Procedural basis cited in the second order to justify the stay of proceedings pending a preliminary ruling by the Court of Justice of the European Union.

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Volltext

Reichweite des Berufsgeheimnisses nach Art. 54 EGRL 39/2004; presserechtlicher Auskunftsanspruch

[TENOR]

Soweit der Kläger einen presserechtlichen Anspruch geltend macht, wird das Verfahren abgetrennt und unter dem Aktenzeichen 7 C 11.16 (neu 7 C 2.17) fortgeführt.

Das Verfahren 7 C 7.15 wird bis zu einer Entscheidung des Gerichtshofs der Europäischen Union im Verfahren - C-15/16, Baumeister - ausgesetzt.

[GRUENDE]

1. Die Trennung der Verfahren beruht auf § 93 Satz 2 VwGO.

Der Kläger macht neben dem auf das Informationsfreiheitsgesetz gestützten Informationszugangsanspruch auch einen presserechtlichen Auskunftsanspruch geltend. Damit liegt eine Klagehäufung vor. Denn das Klagebegehren wird nicht lediglich im Sinne einer Anspruchsnormenkonkurrenz auf mehrere Rechtsgrundlagen gestützt; vielmehr handelt es sich um eine Mehrheit von Streitgegenständen.

Der Streitgegenstand wird durch den Klageantrag, in dem sich die vom Kläger in Anspruch genommene Rechtsfolge konkretisiert, und den Lebenssachverhalt (Klagegrund), aus dem der Kläger die begehrte Rechtsfolge herleitet, bestimmt (vgl. etwa BVerwG, Beschluss vom 9. Juli 2014 - 9 B 63.13 - Buchholz 401.2 § 4 UStG Nr. 8 Rn. 13; BGH, Beschluss vom 27. November 2013 - III ZB 59/13 - BGHZ 199, 159 Rn. 16, jeweils m.w.N.).

Der Klageanspruch als prozessualer Anspruch und Rechtsfolgenbehauptung wird insbesondere im Verwaltungsprozess gerade auch von der einschlägigen Rechtsschutzform bestimmt (vgl. Kopp/Schenke, VwGO, 21. Aufl. 2015, § 90 Rn. 7; Clausing, in: Schoch/Schneider/Bier, VwGO, Stand Oktober 2015, § 121 Rn. 58; Kilian, in: Sodan/Ziekow, VwGO, 4. Aufl. 2014, § 121 Rn. 45; Germelmann, in: Gärditz, VwGO, 2013, § 121 Rn. 85). Vorliegend führen die beiden in Anspruch genommenen Rechtsgrundlagen auf unterschiedliche Klagearten und deshalb auf unterschiedliche Streitgegenstände. Gemäß § 9 Abs. 4 Satz 1 IFG wird der allgemeine Informationszugangsanspruch mit einer Verpflichtungsklage durchgesetzt (ebenso der Zugangsanspruch nach dem Umweltinformationsgesetz, siehe Ziekow/Debus, in: Fluck/Theuer, Informationsfreiheitsrecht, Stand Dezember 2007, § 6 UIG Bund Rn. 38 f.; Schoch, IFG, 2009, § 9 Rn. 76; jeweils m.w.N.), während der Presseauskunftsanspruch im Wege der allgemeinen Leistungsklage geltend zu machen ist (BVerwG, Urteile vom 20. Februar 2013 - 6 A 2.12 - BVerwGE 146, 56 Rn. 15 und vom 27. November 2013 - 6 A 5.13 - Buchholz 402.71 BNDG Nr. 3 Rn. 10; siehe auch Burkhardt, in: Löffler, Presserecht, 6. Aufl. 2015, § 4 LPG Rn. 186; Ricker/Weberling, Handbuch des Presserechts, 6. Aufl. 2012, 22. Kap. Rn. 2). Streitgegenstand der Verpflichtungsklage ist neben dem verfolgten prozessualen Anspruch auf Vornahme des begehrten Verwaltungsakts zugleich die Rechtsbehauptung des Klägers, dass die Versagung des beantragten Verwaltungsakts, bezogen auf die Anspruchs- bzw. Ermächtigungsgrundlage, rechtswidrig ist (Rennert, in: Eyermann, VwGO, 14. Aufl. 2014, § 121 Rn. 28; vgl. auch Kilian, in: Sodan/Ziekow, VwGO, 4. Aufl. 2014, § 121 Rn. 51; Clausing, in: Schoch/Schneider/Bier, VwGO, Stand Oktober 2015, § 121 Rn. 63 f., jeweils m.w.N.). Diese Bezugnahme auf einen Verwaltungsakt und die streitgegenstandsprägende Anspruchsgrundlage fehlt indessen bei der auf einen Realakt gerichteten allgemeinen Leistungsklage.

Wollte man von diesen Unterschieden in der sachdienlichen Antragstellung gleichwohl absehen und den - für das Sachinteresse des Klägers entscheidenden - tatsächlichen Vollzug des Informationszugangs als maßgeblich für die Bestimmung des Streitgegenstands erachten, ergäbe sich nichts anderes. Denn mit der Berufung auf presserechtliche Vorschriften ändert sich auch der Klagegrund.

Der Klagegrund geht über die Tatsachen, welche die Tatbestandsmerkmale einer Rechtsgrundlage ausfüllen, hinaus; zu ihm sind alle Tatsachen zu rechnen, die bei einer natürlichen, vom Standpunkt der Parteien ausgehenden Betrachtungsweise zu dem durch den Vortrag des Klägers zur Entscheidung gestellten Tatsachenkomplex gehören. Das ist dann der Fall, wenn der Tatsachenstoff nicht sinnvoll auf verschiedene eigenständige, den Sachverhalt in seinem Kerngehalt verändernde Geschehensabläufe aufgeteilt werden kann, selbst wenn er nach mehreren Anspruchsgrundlagen einer je eigenständigen rechtlichen Bewertung zugänglich ist. Bei gleichem Antrag liegt eine Mehrheit von Streitgegenständen dagegen dann vor, wenn die materiell-rechtliche Regelung die zusammentreffenden Ansprüche durch eine Verselbstständigung der einzelnen Lebensvorgänge erkennbar unterschiedlich ausgestaltet (BVerwG, Beschluss vom 7. März 2016 - 7 B 45.15 - juris Rn. 6 im Anschluss an BGH, Urteil vom 13. September 2012 - I ZR 230/11 - BGHZ 194, 314 Rn. 19, m.w.N. und Beschluss vom 27. November 2013 - III ZB 59/13 - BGHZ 199, 159 Rn. 17; vgl. auch Vollkommer, in: Zöller, ZPO, 31. Aufl. 2016, Einl. Rn. 70, 75; Becker-Eberhard, in: Münchener Kommentar zur ZPO, 4. Aufl. 2013, § 263 Rn. 13 ff.; Musielak/Voit, ZPO, 13. Aufl. 2016, Einl. Rn. 76; kritisch Roth, in: Stein/Jonas, ZPO, 22. Aufl. 2008, Bd. 4, vor § 253 Rn. 12; siehe auch Rennert, in: Eyermann, VwGO, 14. Aufl. 2014, § 121 Rn. 24).

Die Rechtsordnung hat das grundsätzlich voraussetzungslose Jedermannsrecht auf Informationszugang und den besonderen Auskunftsanspruch der Presse in vielerlei Hinsicht unterschiedlich ausgestaltet; dies gilt etwa für die Zugangsarten, die Anspruchsvoraussetzungen, die Begrenzung - bei dem verfassungsunmittelbaren Auskunftsanspruch im Sinne der Gewährung eines Mindeststandards -, die Verfahrensregelungen und nicht zuletzt die Kostenfrage. Mit diesen Unterschieden soll der informationsrechtlichen Stellung der Presse und deren besonderen Funktionsbedürfnissen Rechnung getragen werden (BVerwG, Urteil vom 20. Februar 2013 - 6 A 2.12 - BVerwGE 146, 56 Rn. 28). Der Pressevertreter kann sich zwar auch auf das Jedermannsrecht berufen (BVerwG, Urteil vom 15. November 2012 - 7 C 1.12 - Buchholz 404 IFG Nr. 10 Rn. 45 f.); er nimmt in seiner Eigenschaft als Presseorgan und als Jedermann aber gleichwohl verschiedene Funktionen bzw. Rollen wahr, die einen je eigenständigen Lebensvorgang kennzeichnen.

Über den presserechtlichen Anspruch als eigenständigen Streitgegenstand kann der 7. Revisionssenat nach der Geschäftsverteilung des Bundesverwaltungsgerichts nicht entscheiden; vielmehr ist die Zuständigkeit des 6. Revisionssenats gegeben, sodass eine Abtrennung und Abgabe des Verfahrens geboten ist.

2. Die Aussetzung des Verfahrens beruht auf § 94 VwGO in entsprechender Anwendung.

Der Senat hat mit Beschluss vom 4. November 2015 - 7 C 4.14 - (VersR 2016, 511) den Gerichtshof der Europäischen Union um die Klärung der Reichweite des Berufsgeheimnisses nach Art. 54 der Richtlinie 2004/39/EG ersucht, der für das Verständnis von § 3 Nr. 4 IFG i.V.m. § 9 KWG maßgeblich ist. Die aufgeworfenen Auslegungsfragen sind auch für das vorliegende Verfahren entscheidungserheblich. Unter diesen Umständen ist es sachgerecht, den Rechtsstreit auszusetzen, ohne zugleich den Gerichtshof erneut anzurufen (vgl. BVerwG, Beschluss vom 10. November 2000 - 3 C 3.00 - BVerwGE 112, 166 ).