Criminal violation of a Violence Protection Act contact ban: Requirement for proof of a legally enforceable order
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Federal Court of Justice (1st Criminal Senate) amended the judgment of the Stuttgart Regional Court by limiting criminal prosecution to attempted murder in concurrence with aggravated bodily injury, thereby striking down the conviction for violating the Violence Protection Act, while the defendant’s further appeal was dismissed. The case involved a criminal appeal challenging a total prison sentence of nine years and six months, which included counts for attempted murder, sexual offenses, bodily harm, and a breach of a contact prohibition order issued under the Violence Protection Act. The appellate court held that the lower court’s factual findings were insufficient to establish the statutory element of a "full enforceable order" required under § 4 Sentence 1 of the Violence Protection Act, as mere knowledge of the injunction without proof of effective service or a formal order of enforceability does not satisfy the legal requirements for criminal liability under this provision. Consequently, the court applied § 154(2) in conjunction with § 154(1) No. 1 of the Code of Criminal Procedure to dismiss the count regarding the violation of the Violence Protection Act, as its inclusion did not significantly affect the overall sentence determined by the more severe penalty range for attempted murder.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 349 Abs. 4 StPO, § 349 Abs. 2 StPO, § 52 Abs. 2 Satz 1 StGB, § 49 Abs. 1 StGB, § 211 StGB; Criminal violation of a Violence Protection Act contact ban: Requirement for proof of a legally enforceable order: The case involved a criminal appeal challenging a total prison sentence of nine years and six months, which included counts for attempted murder, sexual offenses, bodily harm, and a breach of a contact prohibition order issued under the Violence Protection Act. The appellate court held that the lower court’s factual findings were insufficient to establish the statutory element of a "full enforceable order" required under § 4 Sentence 1 of the Violence Protection Act, as mere knowledge of the injunction without proof of effective service or a formal order of enforceability does not satisfy the legal requirements for criminal liability under this provision. Consequently, the court applied § 154(2) in conjunction with § 154(1) No. 1 of the Code of Criminal Procedure to dismiss the count regarding the violation of the Violence Protection Act, as its inclusion did not significantly affect the overall sentence determined by the more severe penalty range for attempted murder.
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KI-generiertProcedural basis for amending the judgment to limit the criminal prosecution and modify the conviction.
Ground for dismissing the further parts of the appeal as unfounded.
Volltext
Strafbare Zuwiderhandlung gegen ein Kontaktverbot in einer Gewaltschutzsache: Anforderungen an die Tatsachenfeststellungen im Strafurteil
[TENOR]
1. Auf die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Stuttgart vom 27. Juli 2015 wird
a) die Strafverfolgung zu II. Tat 4 der Urteilsgründe auf den Vorwurf des versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung beschränkt;
b) der Schuldspruch für den vorgenannten Fall dahingehend geändert, dass der Angeklagte des versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung schuldig ist.
2. Die weitergehende Revision wird verworfen.
3. Der Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels und die der Nebenklägerin im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.
[GRUENDE]
Das Landgericht hat den Angeklagten wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und mit Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz sowie wegen besonders schwerer Vergewaltigung in Tateinheit mit (vorsätzlicher) Körperverletzung sowie wegen (vorsätzlicher) Körperverletzung in zwei Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von neun Jahren und sechs Monaten verurteilt.
Seine dagegen gerichtete, auf die allgemeine Sachrüge gestützte Revision führt lediglich zu der aus der Beschlussformel zu 1.a) ersichtlichen Beschränkung der Strafverfolgung und der damit einhergehenden Änderung des Schuldspruchs (§ 349 Abs. 4 StPO). Im Übrigen ist das Rechtsmittel unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO.
1. Wie der Generalbundesanwalt in seiner Antragsschrift vom 18. De-zember 2015 zutreffend aufgezeigt hat, tragen die vom Landgericht getroffenen, auf einer rechtsfehlerfreien Beweiswürdigung beruhenden Feststellungen zu II. Tat 4 der Urteilsgründe nicht den Schuldspruch wegen Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz (§ 4 Satz 1 GewSchG). Das Tatbestandsmerkmal einer "vollstreckbaren Anordnung" setzt voraus, dass der Beschluss des Amtsgerichts Tempelhof-Kreuzberg vom 24. Juli 2014 mit dem – verkürzt formuliert – Kontaktverbot dem Angeklagten entweder wirksam zugestellt (BGH, Urteil vom 15. März 2007 – 5 StR 536/06, BGHSt 51, 257, 259 Rn. 10; BGH, Beschluss vom 10. Mai 2012 – 4 StR 122/12, NStZ 2013, 108, 109; siehe auch BGH, Beschluss vom 7. Oktober 2010 – 1 StR 404/10 Rn. 2; zu den Voraussetzungen wirksamer Zustellung Cirullies FamRZ 2012, 1854 ff.) oder die Vollstreckbarkeit der ergangenen einstweiligen Anordnung angeordnet worden ist (BGH, Beschluss vom 10. Mai 2012 – 4 StR 122/12, NStZ 2013, 108, 109); bloße Kenntnis des Antragsgegners vom Inhalt der Anordnung genügt nicht (vgl. BGH, Urteil vom 15. März 2007 – 5 StR 536/06, BGHSt 51, 257, 261 Rn. 15; BGH, Beschluss vom 10. Mai 2012 – 4 StR 122/12, NStZ 2013, 108, 109).
Ausdrückliche Feststellungen zum Vorliegen der vorgenannten Voraussetzungen enthält das Urteil nicht. Auch aus dessen Gesamtzusammenhang lassen sie sich nicht entnehmen. Aus dem Umstand, dass die Nebenklägerin am Tag des Erlasses der einstweiligen Anordnung an einem Gerichtstermin – offenbar bei dem Amtsgericht Tempelhof-Kreuzberg – teilgenommen hat und der Angeklagte ihr von dort in die vormals gemeinsame Wohnung gefolgt ist (UA S. 10), kann die "vollstreckbare Anordnung" im Sinne von § 4 Satz 1 GewSchG nicht abgeleitet werden.
Da für die die Tat II. Fall 4 der Urteilsgründe betreffende Strafe das tateinheitlich verwirklichte Delikt des Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz angesichts des die Strafe bestimmenden (§ 52 Abs. 2 Satz 1 StGB) – gemäß § 23 Abs. 2, § 49 Abs. 1 StGB gemilderten – Strafrahmens von § 211 StGB nicht beträchtlich ins Gewicht fällt, beschränkt der Senat mit Zustimmung des Generalbundesanwalts die Strafverfolgung gemäß § 154 Abs. 2 i.V.m. Abs. 1 Nr. 1 StPO in dem aus der Beschlussformel ersichtlichen Umfang. Das zieht die Änderung des Schuldspruchs nach sich.
2. Im Übrigen hat die Prüfung des angefochtenen Urteils auf die Sachrüge hin keine Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben.
Raum Graf Jäger
Radtke Fischer