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VIII ZB 49/12 KI-generiert

Inactivity complaint inadmissible after statutory shift to compensation model under § 198 GVG

Geschäftsnummer VIII ZB 49/12
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Nichteintreten / Unzulässig (Inadmissible)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The Bundesgerichtshof dismissed the plaintiff's inactivity complaint as inadmissible, ruling that no further relief was available against the lower court's failure to act. The dispute arose when the plaintiff filed multiple procedural motions, recusals, and delay complaints following an appeal judgment, which were decided by the appellate court, but the plaintiff subsequently lodged a complaint directly with the Supreme Court alleging judicial inaction. The court held that the statutory inactivity complaint is no longer permissible since the entry into force of the 2011 Law on Legal Protection in Overlong Court and Criminal Investigation Proceedings, which implements the compensation model of § 198 GVG to satisfy the requirements of Article 6 and Article 13 of the European Convention on Human Rights. Because the legislature intentionally chose a compensatory remedy over a preventive one and explicitly foreprovided no appellate remedy for non-abatement of delay complaints, the extraordinary appeal against the court's inaction was denied, leaving the plaintiff with the costs of the dismissed complaint.

Legislator-Regeste

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§ 321a ZPO, Art. 13 EMRK, Art. 6 Abs. 1 EMRK, § 198 Abs. 1 GVG, § 198 Abs. 3 GVG; Inactivity complaint inadmissible after statutory shift to compensation model under § 198 GVG: The dispute arose when the plaintiff filed multiple procedural motions, recusals, and delay complaints following an appeal judgment, which were decided by the appellate court, but the plaintiff subsequently lodged a complaint directly with the Supreme Court alleging judicial inaction. The court held that the statutory inactivity complaint is no longer permissible since the entry into force of the 2011 Law on Legal Protection in Overlong Court and Criminal Investigation Proceedings, which implements the compensation model of § 198 GVG to satisfy the requirements of Article 6 and Article 13 of the European Convention on Human Rights. Because the legislature intentionally chose a compensatory remedy over a preventive one and explicitly foreprovided no appellate remedy for non-abatement of delay complaints, the extraordinary appeal against the court's inaction was denied, leaving the plaintiff with the costs of the dismissed complaint.

Schlagwörter

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prozessuale Untätigkeit gesetzlicher Anspruch Strafanzeige Gesetzlicher Schutz Ausstandsbegehren Prozessrecht

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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§ 321a ZPO
April 2012 beim Berufungsgericht Anträge auf Tatbestandsberichtigung und Urteilsergänzung gestellt, mehrere Ablehnungsgesuche wegen Befangenheit der Richter eingereicht und die Rüge nach § 321a ZPO erhoben.
Art. 13 EMRK
Durch die gesetzliche Neufassung sollten die Anforderungen des Art. 13 EMRK erfüllt werden, der verlangt, dass einem Betroffenen ein Rechtsbehelf bei einer innerstaatlichen Instanz zusteht, mit dem er rügen kann, die aus Art.
Art. 6 Abs. 1 EMRK
13 EMRK erfüllt werden, der verlangt, dass einem Betroffenen ein Rechtsbehelf bei einer innerstaatlichen Instanz zusteht, mit dem er rügen kann, die aus Art. 6 Abs. 1 EMRK folgende Verpflichtung, über eine Streitigkeit innerhalb angemessener Frist zu entscheiden, sei verletzt (vgl.
§ 198 Abs. 1 GVG
Identified as the decisive legal provision rendering the inactivity complaint inadmissible by establishing the exclusive compensatory remedy for excessive procedural duration.
§ 198 Abs. 3 GVG
Cited as the prerequisite procedural step requiring a delay complaint to the original court before compensation claims can be assessed.
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 198 Abs. 1 GVG

Identified as the decisive legal provision rendering the inactivity complaint inadmissible by establishing the exclusive compensatory remedy for excessive procedural duration.

§ 198 Abs. 3 GVG

Cited as the prerequisite procedural step requiring a delay complaint to the original court before compensation claims can be assessed.

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Volltext

Zulässigkeit einer Untätigkeitsbeschwerde

[TENOR]

Die Untätigkeitsbeschwerde des Klägers vom 23. September 2012 wird auf seine Kosten als unzulässig verworfen.

[GRUENDE]

I. Der Kläger hat nach Erlass des Berufungsurteils vom 17. April 2012 beim Berufungsgericht Anträge auf Tatbestandsberichtigung und Urteilsergänzung gestellt, mehrere Ablehnungsgesuche wegen Befangenheit der Richter eingereicht und die Rüge nach § 321a ZPO erhoben. Die Anträge sind vom Berufungsgericht jeweils durch Beschluss abschlägig beschieden worden. Hiergegen und gegen die Kostenrechnung hat der Kläger am 9. August 2012 und am 11. August 2012 "Rechtsmittel" beim Berufungsgericht eingelegt. Am 24. August 2012, 2. September 2012 und 18. September 2012 hat der Kläger gegenüber dem Berufungsgericht Verzögerungsrügen und am 23. September eine Untätigkeitsbeschwerde beim Bundesgerichtshof erhoben.

II. Die vom Kläger erhobene Untätigkeitsbeschwerde ist mangels Statthaftigkeit als unzulässig zu verwerfen.

Jedenfalls seit Inkrafttreten des Gesetzes über den Rechtsschutz bei überlangen Gerichtsverfahren und strafrechtlichen Ermittlungsverfahren vom 24. November 2011 (BGBl. I S. 2302) am 3. Dezember 2011 mit Wirkung für alle zu dieser Zeit bereits anhängigen Verfahren ist die nach früherer Rechtslage von einzelnen Gerichten und Teilen der Literatur befürwortete Untätigkeitsbeschwerde (vgl. hierzu Zöller/Heßler, ZPO, 29. Aufl., § 567 Rn. 21) nicht mehr statthaft.

Durch die gesetzliche Neufassung sollten die Anforderungen des Art. 13 EMRK erfüllt werden, der verlangt, dass einem Betroffenen ein Rechtsbehelf bei einer innerstaatlichen Instanz zusteht, mit dem er rügen kann, die aus Art. 6 Abs. 1 EMRK folgende Verpflichtung, über eine Streitigkeit innerhalb angemessener Frist zu entscheiden, sei verletzt (vgl. BT-Drucks. 17/3802, S. 15; EGMR, NJW 2001, 2694 Rn. 156). Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte muss ein innerstaatlicher Rechtsbehelf bei überlanger Verfahrensdauer wirksam sein. Dies ist der Fall, wenn der Rechtsbehelf geeignet ist, entweder die befassten Gerichte zu einer schnelleren Entscheidungsfindung zu veranlassen (präventive Wirkung) oder dem Rechtsuchenden für die bereits entstandenen Verzögerungen eine angemessene Entschädigung zu gewähren (kompensatorische Wirkung, vgl. EGMR, NJW 2006, 2389 Rn. 99).

Der deutsche Gesetzgeber hat sich mit § 198 Abs. 1 GVG bewusst für die Kompensationslösung entschieden (BT-Drucks. 17/3802, aaO). Der Gedanke der Prävention wurde nur insoweit aufgegriffen, als der Entschädigungsanspruch eine Verzögerungsrüge beim Ausgangsgericht (§ 198 Abs. 3 GVG) voraussetzt (BT-Drucks. 17/3802, S. 16). Im Gesetzesentwurf ist ausgeführt: "Da Gerichte auf entsprechende Rügen mit Abhilfe reagieren können und in begründeten Fällen auch regelmäßig abhelfen werden, hat die Regelung eine konkret-präventive Beschleunigungswirkung. Eine Beschwerdemöglichkeit für den Fall der Nichtabhilfe ist nicht vorgesehen, um die Belastungen für die Praxis begrenzt zu halten" (BT-Drucks. 17/3802, aaO). Hieraus ergibt sich eindeutig, dass der Gesetzgeber gegen die Untätigkeit des Gerichts keine Rechtsmittelmöglichkeit zu einer höheren Instanz vorsehen wollte. Einer außerordentlichen Beschwerde ist damit der Boden entzogen (OLG Düsseldorf, NJW 2012, 1455 f.; OLG Brandenburg, MDR 2012, 305; Zöller/Heßler, ZPO, 29. Aufl., § 567 Rn. 21b; Thomas/Putzo/Reichold, ZPO, 33. Aufl., § 567 Rn. 10).

Ball Dr. Milger Dr. Achilles

Dr. Schneider Dr. Fetzer