Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
V ZB 189/13 KI-generiert

Pre-deportation detention in standard prison facility violates EU Directive on separate accommodation for third-country nationals

Geschäftsnummer V ZB 189/13
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)
Kostenauflage zulasten Vorinstanz / Staat

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice (BGH) reversed the lower court's dismissal of a complaint, ruling in favor of the respondent and finding that the initial detention order violated his rights. The case concerned a challenge to a judicial order for pre-deportation detention (Abschiebungshaft) imposed on a third-country national, who argued that his confinement was unlawful despite being held in a separate building within the grounds of a state prison. The court held that under Article 16(1) of Directive 2008/115/EC, the placement of pre-deportation detainees in a standard prison facility is prohibited unless no specialized detention facility is available, a condition not met as specialized facilities existed in other German federal states. Consequently, the BGH determined that the lower courts were obligated to ensure detention in a specialized facility outside the specific regional jurisdiction and that the domestic implementation of the directive did not permit such standard prison accommodation, leading to the conclusion that the detention order was invalid.

Legislator-Regeste

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§ 62a Abs. 1 Satz 2 AufenthG, § 430 FamFG, Art. 5 Abs. 5 EMRK, § 36 Abs. 2 und 3 GNotKG; Pre-deportation detention in standard prison facility violates EU Directive on separate accommodation for third-country nationals: The case concerned a challenge to a judicial order for pre-deportation detention (Abschiebungshaft) imposed on a third-country national, who argued that his confinement was unlawful despite being held in a separate building within the grounds of a state prison. The court held that under Article 16(1) of Directive 2008/115/EC, the placement of pre-deportation detainees in a standard prison facility is prohibited unless no specialized detention facility is available, a condition not met as specialized facilities existed in other German federal states. Consequently, the BGH determined that the lower courts were obligated to ensure detention in a specialized facility outside the specific regional jurisdiction and that the domestic implementation of the directive did not permit such standard prison accommodation, leading to the conclusion that the detention order was invalid.

Schlagwörter

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Haftbedingungen Wegweisung im Asylverfahren Richtlinie Zuständigkeitsgründe Drittes Land Widerhandlung gegen das Ausländergesetz

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 81 Abs. 1 Satz 1 und 2, § 83 Abs. 2, § 430 FamFG, Art. 5 Abs. 5 EMRK analog

Cited in the dispositive to determine the allocation of court costs and legal expenses, specifically ordering that no court fees be charged and that the respondent's necessary legal costs be imposed on the opposing authority.

§ 36 Abs. 2 und 3 GNotKG

Cited in the dispositive to determine the value in dispute (Gegenstandswert) for the legal remedies proceedings.

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Volltext

Abschiebungshaftanordnung: Verstoß gegen die EG-Richtlinie über die Rückführung illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger bei Unterbringung des Betroffenen auf dem Gelände einer Justizvollzugsanstalt

[TENOR]

Auf die Rechtsbeschwerde des Betroffenen wird der Beschluss der 8. Zivilkammer des Landgerichts Hannover vom 14. November 2013 aufgehoben.

Es wird festgestellt, dass der Beschluss des Amtsgerichts Hannover vom 7. Dezember 2012 den Betroffenen in seinen Rechten verletzt hat.

Gerichtskosten werden in allen Instanzen nicht erhoben. Die zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung notwendigen Auslagen des Betroffenen in allen Instanzen werden dem Landkreis Peine auferlegt.

Der Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens beträgt 5.000 €.

[GRUENDE]

I. Auf Antrag der beteiligten Behörde hat das Amtsgericht mit Beschluss vom 7. Dezember 2012 gegen den Betroffenen, einen kosovarischen Staatsangehörigen, Haft zur Sicherung seiner Abschiebung bis einschließlich 20. Dezember 2012 angeordnet. Die Haft wurde in einem separaten Gebäude, in dem nur Abschiebungshaftgefangene untergebracht sind, auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt Hannover, Abteilung Langenhagen, vollzogen. Am 15. Dezember 2012 wurde der Betroffene in den Kosovo abgeschoben. Seine auf Feststellung der Rechtswidrigkeit der Haft gerichtete Beschwerde hat das Landgericht zurückgewiesen. Hiergegen wendet sich der Betroffene mit der Rechtsbeschwerde.

II. Das Beschwerdegericht hält die Inhaftierung für rechtmäßig. Insbesondere sei der Betroffene in einer speziellen Hafteinrichtung für Abschiebungsgefangene untergebracht gewesen.

III. Die zulässige Rechtsbeschwerde ist begründet. Der Beschluss des Amtsgerichts hat den Betroffenen in seinen Rechten verletzt.

1. Nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union ist die Unterbringung von Abschiebungshäftlingen in einer Justizvollzugsanstalt nach Art. 16 Abs. 1 der Richtlinie 2008/115/EG in Deutschland unzulässig. Die in Art. 16 Abs. 1 Satz 2 der Richtlinie enthaltene Ausnahme ist nicht einschlägig, weil in mehreren deutschen Bundesländern spezielle Einrichtungen vorhanden sind (vgl. EuGH, Urteil vom 17. Juli 2014 - C-473/13 und C-514/13). § 62a Abs. 1 Satz 2 AufenthG ist in diesem Sinne richtlinienkonform auszulegen (vgl. Senat, Beschluss vom 25. Juli 2014 - V ZB 137/14, juris Rn. 8). Im Hinblick auf das Gebot einer möglichst wirksamen Anwendung des Rechts der Union (effet utile) muss der Haftrichter die Anordnung von Sicherungshaft ablehnen, wenn absehbar ist, dass der Betroffene rechtswidrig untergebracht werden wird (Senat, Vorlagebeschluss vom 11. Juli 2013 - V ZB 40/11, NVwZ 2014, 166 Rn. 20; Beschluss vom 25. Juli 2014 - V ZB 137/14, juris Rn. 5).

2. So lag es hier. Da sich der Betroffene aufgrund der vorher ergangenen einstweiligen Anordnung in der Justizvollzugsanstalt Hannover, Abteilung Langenhagen, befand, war im Zeitpunkt der Haftanordnung absehbar, dass er dort weiterhin untergebracht werden würde. Die Justizvollzugsanstalt Hannover, Abteilung Langenhagen, in der bis zum 31. Dezember 2013 auch Strafgefangene die Strafhaft verbüßten (vgl. Niedersächsischer Landtag, Drucksache 17/1535, S. 53), war keine spezielle Hafteinrichtung im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Satz 1 der Richtlinie 2008/115/EG. Der Umstand, dass die Abschiebungshäftlinge in einem separaten Gebäude auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt untergebracht waren, ändert nichts daran, dass es sich um eine Unterbringung in einer gewöhnlichen Haftanstalt handelte (Senat, Beschluss vom 25. Juli 2014 - V ZB 137/14, Rn. 9, juris). Aus diesem Grund hätten die Vorinstanzen sicherstellen müssen, dass der Vollzug der Haft in einer speziellen Hafteinrichtung außerhalb des Landes Niedersachsen gewährleistet war (vgl. Senat, Vorlagebeschluss vom 11. Juli 2013 - V ZB 40/11, NVwZ 2014, 166 Rn. 11, 20).

Die Kostenentscheidung beruht auf § 81 Abs. 1 Satz 1 und 2, § 83 Abs. 2, § 430 FamFG, Art. 5 Abs. 5 EMRK analog. Die Festsetzung des Beschwerdewerts folgt aus § 36 Abs. 2 und 3 GNotKG.

Stresemann Schmidt-Räntsch Roth

Brückner Weinland