Mandatory suspension of criminal trial for unchallenged factual change enabling heavier statutory qualification under § 265(3) StPO
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Federal Court of Justice (BGH) rejected the defendant’s appeal and ordered him to bear the costs of the appellate proceedings and the necessary expenses of the auxiliary plaintiffs, thereby upholding the lower court’s conviction. The dispute concerned whether the trial court violated procedural rights by adopting a heavier legal qualification (attempted manslaughter) during the main hearing that went beyond the originally approved indictment, specifically when new circumstances revealed that a shot was fired with intent to kill. The court held that under § 265(3) StPO, the defendant is entitled to a suspension of proceedings only if new facts permitting the application of a heavier statute emerge and the defendant explicitly disputes the factual correctness of those new circumstances. The appeal failed because the defendant’s denial of being at the scene or having fired the shots addressed the question of perpetration (culpa in persona), whereas the disputed fact regarding the direction of the shot concerned the objective course of the event, which the defendant did not sufficiently contest to trigger the mandatory suspension requirement. No violation of § 265(4) StPO was raised or established.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 349 Abs. 2 StPO, § 265 Abs. 3 StPO, § 265 Abs. 4 StPO; Mandatory suspension of criminal trial for unchallenged factual change enabling heavier statutory qualification under § 265(3) StPO: The dispute concerned whether the trial court violated procedural rights by adopting a heavier legal qualification (attempted manslaughter) during the main hearing that went beyond the originally approved indictment, specifically when new circumstances revealed that a shot was fired with intent to kill. The court held that under § 265(3) StPO, the defendant is entitled to a suspension of proceedings only if new facts permitting the application of a heavier statute emerge and the defendant explicitly disputes the factual correctness of those new circumstances. The appeal failed because the defendant’s denial of being at the scene or having fired the shots addressed the question of perpetration (culpa in persona), whereas the disputed fact regarding the direction of the shot concerned the objective course of the event, which the defendant did not sufficiently contest to trigger the mandatory suspension requirement. No violation of § 265(4) StPO was raised or established.
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KI-generiertBasis for dismissing the appeal as unfounded because the review found no legal error to the disadvantage of the accused.
Volltext
Hauptverhandlung in Strafsachen: Voraussetzungen eines Aussetzungsanspruchs des Angeklagten nach richterlichem Hinweis auf eine Veränderung des rechtlichen Gesichtspunktes
[TENOR]
Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Hannover vom 27. Januar 2015 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).
Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die den Nebenklägern im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.
Ergänzend zur Antragsschrift des Generalbundesanwalts bemerkt der Senat:
Die Verfahrensrüge der Verletzung von § 265 Abs. 3 StPO erweist sich auch dann jedenfalls als unbegründet, wenn in der Hauptverhandlung - entgegen der Ansicht des Landgerichts und des Generalbundesanwalts - neue Umstände hervorgetreten waren, welche die Anwendung eines schwereren Strafgesetzes gegen den Angeklagten zuließen als die in der gerichtlich zugelassenen Anklage angeführten. Derartige Umstände waren hier darin zu sehen, dass der Angeklagte - nach dem Hinweis des Landgerichts auf die Möglichkeit eines derartigen Ergebnisses der Beweisaufnahme und abweichend von der zugelassenen Anklage - mit Tötungsvorsatz einen Schuss auf den Oberkörper des Nebenklägers S. abgegeben und sich für diesen Fall tateinheitlich wegen versuchten Totschlags gemäß § 212 Abs. 1, §§ 22, 23 StGB auch zum Nachteil dieses Nebenklägers strafbar gemacht haben könnte, ein Geschehensablauf, wie ihn das Landgericht dann letztlich auch dem Schuldspruch zugrunde gelegt hat.
Dies allein genügt jedoch nicht, um den Aussetzungsanspruch nach § 265 Abs. 3 StPO zu begründen. Dieser setzt vielmehr zusätzlich voraus, dass der Beschwerdeführer die neu hervorgetretenen Umstände bestreitet, also die Richtigkeit dieser Tatsachen in Abrede stellt (vgl. BGH, Beschluss vom 24. Januar 2006 - 1 StR 561/05, wistra 2006, 191; LR/Stuckenberg, StPO, 26. Aufl., § 265 Rn. 93; SK-StPO/Velten, 4. Aufl., § 265 Rn. 66; Meyer- Goßner/Schmitt, StPO, 58. Aufl., § 265 Rn. 36, krit. hierzu Mitsch in NStZ 2004, 395 f.). Dies hat der Angeklagte nach dem Inhalt des Aussetzungsantrags und dem sonstigen Revisionsvortrag nicht getan. Dass der Angeklagte sich nach den Urteilsgründen in der Hauptverhandlung dahin eingelassen hat, er habe die Schüsse auf die beiden Nebenkläger nicht abgegeben und sich zur Tatzeit nicht am Tatort, sondern bei seinen Eltern aufgehalten, genügt zur Erfüllung dieser Voraussetzung nicht; denn dies betrifft ausschließlich die Frage der Täterschaft, während es sich bei der Richtung des abgegebenen Schusses um eine solche des objektiven Tatablaufs handelt, die unabhängig von der Person des Schützen zu beurteilen ist.
Ein Verstoß gegen § 265 Abs. 4 StPO hat der Beschwerdeführer nicht gerügt.
Becker Pfister Hubert
Mayer Gericke