Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
5 StR 416/11 KI-generiert

Proportionality of lethal self-defense against minor, non-threatening attack under § 32 StGB

Geschäftsnummer 5 StR 416/11
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage keine Kosten erhoben

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice (BGH) dismissed the defendant's appeal against the verdict of the Potsdam Regional Court, thereby upholding the juvenile court's conviction and sentence for murder. The dispute concerned whether the defendant's actions constituted justifiable self-defense during a physical altercation with a physically weaker, unarmed victim, where the defendant had concealed a butterfly knife and struck the victim in the head during a minor initial attack involving a kick to the legs and a swipe at a hat. The BGH ruled that the initial attack was too harmless to justify the use of a lethal weapon, and even considering the victim's subsequent defensive posture, the defendant lacked the right to preemptively deliver a fatal stab to a non-equivalent threat, citing the requirements of necessity and proportionality under § 32 of the Criminal Code. Additionally, the court confirmed that the lower court's sentencing rationale appropriately prioritized the defendant's educational needs over the external unlawfulness of the act, despite some ambiguous phrasing in the original judgment.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 2 StPO, § 32 Abs. 2 StGB, § 74 JGG; Proportionality of lethal self-defense against minor, non-threatening attack under § 32 StGB: The dispute concerned whether the defendant's actions constituted justifiable self-defense during a physical altercation with a physically weaker, unarmed victim, where the defendant had concealed a butterfly knife and struck the victim in the head during a minor initial attack involving a kick to the legs and a swipe at a hat. The BGH ruled that the initial attack was too harmless to justify the use of a lethal weapon, and even considering the victim's subsequent defensive posture, the defendant lacked the right to preemptively deliver a fatal stab to a non-equivalent threat, citing the requirements of necessity and proportionality under § 32 of the Criminal Code. Additionally, the court confirmed that the lower court's sentencing rationale appropriately prioritized the defendant's educational needs over the external unlawfulness of the act, despite some ambiguous phrasing in the original judgment.

Schlagwörter

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Mord Strafmassangemessenheit Notwehr Waffengesetz Körperverletzung zum Nachteil Minderjähriger strafrechtliche Drohung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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2 StR 451/75
Dezember 1975 - 2 StR 451/75, BGHSt 26, 256, 258; Urteile vom 12.
BGHSt 26, 256
Dezember 1975 - 2 StR 451/75, BGHSt 26, 256, 258; Urteile vom 12.
4 StR 2/87
März 1987 - 4 StR 2/87, BGHR StGB § 32 Abs.
4 StR 505/86
Oktober 1986 - 4 StR 505/86, BGHR StGB § 32 Abs.
2 StR 251/87
November 1987 - 2 StR 251/87, BGHR aaO Erforderlichkeit 2; vom 7.
4 StR 544/90
Februar 1991 - 4 StR 544/90, BGHR aaO Erforderlichkeit 7; BGH, Beschluss vom 7.
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 349 Abs. 2 StPO

Procedural basis cited in the dispositive for dismissing the revision as unfounded.

§ 74 JGG

Basis cited in the dispositive for waiving the imposition of the costs of the revision proceedings on the appellant.

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Volltext

Notwehr: Verteidigung gegen harmlosen Angriff

[TENOR]

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Potsdam vom 23. Juni 2011 wird nach § 349 Abs. 2 StPO als unbegründet verworfen.

Es wird nach § 74 JGG davon abgesehen, dem Beschwerdeführer die Kosten des Revisionsverfahrens aufzuerlegen; er hat allerdings die durch das Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen der Nebenkläger zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat:

1. Die Ablehnung einer Rechtfertigung durch Notwehr hält im Ergebnis rechtlicher Prüfung stand. Der Angeklagte war angesichts des eher harmlosen Angriffs (Beinstellen, „Wischen” über die Kopfbedeckung des Angeklagten) des ihm körperlich unterlegenen, unbewaffneten Opfers im Rahmen einer sich anbahnenden Rangelei unter jungen Leuten schon nicht berechtigt (§ 32 Abs. 2 StGB), den ersten, das Opfer an der Stirn treffenden Stich mit dem bewusst verborgen gehaltenen und bereits geöffneten Butterflymesser zu setzen (vgl. BGH, Beschluss vom 12. Dezember 1975 - 2 StR 451/75, BGHSt 26, 256, 258; Urteile vom 12. März 1987 - 4 StR 2/87, BGHR StGB § 32 Abs. 1 Putativnotwehr 2; vom 30. Oktober 1986 - 4 StR 505/86, BGHR StGB § 32 Abs. 2 Erforderlichkeit 1; vom 6. November 1987 - 2 StR 251/87, BGHR aaO Erforderlichkeit 2; vom 7. Februar 1991 - 4 StR 544/90, BGHR aaO Erforderlichkeit 7; BGH, Beschluss vom 7. Juli 1987 - 4 StR 291/87, BGHR aaO Verteidigung 1; BGH, Urteil vom 18. August 1988 - 4 StR 297/88, BGHR aaO Verteidigung 3, jeweils mwN). Der Senat kann dahingestellt lassen, ob das anschließende Zurückweichen des Opfers unter Heben der Arme mit nicht ausschließbarem Ballen der Fäuste (UA S. 7) entgegen der im angefochtenen Urteil vorgenommenen Wertung nicht als Verteidigungsverhalten gegen einen weiteren (Messer-) Angriff des Angeklagten anzusehen gewesen wäre. Denn bei der gegebenen „Kampflage“ und Berücksichtigung des Vorverhaltens des Angeklagten durfte dieser auch nach dem Standpunkt der Jugendkammer einem etwa bevorstehenden Angriff des Opfers nicht mit dem sogleich danach schonungslos ausgeführten tödlichen Stich zuvorkommen, zumal ihm selbst eine auch nur annähernd gleichwertige Gefährdung nicht drohte (vgl. BGH, Urteil vom 7. Februar 1991 - 4 StR 544/90, BGHR aaO).

2. Trotz einiger missverständlicher Formulierungen auch zu entsozialisierend wirkenden Jugendstrafen von „über vier oder fünf Jahren“ (vgl. hierzu etwa BGH, Beschluss vom 7. Mai 1996 - 4 StR 182/96, BGHR JGG § 18 Abs. 2 Strafzwecke 5) lassen die Ausführungen der hinsichtlich des Erziehungsbedarfs des Angeklagten sachverständig beratenen Jugendkammer hinreichend deutlich erkennen, dass sie sich bei der Bemessung der Schwere der Schuld nicht ausschlaggebend am äußeren Unrechtsgehalt der Tat ausgerichtet hat.

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