Criminal procedure: Validity of revoking consent to read witness protocols in lieu of testimony and delegation of note-taking duties to a non-panel judge
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe German Federal Court of Criminal Court dismissed the appeals of two defendants, upholding the lower court's criminal conviction and ordering each appellant to bear their own legal costs. The defendants challenged the procedural validity of reading witness interrogation protocols in lieu of live testimony, arguing they had revoked their consent after the court ordered the evidence but before the protocols were read, and criticized the court's practice of having a judge not on the trial panel take notes. The court found the consent revocation objection moot because the contested protocols were not actually used to form the verdict, though it noted that delegating note-taking to a non-member judge is problematic as the record must be prepared by the adjudicating panel itself. The decision relies on §§ 249, 250, and 251 of the Code of Criminal Procedure (StPO) regarding witness testimony and evidence, and § 261 StPO concerning the exclusive obligation of trial judges to create the case record, distinguishing subjective judicial notes from permissible audio recordings.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 251 Abs. 1 StPO, § 251 Abs. 4 StPO, § 261 StPO; Criminal procedure: Validity of revoking consent to read witness protocols in lieu of testimony and delegation of note-taking duties to a non-panel judge: The defendants challenged the procedural validity of reading witness interrogation protocols in lieu of live testimony, arguing they had revoked their consent after the court ordered the evidence but before the protocols were read, and criticized the court's practice of having a judge not on the trial panel take notes. The court found the consent revocation objection moot because the contested protocols were not actually used to form the verdict, though it noted that delegating note-taking to a non-member judge is problematic as the record must be prepared by the adjudicating panel itself. The decision relies on §§ 249, 250, and 251 of the Code of Criminal Procedure (StPO) regarding witness testimony and evidence, and § 261 StPO concerning the exclusive obligation of trial judges to create the case record, distinguishing subjective judicial notes from permissible audio recordings.
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Strafverfahren: Mitschrift von Vorgängen in der Hauptverhandlung durch das Gericht
[TENOR]
Die Revisionen der Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Darmstadt vom 20. August 2010 werden als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigungen keinen Rechtsfehler zum Nachteil der Angeklagten ergeben hat.
Jeder Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.
Ergänzend bemerkt der Senat:
Die Rüge, das Landgericht habe die §§ 249 Abs. 2, 250, 251 Abs. 1 StPO durch Verlesen von Vernehmungsprotokollen diverser Zeugen verletzt, weil die Verteidigerin des Angeklagten K. ihr ursprüngliches Einverständnis nach der Anordnung der Beweiserhebung durch den Vorsitzenden, aber vor der Verlesung widerrufen hatte, ist unbegründet. Sie geht hinsichtlich der Mehrzahl der betreffenden Zeugen, die das Landgericht zusätzlich in der Hauptverhandlung vernommen hat, bereits ins Leere, da deren Vernehmung nicht durch die Verlesung einer Niederschrift im Sinne von § 251 Abs. 1 StPO "ersetzt" wurde. Soweit einzelne Vernehmungsprotokolle verlesen wurden, ohne dass das Gericht die Zeugen in der Hauptverhandlung vernommen hat, kann dahinstehen, ob ein Widerruf des Einverständnisses - wie die Revision meint - bis zur Verlesung der Niederschrift noch möglich ist, oder ob - wie der Generalbundesanwalt geltend macht - eine Bindung an diese Prozesshandlung bereits mit der Anordnung der Beweisverwendung nach § 251 Abs. 4 StPO eintritt. Denn das Landgericht hat die Niederschriften dieser Vernehmungen im Urteil nicht verwertet, so dass der Senat jedenfalls ausschließen kann, dass das Urteil auf dem gerügten Verfahrensfehler beruht.
Im Übrigen erscheint das Vorgehen des Landgerichts, die zwar der Strafkammer, nicht aber dem erkennenden Spruchkörper angehörende Richterin "zur Entlastung" des Berichterstatters "ebenfalls mitschreiben" zu lassen, unter dem Blickwinkel eines möglichen - hier von den Revisionen nicht gerügten - Verstoßes gegen § 261 StPO nicht unbedenklich. Anders als Ton- und Filmaufnahmen, die als Gedächtnisstütze des Gerichts grundsätzlich zulässig sind (vgl. Meyer-Goßner StPO 54. Aufl. 2011 § 169 GVG Rn. 11), sind Auswahl und Inhalt der Mitschrift von Vorgängen in der Hauptverhandlung von den subjektiven Wahrnehmungen und Bewertungen des betreffenden Richters geprägt. Es handelt sich dabei um einen höchstpersönlichen Akt, der den "Inbegriff der Verhandlung" aufbereitet und konkretisiert und die Grundlage für die Beratung und Urteilsfassung bildet. In dieser Funktion obliegt die Anfertigung von Mitschriften gemäß § 261 StPO allein den Mitgliedern des erkennenden Gerichts und kann nicht auf Dritte delegiert werden.
Fischer Appl Schmitt
Berger Eschelbach