Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
5 StR 110/15 KI-generiert

Admissibility of reading police reports from separate proceedings and private medical letters in criminal trials

Geschäftsnummer 5 StR 110/15
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The German Federal Court of Justice (5th Criminal Senate) dismissed the defendants' appeals as unfounded, upholding the Landgericht Bremen’s conviction and ordering each appellant to bear their own costs. The dispute concerned procedural errors in the first-instance trial, specifically the allegedly improper reading of a police report from a separate preliminary investigation under § 256(1) No. 5 StPO, the unauthorized reading of police records via a presiding judge’s order, and the admission of medical letters from a private hospital under § 256(1) No. 1a StPO. The Court held that reading the police report regarding the facts of the criminal complaint was permissible under § 256(1) No. 5 StPO, as the statute does not restrict such evidence to documents from the pending proceedings, and doubts regarding reliability must be investigated by the trial court under § 244(2) StPO. The appellate court further ruled that any errors in the reading of other documents did not affect the verdict because the sentencing was based on an expert opinion that correctly rejected the claim of drug addiction and personality degeneration for the relevant period, rendering the erroneous evidence immaterial under § 337(1) StPO; additionally, the sentencing court’s concise summary of witness testimony was sufficient given the corroboration by other evidence and the defendant’s confession, negating the need for a detailed "word-for-word" reproduction in a non-conflict case.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 2 StPO, § 256 Abs. 1 Nr. 5 StPO, § 244 Abs. 2 StPO, § 337 Abs. 1 StPO; Admissibility of reading police reports from separate proceedings and private medical letters in criminal trials: The dispute concerned procedural errors in the first-instance trial, specifically the allegedly improper reading of a police report from a separate preliminary investigation under § 256(1) No. 5 StPO, the unauthorized reading of police records via a presiding judge’s order, and the admission of medical letters from a private hospital under § 256(1) No. 1a StPO. The Court held that reading the police report regarding the facts of the criminal complaint was permissible under § 256(1) No. 5 StPO, as the statute does not restrict such evidence to documents from the pending proceedings, and doubts regarding reliability must be investigated by the trial court under § 244(2) StPO. The appellate court further ruled that any errors in the reading of other documents did not affect the verdict because the sentencing was based on an expert opinion that correctly rejected the claim of drug addiction and personality degeneration for the relevant period, rendering the erroneous evidence immaterial under § 337(1) StPO; additionally, the sentencing court’s concise summary of witness testimony was sufficient given the corroboration by other evidence and the defendant’s confession, negating the need for a detailed "word-for-word" reproduction in a non-conflict case.

Schlagwörter

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Beweiswert der Zeugenaussage Polizeirapport ärztlicher Bericht Aktengutachten Verfahren vor dem Untersuchungsrichter Strafzumessung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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3 StR 557/14
Impermissible reading of private medical reports without physician examination or consent in sexual abuse trial
3 StR 136/56
Juni 1956 - 3 StR 136/56, BGHSt 9, 292, 293 f.; Beschluss vom 17.
BGHSt 9, 292
Juni 1956 - 3 StR 136/56, BGHSt 9, 292, 293 f.; Beschluss vom 17.
5 StR 547/87
November 1987 - 5 StR 547/87, BGHR StPO § 59 Satz 1 Sachverständigenfrage 1; jeweils mwN).
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 349 Abs. 2 StPO

Serves as the procedural basis for dismissing the revisions as unfounded in the dispositive.

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Volltext

Strafverfahren: Verlesung eines Polizeiberichts aus einem anderen Ermittlungsverfahren

[TENOR]

Die Revisionen der Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Bremen vom 21. August 2014 werden nach § 349 Abs. 2 StPO als unbegründet verworfen.

Jeder Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.

Zur Revision der Angeklagten S. bemerkt der Senat ergänzend:

1. Der Senat teilt die Auffassung des Generalbundesanwalts, dass die auszugsweise Verlesung des polizeilichen „Tathergangsberichts" aus dem vormals gegen den Zeugen Br. geführten Ermittlungsverfahren nach § 256 Abs. 1 Nr. 5 StPO jedenfalls insoweit nicht zu beanstanden ist, als dort die Tatsache und die Umstände der durch die Angeklagte erstatteten Strafanzeige betroffen sind. Weder dem Wortlaut der Vorschrift noch dem mit ihr verfolgten Anliegen der Verfahrensvereinfachung und -beschleunigung (vgl. dazu BT-Drucks. 15/1508 S. 26 f.; KK/Diemer, StPO, 7. Aufl., § 256 Rn. 9a) lässt sich eine Einschränkung auf Urkunden aus dem gerade anhängigen Verfahren entnehmen (aM SK-StPO/Velten, 4. Aufl., § 256 Rn. 33). Bestehen Zweifel an der Zuverlässigkeit der Urkunde, hat das Gericht ihnen im Rahmen seiner Aufklärungspflicht (§ 244 Abs. 2 StPO) nachzugehen. Dass solche Zweifel hier bestanden haben könnten, wird von der Revision nicht vorgetragen und ist auch sonst nicht ersichtlich.

Die Strafkammer hat die bezeichnete Urkunde insoweit verwertet, als das Datum der Anzeigeerstattung und die Größe des vorgefundenen Duschkopfs betroffen waren. Hingegen vermag der Senat nicht zu erkennen, dass das Urteil auch auf den Inhalt einer rechtsfehlerhaft lediglich aufgrund einer Vorsitzendenverfügung verlesenen Niederschrift über die Beschuldigtenvernehmung des hiesigen Zeugen Br. gestützt ist (UA S. 46/47). Das wird von der Revision auch nicht behauptet (RB S. 11). Unter diesen Vorzeichen kann ein Beruhen des Urteils (§ 337 Abs. 1 StPO) auf dem Mangel ausgeschlossen werden.

2. Dass die Strafkammer die von einem privatrechtlich organisierten Krankenhaus herrührenden Arztbriefe rechtsfehlerhaft nach § 256 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a StPO verlesen hat (vgl. zuletzt BGH, Beschluss vom 3. Februar 2015 - 3 StR 557/14 Rn. 6 f.), gefährdet den Bestand des Urteils nicht. Der Senat kann dabei dahingestellt lassen, ob die darin enthaltenen Befunde - wie hier ausschließlich geschehen (UA S. 79 f.) - auf der Grundlage des Sachverständigengutachtens hätten verwertet werden dürfen (vgl. BGH, Urteil vom 7. Juni 1956 - 3 StR 136/56, BGHSt 9, 292, 293 f.; Beschluss vom 17. November 1987 - 5 StR 547/87, BGHR StPO § 59 Satz 1 Sachverständigenfrage 1; jeweils mwN). Denn das Urteil würde auf dem geltend gemachten Verfahrensfehler nicht beruhen (§ 337 Abs. 1 StPO). Die sachverständig beratene Strafkammer hat nämlich eine - in der Sache ohnehin überaus fernliegende - Drogenabhängigkeit der Angeklagten S. mit Persönlichkeitsdepravation für die allein maßgebende Tatzeit (2010) in nicht zu beanstandender Weise verneint (UA S. 78 f.). Ohne Berücksichtigung der Arztbriefe, die den vier Jahre später gegebenen Zustand der Angeklagten betrafen (2014), wäre sie zu keinem anderen Ergebnis gelangt.

3. Das Urteil legt unter detaillierter Wiedergabe vor der Polizei gemachter An- gaben des Zeugen Br. dar, dass dieser das Geschehen „durchgängig seit dem 18.12.2010 bis heute (fast 4 Jahre später) in den wesentlichen Punkten konstant beschrieben" hat (UA S. 61). Entgegen der Meinung der Revision ist es nicht Aufgabe der Urteilsgründe, den „Verlauf und den Ertrag" sämtlicher Befragungen des Zeugen umfassend darzulegen. Angesichts einer Vielzahl von gegen die Angeklagten sprechenden, außerhalb der Aussage des Zeugen liegenden Beweismitteln, nicht zuletzt ferner eines Geständnisses der Angeklagten S. gegenüber der Sachverständigen, war eine Aussage-gegen-Aussage-Konstellation mit den dafür geltenden erhöhten Darstellungspflichten nicht gegeben.

Sander Dölp König

Bellay Feilcke