Use of a pillow as a dangerous instrument under § 177 Abs. 4 Nr. 1 StGB and cumulation with grievous bodily harm
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Federal Court of Justice (BGH) 1st Criminal Senate dismissed the defendant's appeal, upholding the lower court's conviction for particularly serious rape and the associated costs. The dispute centered on whether pressing an 80 x 80 cm pillow over an 86-year-old victim's face for over a minute, causing severe respiratory distress and facial hemorrhages, constituted the use of a "dangerous instrument" under German criminal law. The court ruled that the conviction was correct because a "dangerous instrument" under § 177 Abs. 4 Nr. 1 StGB includes any movable object that becomes objectively dangerous through its specific, purpose-diverting use, even if not inherently hazardous. The BGH further affirmed that this act constitutes a cumulative offense (Tateinheit) with grievous bodily harm involving a life-endangering treatment (§ 224 Abs. 1 Nr. 5 StGB), as the unlawful nature of the latter is not subsumed by the former.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 349 Abs. 2 StPO, § 177 Abs. 4 Nr. 1 StGB, § 224 Abs. 1 Nr. 5 StGB, § 250 Abs. 2 Nr. 3 StGB; Use of a pillow as a dangerous instrument under § 177 Abs. 4 Nr. 1 StGB and cumulation with grievous bodily harm: The dispute centered on whether pressing an 80 x 80 cm pillow over an 86-year-old victim's face for over a minute, causing severe respiratory distress and facial hemorrhages, constituted the use of a "dangerous instrument" under German criminal law. The court ruled that the conviction was correct because a "dangerous instrument" under § 177 Abs. 4 Nr. 1 StGB includes any movable object that becomes objectively dangerous through its specific, purpose-diverting use, even if not inherently hazardous. The BGH further affirmed that this act constitutes a cumulative offense (Tateinheit) with grievous bodily harm involving a life-endangering treatment (§ 224 Abs. 1 Nr. 5 StGB), as the unlawful nature of the latter is not subsumed by the former.
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KI-generiertCited in the dispositive as the procedural basis for dismissing the revision as unfounded because the review found no legal error to the disadvantage of the defendant.
Volltext
Besonders schwere Vergewaltigung: Begriff des gefährlichen Werkzeugs
[TENOR]
Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth vom 27. Mai 2014 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).
Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die der Nebenklägerin im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.
Ergänzend bemerkt der Senat:
Der Schuldspruch der besonders schweren Vergewaltigung gemäß § 177 Abs. 4 Nr. 1 StGB ist rechtsfehlerfrei. Indem der Angeklagte der 86 Jahre alten Geschädigten ein 80 x 80 cm großes Kopfkissen über mindestens eine Minute lang derart auf das Gesicht drückte, dass diese unter starker, quälender Atemnot und Todesangst litt, kurz vor der Bewusstlosigkeit stand und infolge der Atemnot Einblutungen im gesamten Gesichtsbereich (u.a. den Lidinnen- und Bindehäuten und im Augenweiß) eintraten, hat er ein gefährliches Werkzeug im Sinne von § 177 Abs. 4 Nr. 1 StGB verwendet.
Ein gefährliches Werkzeug in diesem Sinne wird nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs nicht nur dann benutzt, wenn der Täter ein generell gefährliches Tatmittel einsetzt, sondern auch, wenn sich die objektive Gefährlichkeit des eingesetzten Gegenstandes erst aus der konkreten Art seiner Verwendung ergibt, die geeignet ist, erhebliche Verletzungen herbeizuführen. Werkzeug ist dabei jeder bewegliche Gegenstand, mit dem gleich auf welche Weise auf den Körper des Opfers eingewirkt werden kann. Die Gefährlichkeit des Tatmittels kann sich gerade daraus ergeben, dass ein Gegenstand bestimmungswidrig gebraucht wird. Damit ist gefährliches Werkzeug im Sinne von § 177 Abs. 4 Nr. 1 StGB ein beliebiger Gegenstand immer schon dann, wenn er - wie hier - seine objektive Gefährlichkeit durch die konkrete Art und Weise seiner (zweckwidrigen) Verwendung erhält (st. Rspr.; vgl. ausführlich dazu BGH, Urteil vom 27. Januar 2011 - 4 StR 487/10, NStZ-RR 2011, 275, 276 mwN).
Zu Recht ist das Landgericht zudem im vorliegenden Fall von Tateinheit zwischen einer besonders schweren Vergewaltigung nach § 177 Abs. 4 Nr. 1, Nr. 2a StGB und einer gefährlichen Körperverletzung mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung nach § 224 Abs. 1 Nr. 5 StGB ausgegangen (vgl. Hörnle, in: LK-StGB, 12. Aufl. 2009, § 177 Rn. 323). Der Unrechtsgehalt des potentiellen Gefährdungsdelikts in § 224 Abs. 1 Nr. 5 StGB geht nicht in dem Unrechtsgehalt von § 177 Abs. 4 Nr. 1, Nr. 2a StGB auf, so dass die Klarstellungsfunktion der Idealkonkurrenz (vgl. Sternberg-Lieben/Bosch, in: Schönke/Schröder, StGB, 29. Aufl. 2014, § 52 Rn. 2) für die Annahme von Tateinheit spricht (vgl. auch zum Verhältnis von § 224 Abs. 1 Nr. 5 StGB zu § 250 Abs. 2 Nr. 3 StGB; BGH, Beschluss vom 9. Juli 2004 - 2 StR 170/04, StraFo 2004, 396, und vom 12. August 2005 - 2 StR 317/05, NStZ 2006, 449).
Rothfuß Graf Radtke
Mosbacher Fischer