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IV ZR 130/15 ECLI:DE:BGH:2016:220316BIVZR130.15.0 KI-generiert

Unfair reliance on invalidity of life insurance policy after dual assignment for credit security

Geschäftsnummer IV ZR 130/15
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice (BGH) dismissed the policyholder’s revision and rejected the appeal on costs, leaving the lower court’s judgment in force which had barred the policyholder’s claim. The dispute concerned an old-form life insurance policy under the "policy model," where the policyholder, having twice assigned the contract as security for loans to the insurer, attempted to invalidate the contract by invoking the absence of a compliant revocation notice. The court held that such reliance was barred by the doctrine of *venire contra factum proprium* (unfair dealing), as the policyholder’s conduct created a reasonable expectation of continuing the contract. Decisive legal bases included the German Civil Code’s principles of good faith and the prohibition of contradictory conduct, assessed in light of EU directives on life insurance; the BGH confirmed that national restrictions on consumer protection rights based on bad faith do not violate the principle of effective legal protection under EU law, provided the right remains accessible in principle and the specific breach was not decisive to the outcome.

Legislator-Regeste

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§ 552a Satz 1 ZPO, § 552a ZPO; Unfair reliance on invalidity of life insurance policy after dual assignment for credit security: The dispute concerned an old-form life insurance policy under the "policy model," where the policyholder, having twice assigned the contract as security for loans to the insurer, attempted to invalidate the contract by invoking the absence of a compliant revocation notice. The court held that such reliance was barred by the doctrine of *venire contra factum proprium* (unfair dealing), as the policyholder’s conduct created a reasonable expectation of continuing the contract. Decisive legal bases included the German Civil Code’s principles of good faith and the prohibition of contradictory conduct, assessed in light of EU directives on life insurance; the BGH confirmed that national restrictions on consumer protection rights based on bad faith do not violate the principle of effective legal protection under EU law, provided the right remains accessible in principle and the specific breach was not decisive to the outcome.

Schlagwörter

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Lebensversicherung Konsumkreditwiderruf Invalidenversicherung Recht des Versicherers Abtretung einer Forderung Verbraucherrecht

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 552a Satz 1 ZPO

Ground for the dismissal of the revision without further substantive examination due to lack of admissibility prerequisites and absence of prospects of success.

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Volltext

Altvertrag über eine Lebensversicherung im sog. Policenmodell: Treuwidrige Berufung des Versicherungsnehmers auf die Unwirksamkeit eines Lebensversicherungsvertrags bei zweimaliger Abtretung zur Kreditsicherung

[TENOR]

Die Revision gegen das Urteil des 11. Zivilsenats des Brandenburgischen Oberlandesgerichts vom 14. Januar 2015 wird gemäß § 552a Satz 1 ZPO auf Kosten der Klägerseite zurückgewiesen.

Der Streitwert für das Revisionsverfahren wird auf bis 9.000 € festgesetzt.

[GRUENDE]

Die vom Berufungsgericht zugelassene Revision der Klägerseite (Versicherungsnehmer: im Folgenden d. VN) war gemäß § 552a ZPO zurückzuweisen, weil die Voraussetzungen für ihre Zulassung nicht vorliegen und die Revision keine Aussicht auf Erfolg hat. Der Senat hat die Parteien mit Beschluss vom 27. Januar 2016 auf die beabsichtigte Zurückweisung hingewiesen. Auf die dortigen Gründe wird ergänzend Bezug genommen. Der Schriftsatz des Klägervertreters vom 11. März 2016 gibt keine Veranlassung, von der Zurückweisung der Revision abzusehen.

Entgegen dessen Auffassung greift hier der Einwand nicht, dass schon nach Maßstäben des Europarechts das Berufungsgericht gehindert gewesen sei, Verwirkung anzunehmen. Die Maßstäbe für die Berücksichtigung der Gesichtspunkte von Treu und Glauben sind in der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union geklärt (siehe im Einzelnen Senatsurteil vom 16. Juli 2014 - IV ZR 73/13, BGHZ 202, 102 Rn. 41 f.; BVerfG VersR 2015, 693 Rn. 43 ff.). Die Annahme rechtsmissbräuchlichen Verhaltens steht hier im Einklang mit dieser Rechtsprechung.

Die Frage, ob verbraucherschützende Widerspruchsrechte durch nationale Vorschriften zum Rechtsmissbrauch beschränkt werden dürfen, berührt zwar das Gebot der praktischen Wirksamkeit. Der Anwendung von Treu und Glauben und des Verbots widersprüchlicher Rechtsausübung steht dies aber nicht entgegen, weil die Ausübung dieser Rechte in das nationale Zivilrecht eingebettet bleibt und die nationalen Gerichte ein missbräuchliches Verhalten auch nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union berücksichtigen dürfen (BVerfG aaO Rn. 44 m.w.N.).

Die Anwendung der Grundsätze von Treu und Glauben beeinträchtigt auch angesichts der besonderen Umstände des Streitfalles die praktische Wirksamkeit des Gemeinschaftsrechts und den Sinn und Zweck des Widerspruchsrechts nicht. Die Erwägungen der Zweiten und Dritten Richtlinie Lebensversicherung, eine genaue Belehrung der Versicherungsnehmer über ihr Rücktrittsrecht vor Abschluss des Vertrages sicherzustellen, werden hier nicht berührt. Ob d. VN ordnungsgemäß über das Widerspruchsrecht belehrt wurde, ist hier ausnahmsweise nicht entscheidungserheblich. Ausschlaggebend ist vielmehr, dass d. VN durch sein Verhalten im Zusammenhang mit dem zweimaligen Einsatz des Versicherungsvertrages zur Sicherung eines Kredits bei dem Versicherer den Eindruck erweckt hat, den Vertrag unbedingt fortsetzen zu wollen.

Mayen Harsdorf-Gebhardt Dr. Karczewski

Lehmann Dr. Brockmöller