Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
2 StR 534/12 KI-generiert

Admissibility of recusal motion combined with denial of hearing complaint in revision proceedings; limits of § 356a StPO

Geschäftsnummer 2 StR 534/12
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Nichteintreten / Unzulässig (Inadmissible)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice dismissed the convicted defendant's motion for recusal as inadmissible and rejected his complaint of denial of hearing against the Senate's order dismissing his appeal as unfounded. The defendant had challenged a second-instance criminal judgment by arguing that the appellate judges were biased because they allegedly failed to personally review the case files, relying instead solely on the rapporteur's briefing. The court held that the recusal motion was untimely under § 26a(1)(1) StPO, as it was filed after the appellate decision had been rendered, and explicitly ruled that a complaint under § 356a StPO cannot be used to cure the inadmissibility of a late recusal motion. Furthermore, the court found no violation of the right to be heard (Art. 103(1) Basic Law) or the right to a legally designated judge (Art. 101(1) Basic Law), establishing that neither procedural nor constitutional law mandates specific methods for how collegiate judges acquire knowledge of the case facts, leaving it to the court's discretion to rely on the rapporteur's report or individual file review based on judicial independence and personal responsibility.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 2 StPO, § 26a Abs. 1 Nr. 1 StPO, § 25 Abs. 2 Satz 2 StPO, § 356a StPO, Art. 103 Abs. 1 GG, § 24 Abs. 3 Satz 2 StPO; Admissibility of recusal motion combined with denial of hearing complaint in revision proceedings; limits of § 356a StPO: The defendant had challenged a second-instance criminal judgment by arguing that the appellate judges were biased because they allegedly failed to personally review the case files, relying instead solely on the rapporteur's briefing. The court held that the recusal motion was untimely under § 26a(1)(1) StPO, as it was filed after the appellate decision had been rendered, and explicitly ruled that a complaint under § 356a StPO cannot be used to cure the inadmissibility of a late recusal motion. Furthermore, the court found no violation of the right to be heard (Art. 103(1) Basic Law) or the right to a legally designated judge (Art. 101(1) Basic Law), establishing that neither procedural nor constitutional law mandates specific methods for how collegiate judges acquire knowledge of the case facts, leaving it to the court's discretion to rely on the rapporteur's report or individual file review based on judicial independence and personal responsibility.

Schlagwörter

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Ausstandsbegehren Revision eines Entscheids Kognitionsbeschränkung Anspruch auf rechtliches Gehör Verletzung von Verfahrensrechten Strafanzeige

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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3 StR 425/06
Februar 2007 - 3 StR 425/06, NStZ 2007, 416, vom 7.
4 StR 142/07
August 2007 - 4 StR 142/07, NStZ 2008, 55, vom 24.
4 StR 469/11
Recusal motions against Federal Court of Justice judges in a § 349 Abs. 2 StPO dismissal proceeding: timeliness under § 26a StPO and rejection of hearing objection
5 StR 356/09
November 2009 - 5 StR 356/09, vom 4.
1 StR 287/09
August 2009 - 1 StR 287/09, NStZ-RR 2009, 353, vom 2.
1 StR 152/11
Cure of specialty principle procedural bar by defendant's voluntary retention in extraditing state after release
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 26a Abs. 1 Nr. 1 StPO

This provision served as the procedural basis for rejecting the recusal motion as inadmissible due to untimeliness in the first operative order.

§ 356a StPO

This provision was applied as the procedural basis for dismissing the complaint of denial of hearing in the second operative order.

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Volltext

Strafverfahren: Ablehnungsantrag gegen Revisionsrichter; Verbindung mit Gehörsrüge; Kenntnisnahme des Sach- und Streitstandes der Mitglieder eines Spruchkörpers durch den Berichterstatter oder eigenes Aktenstudium

[TENOR]

1. Das Ablehnungsgesuch des Verurteilten gegen die Richter Prof. Dr. F., Prof. Dr. Sch., Dr. B., Prof. Dr. K. und Dr. E. wird als unzulässig verworfen.

2. Die Anhörungsrüge des Verurteilten vom 1. März 2013 gegen den Senatsbeschluss vom 12. Februar 2013 wird auf seine Kosten zurückgewiesen.

[GRUENDE]

1. Der Senat hat mit Beschluss vom 12. Februar 2013 die von dem Verurteilten eingelegte Revision gegen das Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main vom 22. Juni 2012 gemäß § 349 Abs. 2 StPO verworfen. Hiergegen richtet sich die Anhörungsrüge des Verurteilten vom 1. März 2013, die er mit einer Ablehnung derjenigen Richter wegen Besorgnis der Befangenheit verbindet, die bereits am Revisionsverwerfungsbeschluss mitgewirkt hatten.

2. Das Ablehnungsgesuch des Verurteilten ist verspätet und daher unzulässig (§ 26a Abs. 1 Nr. 1 StPO). Entscheidet das Gericht über die Revision außerhalb der Hauptverhandlung im Beschlusswege, so kann ein Ablehnungsgesuch in entsprechender Anwendung des § 25 Abs. 2 Satz 2 StPO nur solange statthaft vorgebracht werden, bis die Entscheidung ergangen ist. Etwas anderes gilt nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs auch dann nicht, wenn die Ablehnung mit einer Anhörungsrüge nach § 356a StPO verbunden wird, die sich - wie hier - mangels Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör gemäß Art. 103 Abs. 1 GG als unbegründet erweist (vgl. BGH, Beschlüsse vom 13. Februar 2007 - 3 StR 425/06, NStZ 2007, 416, vom 7. August 2007 - 4 StR 142/07, NStZ 2008, 55, vom 24. Januar 2012 - 4 StR 469/11, vom 7. November 2009 - 5 StR 356/09, vom 4. August 2009 - 1 StR 287/09, NStZ-RR 2009, 353, vom 2. Mai 2012 - 1 StR 152/11, NStZ-RR 2012, 314, vom 31. Januar 2013 - 1 StR 595/12; Meyer-Goßner, StPO 55. Aufl., § 25 Rn. 11). Denn die Regelung des § 356a StPO soll dem Revisionsgericht die Möglichkeit geben, einem Verstoß gegen den Anspruch auf rechtliches Gehör durch erneute Sachprüfung selbst abzuhelfen; der Rechtsbehelf dient indes nicht dazu, einem unzulässigen Ablehnungsgesuch durch die unzutreffende Behauptung der Verletzung rechtlichen Gehörs doch noch Geltung zu verschaffen (BGH, Beschlüsse vom 22. November 2006 - 1 StR 180/06, BGHR StPO § 25 Abs. 2 Nach dem letzten Wort 1; vom 13. Februar 2007 - 3 StR 425/06, aaO).

Dem Antrag des Verurteilten, ihm die zur Entscheidung über sein Ablehnungsgesuch berufenen Gerichtspersonen namhaft zu machen, war nicht nachzukommen. § 24 Abs. 3 Satz 2 StPO findet keine Anwendung, wenn das Ablehnungsgesuch ohne Ausscheiden der abgelehnten Richter (§ 26a Abs. 2 Satz 1 StPO) als unzulässig zu verwerfen ist (BGH, Beschluss vom 13. Februar 2007 - 3 StR 425/06, aaO; BGH, Beschluss vom 24. Oktober 2005 - 5 StR 269/05, BGHR StPO § 24 Abs. 3 Satz 2 Besetzungsmitteilung 1).

3. Die Anhörungsrüge ist jedenfalls unbegründet, da keine Verletzung rechtlichen Gehörs vorliegt. Der Senat hat bei seiner Entscheidung keinen Verfahrensstoff verwertet, zu dem der Verurteilte nicht gehört worden wäre, noch hat er bei der Entscheidung zu berücksichtigendes Vorbringen des Verurteilten übergangen.

Auch die Mutmaßungen des Verurteilten über die Unterrichtung der Richter der Spruchgruppe über den Sach- und Streitstand mit der Behauptung, es hätten nicht sämtliche Richter die Akten gelesen, zeigen eine Verletzung rechtlichen Gehörs nicht auf. Zu der Frage, wie die einzelnen Mitglieder eines Spruchkörpers die erforderliche Kenntnis des Streitstoffs erlangen, enthalten weder das Verfahrens- noch das Verfassungsrecht nähere Vorgaben. Die Entscheidung, ob der Spruchkörper sich mit Blick auf die Arbeitsteilung im Kollegium darauf beschränkt, durch den Berichterstatter über den maßgeblichen Sach- und Streitstand informiert zu werden, oder die Vollständigkeit und Richtigkeit des Vortrags dadurch sichert und verstärkt, dass ein weiteres, mehrere oder alle Mitglieder des Spruchkörpers sich den Streitstoff aus den Akten selbst erarbeiten, ist ihm überlassen. Dabei ist es jedem Richter in Ausübung seiner Unabhängigkeit und persönlichen Verantwortung jederzeit unbenommen, sich selbst unmittelbar aus den Akten kundig zu machen, wenn er dies für seine Überzeugungsbildung für erforderlich hält und nicht allein auf den Vortrag des Berichterstatters zurückgreifen möchte (vgl. BVerfG, Beschluss vom 23. Mai 2012 - 2 BvR 610/12 u. 2 BvR 625/12, NJW 2012, 2334, 2336 Tz. 25; siehe auch schon BVerfG, Beschluss vom 24. März 1987 - 2 BvR 677/86, NJW 1987, 2219, 2220; BGH, Beschluss vom 15. Februar 1994 - 5 StR 15/92, NStZ 1994, 353f.).

Eine Verletzung des verfassungsrechtlich gewährleisteten Rechts auf den gesetzlichen Richter kann mit der Anhörungsrüge nach § 356a StPO nicht geltend gemacht werden (vgl. Senat, Beschluss vom 13. Dezember 2012 - 2 StR 585/11 mwN; noch offen gelassen von BGH, Beschluss vom 24. März 2011 - 4 StR 637/10). Allerdings lag die vom Verurteilten behauptete Verletzung von Art. 101 Abs.1 Satz 2 GG ohnehin nicht vor: Der Senatsvorsitzende war bei der Beratung und Beschlussfassung urlaubsbedingt verhindert und ist von dem ohnehin der betreffenden Spruchgruppe angehörenden Stellvertretenden Vorsitzenden unter Hinzuziehung des nach der internen Geschäftsverteilung zur weiteren Vertretung berufenen Senatsmitglieds vertreten worden.

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