Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
2 StR 150/13 KI-generiert

Unauthorized change from joint to sole perpetration in extortion conviction and classification of illegal drug loss as financial damage

Geschäftsnummer 2 StR 150/13
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Teilweise gutgeheissen (Partially Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice (BGH) allowed the defendant's appeal, vacating his convictions for six counts of extortion and the corresponding total sentence order, while rejecting the remainder of the appeal and upholding his conviction for one count of robbery; the case was remanded to a different panel of the Landgericht Darmstadt for retrial. The dispute centered on a criminal procedure where the defendant was charged with being a co-perpetrator of ten extortion acts but was convicted as a sole perpetrator for six of them without prior warning, alongside substantive challenges regarding the definition of financial loss in cases involving illegal drugs. The decisive legal errors involved a violation of § 265 Abs. 1 StPO due to the unannounced change in the mode of perpetration (from joint to sole), which required reversal, and the lower court’s failure to sufficiently establish the means of coercion, causality, and whether the loss of illegal narcotics constitutes a recognized financial damage under § 253 StGB, which necessitated further factual examination on remand.

Legislator-Regeste

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§ 265 Abs. 1 StPO, § 25 Abs. 2 StGB; Unauthorized change from joint to sole perpetration in extortion conviction and classification of illegal drug loss as financial damage: The dispute centered on a criminal procedure where the defendant was charged with being a co-perpetrator of ten extortion acts but was convicted as a sole perpetrator for six of them without prior warning, alongside substantive challenges regarding the definition of financial loss in cases involving illegal drugs. The decisive legal errors involved a violation of § 265 Abs. 1 StPO due to the unannounced change in the mode of perpetration (from joint to sole), which required reversal, and the lower court’s failure to sufficiently establish the means of coercion, causality, and whether the loss of illegal narcotics constitutes a recognized financial damage under § 253 StGB, which necessitated further factual examination on remand.

Schlagwörter

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Betäubungsmittelvergehen Sachbeschädigung Erpressung Raub Mittäterschaft Einziehung von Taterträgen

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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1 StR 157/90
Mai 1990 – 1 StR 157/90, NStZ 1990, 449; Urteil vom 24.
1 StR 474/95
Oktober 1995 – 1 StR 474/95, StV 1997, 64; Beschluss vom 17.
2 StR 438/00
Januar 2001 – 2 StR 438/00, StV 2002, 236; Beschluss vom 14.
4 StR 260/08
Oktober 2008 – 4 StR 260/08, NStZ 2009, 105; Beschluss vom 22.
4 StR 651/11
Arson prosecution: violation of the duty to warn when changing the form of participation from joint perpetration to sole perpetration under § 265 Abs. 1 StPO.
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 265 Abs. 1 StPO

Cited as the legal basis for the procedural error (failure to inform the defendant of a change from co-perpetration to sole perpetration) that justified the vacatur of the convictions and the remand of the case.

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Volltext

Strafverfahren wegen Erpressung: Rechtsfehlerhafte Verurteilung wegen Alleintäterschaft nach Anklage von Mittäterschaft; Vermögensschaden bei Erwirkung der Überlassung von Betäubungsmitteln

[TENOR]

1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Darmstadt vom 6. Dezember 2012 mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben

a) soweit der Angeklagte wegen Erpressung in sechs Fällen verurteilt worden ist (Fälle II. 2.-7. der Urteilsgründe);

b) im Ausspruch über die Gesamtstrafe.

2. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

3. Die weitergehende Revision wird verworfen.

[GRUENDE]

1. Die Verfahrensrüge eines Verstoßes gegen § 265 Abs. 1 StPO ist begründet. Dem Angeklagten war in der unverändert zugelassenen Anklage vom 2. November 2011 vorgeworfen worden, er habe sich der Erpressung in 10 Fällen jeweils in mittäterschaftlicher Begehung (§ 25 Abs. 2 StGB) schuldig gemacht. Verurteilt worden ist der Angeklagte wegen Erpressung in sechs Fällen als Alleintäter, ohne dass er auf diese Änderung zuvor hingewiesen wurde. Das war rechtsfehlerhaft (vgl. BGH, Beschluss vom 17. Mai 1990 – 1 StR 157/90, NStZ 1990, 449; Urteil vom 24. Oktober 1995 – 1 StR 474/95, StV 1997, 64; Beschluss vom 17. Januar 2001 – 2 StR 438/00, StV 2002, 236; Beschluss vom 14. Oktober 2008 – 4 StR 260/08, NStZ 2009, 105; Beschluss vom 22. März 2012 – 4 StR 651/11, StV 2012, 710); das Beruhen der Verurteilung in diesen sechs Fällen auf dem Rechtsfehler lässt sich nicht ausschließen. Dies führt zur Aufhebung in diesen Fällen und im Ausspruch über die Gesamtstrafe.

2. Die Verfahrensvoraussetzung einer wirksamen Anklage ist entgegen dem Revisionsvorbringen gegeben. Die Verurteilung wegen Raubs in Fall II. 1. der Urteilsgründe ist rechtsfehlerfrei und kann bestehen bleiben.

3. Für die neue Verhandlung weist der Senat darauf hin, dass die bisherigen Feststellungen zu den Taten II. 2.-7. die Verurteilung wegen Erpressung nicht tragen. Es fehlt durchweg bereits an hinreichend genauen Feststellungen der Nötigungsmittel. Soweit das Landgericht Drohungen angenommen hat, bleibt deren genauer Inhalt unklar; auch die Kausalität der Drohung für die jeweilige Übergabe gewünschter Mengen von Marihuana ist nicht hinreichend dargetan.

Selbst wenn eine Nötigung festgestellt würde, wäre im Übrigen das Merkmal des Vermögensschadens genauer zu prüfen. Dass der Verlust des illegalen Besitzes an Betäubungsmitteln ein vom Recht anerkannter Vermögensschaden ist, ist jedenfalls nicht unbestritten (vgl. etwa Hillenkamp in Festschrift für Achenbach, 2011, S. 1989 ff.; Fischer, StGB 60. Aufl. § 253 Rn. 13a mwN).

Schließlich hat der Generalbundesanwalt zu Recht darauf hingewiesen, dass das Urteil die Anklageschrift vom 2. November 2011 nicht erschöpft. Von den zehn angeklagten Erpressungstaten sind drei Fälle eingestellt (Ziffer 1., 9. und 10.) und sechs abgeurteilt worden; ein Fall ist daher beim Landgericht anhängig geblieben.

Fischer Schmitt Eschelbach

Ott Zeng