Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
1 StR 297/11 KI-generiert

Identity and Examination of Confidential Police Informants: Judicial Independence vs. Administrative Secrecy Assurances

Geschäftsnummer 1 StR 297/11
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice (BGH) dismissed the defendant's revision as unfounded, upholding the conviction by the Landgericht Bayreuth, while simultaneously clarifying that the lower court's procedural handling of a defense motion regarding a police informant was legally deficient. The dispute centered on whether a criminal court could refuse to identify a confidential police informant ("VP") and consequently refuse to conduct an examination, based solely on a prior assurance of confidentiality granted by the public prosecution service. The court held that while such assurances bind the prosecution and police agencies, they have no binding effect on the independent judiciary under Article 97(1) of the Basic Law; courts are solely bound by the law and must not decline necessary evidence collection merely because the authorities wish to protect the informant's identity. Consequently, the court ruled that if an informant's identity cannot be determined otherwise, the court is empowered to demand information from all public authorities, including the prosecution, under §§ 161, 202, and 244(2) StPO, and may only refuse disclosure if a specific "blocking declaration" by the highest administrative authority asserts that disclosure would harm the national interest, per § 96 StPO; without such a declaration, the informant cannot be treated as an unreachable piece of evidence under § 244(3) sentence 2 StPO.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 2 StPO, § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO, § 54 StPO, Art. 97 Abs. 1 GG, § 96 StPO, § 244 Abs. 3 Satz 2 StPO; Identity and Examination of Confidential Police Informants: Judicial Independence vs. Administrative Secrecy Assurances: The dispute centered on whether a criminal court could refuse to identify a confidential police informant ("VP") and consequently refuse to conduct an examination, based solely on a prior assurance of confidentiality granted by the public prosecution service. The court held that while such assurances bind the prosecution and police agencies, they have no binding effect on the independent judiciary under Article 97(1) of the Basic Law; courts are solely bound by the law and must not decline necessary evidence collection merely because the authorities wish to protect the informant's identity. Consequently, the court ruled that if an informant's identity cannot be determined otherwise, the court is empowered to demand information from all public authorities, including the prosecution, under §§ 161, 202, and 244(2) StPO, and may only refuse disclosure if a specific "blocking declaration" by the highest administrative authority asserts that disclosure would harm the national interest, per § 96 StPO; without such a declaration, the informant cannot be treated as an unreachable piece of evidence under § 244(3) sentence 2 StPO.

Schlagwörter

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Vertraulichkeitspflicht richterliche Unabhängigkeit Belastungszeuge strafbares Verhalten Verfahren vor dem Untersuchungsrichter rechtlich geschütztes Interesse

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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5 StR 579/87
November 1987 - 5 StR 579/87, BGHSt 35, 82, 84 ff.
BGHSt 35, 82
November 1987 - 5 StR 579/87, BGHSt 35, 82, 84 ff.
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 349 Abs. 2 StPO

The procedural basis cited in the dispositive for dismissing the revision as unfounded.

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Volltext

Beweiserhebung im Strafverfahren: Vernehmung einer polizeilichen Vertrauensperson

[TENOR]

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Bayreuth vom 7. Dezember 2010 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend zur Antragsschrift des Generalbundesanwalts vom 7. Juni 2011 bemerkt der Senat:

Die Verfahrensrüge, das Landgericht habe den von der Verteidigung in der Hauptverhandlung gestellten Antrag, den Zeugen „KOK B. anzuweisen, die Personalien sowie die ladungsfähige Anschrift der“ von diesem geführten „VP ´ G. ` bekannt zu geben“, ist auch deshalb nicht zulässig erhoben (§ 344 Abs. 2 Satz 2 StPO), weil die Revision es versäumt, Inhalt und Reichweite der KOK B. erteilten Aussagegenehmigung (vgl. § 54 StPO), die im Rahmen der Hauptverhandlung seitens der Staatsanwaltschaft abgegebene Gegenerklärung sowie den „vorstehenden Sachverhalt“ mitzuteilen, über den LOStA J. vor seiner Geheimhaltungsentscheidung vom 20. Mai 2009 unterrichtet worden war.

Soweit das Landgericht den Antrag allein unter Hinweis „auf die zugesicherte Geheimhaltung“ abgelehnt und in den - dem Senat durch die erhobene Sachrüge eröffneten - Urteilsgründen die Ansicht vertreten hat, eine Vernehmung der polizeilichen Vertrauensperson habe nicht erfolgen können, „weil dieser Person durch die Staatsanwaltschaft Geheimhaltung zugesichert wurde“ (UA S. 6), steht dies allerdings nicht im Einklang mit der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, auf die die Revision - für sich genommen zutreffend - hingewiesen hat. Denn danach bindet eine solche Zusicherung der Vertraulichkeit zwar - mit Einschränkungen - die Staatsanwaltschaft und die Polizei (vgl. Nummer 4 der Gemeinsamen Richtlinien der Justizminister/-senatoren und der Innenminister/-senatoren der Länder über die Inanspruchnahme von Informanten sowie über den Einsatz von Vertrauenspersonen [V-Personen] und Verdeckten Ermittlern im Rahmen der Strafverfolgung/Anlage D zu den RiStBV). Für das gerichtliche Verfahren hat sie aber keine Bedeutung. Die Gerichte sind unabhängig und nur dem Gesetz unterworfen (Art. 97 Abs. 1 GG). Darum dürfen sie eine gebotene Beweiserhebung nicht deshalb ablehnen, weil Staatsanwaltschaft oder Polizei die Identität eines Informanten geheim halten wollen.

Lassen sich der Name und die Anschrift des Informanten nicht anders feststellen, so kann und muss das Gericht von allen öffentlichen Behörden - auch von der Staatsanwaltschaft und der Polizei - diejenigen Auskünfte verlangen, die es zur Ermittlung der Beweisperson für erforderlich hält (§§ 161, 202, 244 Abs. 2 StPO). Die Auskunft darf in entsprechender Anwendung des § 96 StPO nur verweigert werden, wenn die oberste Dienstbehörde erklärt, dass das Bekanntwerden ihres Inhalts dem Wohl des Bundes oder eines deutschen Landes Nachteile bereiten würde. Solange eine solche sog. Sperrerklärung nicht vorliegt, darf der Gewährsmann insbesondere nicht als ein unerreichbares Beweismittel i.S.d. § 244 Abs. 3 Satz 2 StPO angesehen werden (vgl. BGH, Beschluss vom 3. November 1987 - 5 StR 579/87, BGHSt 35, 82, 84 ff. mwN).

Nack Wahl Elf

Graf Sander