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2 StR 88/11 KI-generiert

Violation of statutory judgment filing deadline due to foreseeable court workload and calculation error

Geschäftsnummer 2 StR 88/11
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Criminal Justice (BGH) quashed the first-instance conviction of two defendants and remanded the case to a different criminal chamber of the Regional Court for new proceedings. The dispute concerned a procedural challenge to a verdict rendered after a 19-day trial for fraud in 35 cases, where the defendants argued that the court had failed to file the written judgment within the statutory deadline. The court held that the filing, which occurred five days late, constituted a reversible procedural error under § 338 No. 7 StPO, as the extension of the nine-week period under § 275 Abs. 1 Satz 4 StPO is permitted only in cases of unforeseeable and unavoidable circumstances. The court rejected the argument that concurrent court hearings or a clerical error in calculating the deadline justified the delay, affirming that such foreseeable workloads or calculation mistakes do not meet the statutory threshold for an exception, thereby necessitating the voiding of the judgment for the two challenging defendants while leaving the convictions of the non-revising co-defendants intact.

Legislator-Regeste

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§ 275 Abs. 1 Satz 2 StPO, § 338 Nr. 7 StPO, § 275 Abs. 1 Satz 4 StPO; Violation of statutory judgment filing deadline due to foreseeable court workload and calculation error: The dispute concerned a procedural challenge to a verdict rendered after a 19-day trial for fraud in 35 cases, where the defendants argued that the court had failed to file the written judgment within the statutory deadline. The court held that the filing, which occurred five days late, constituted a reversible procedural error under § 338 No. 7 StPO, as the extension of the nine-week period under § 275 Abs. 1 Satz 4 StPO is permitted only in cases of unforeseeable and unavoidable circumstances. The court rejected the argument that concurrent court hearings or a clerical error in calculating the deadline justified the delay, affirming that such foreseeable workloads or calculation mistakes do not meet the statutory threshold for an exception, thereby necessitating the voiding of the judgment for the two challenging defendants while leaving the convictions of the non-revising co-defendants intact.

Schlagwörter

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verspätete Eingabe gesetzliche Frist Verfahrensverletzungen Rechnungsfehler Ausdehnung des Verfahrens fehlerhafte Strafzumessung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 338 Nr. 7 StPO

Primary procedural ground justifying the quashing of the judgment due to the violation of the deadline for filing the judgment.

§ 275 Abs. 1 Satz 2 StPO

Defines the statutory deadline for filing the judgment, which was violated and thus served as the basis for the procedural error.

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Volltext

Strafverfahren: Überschreitung der Urteilsabsetzungsfrist wegen falscher Fristberechnung

[TENOR]

Auf die Revisionen der Angeklagten H. und M. wird das Urteil des Landgerichts Köln vom 29. September 2010, soweit es diese beiden Angeklagten betrifft, mit den Feststellungen aufgehoben.

Die Sache wird zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

[GRUENDE]

Das Landgericht hat die Angeklagten wegen Betruges in 35 Fällen schuldig gesprochen. Den Angeklagten H. hat es zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren, den Angeklagten M. zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und sieben Monaten verurteilt. Die Revisionen haben jeweils mit der Beanstandung, die Urteilsabsetzungsfrist des § 275 Abs. 1 Satz 2 StPO sei nicht gewahrt, Erfolg (§ 338 Nr. 7 StPO).

Das Landgericht hat nach 19-tägiger Hauptverhandlung am 29. September 2010 das angefochtene Urteil verkündet. Gemäß § 275 Abs. 1 Satz 2 StPO betrug daher die Frist, in der die Urteilsurkunde zu den Akten zu bringen war, neun Wochen; sie endete demnach am 1. Dezember 2010. Zur Akte gelangt ist die Urteilsurkunde jedoch erst am 6. Dezember 2010.

Gemäß § 275 Abs. 1 Satz 4 StPO darf die Frist nur überschritten werden, wenn und solange das Gericht durch einen im Einzelfall nicht voraussehbaren unabwendbaren Umstand an ihrer Einhaltung gehindert worden ist. Ein solcher Umstand ist hier nicht ersichtlich und ergibt sich insbesondere auch nicht aus der dienstlichen Erklärung des Vorsitzenden der Strafkammer. Danach war die Strafkammer während der Dauer der Hauptverhandlung und des Laufs der Absetzungsfrist, deren Ende aufgrund eines Berechnungsfehlers versehentlich auf den 8. Dezember 2010 notiert worden war, noch mit zwei anderen eilbedürftigen Haftsachen befasst. Die geltend gemachten Umstände rechtfertigen eine Fristüberschreitung jedoch nicht. Bereits bei Beginn der Absetzungsfrist waren die zusätzlichen Belastungen, die mit beiden seit Juli 2010 zur Vorbereitung einer Hauptverhandlung zu bearbeitenden weiteren Haftsachen verbunden waren, vorhersehbar, wobei in dem in Frage stehenden Zeitraum ohnehin nur in einem der beiden Verfahren parallel die Hauptverhandlung geführt wurde. Nach ständiger Rechtsprechung liegen Belastungen durch anderweitige Hauptverhandlungen selbst dann außerhalb der zugelassenen Ausnahmen, wenn sie die Arbeitskraft der Richter infolge des Umfangs oder der Schwierigkeit des Verfahrens in besonderer Weise binden (vgl. BGH NJW 1988, 1094; NStZ 1992, 398; 2008, 55; Senat NStZ 2003, 564). Ebenso wenig kann eine falsche Berechnung der Urteilsabsetzungsfrist einen nicht voraussehbaren unabänderlichen Umstand im Sinne des § 275 Abs. 1 Satz 4 StPO begründen (vgl. BGH NStZ-RR 1997, 204; 2011, 211). Die Aufhebung des Urteils wegen des Verfahrensmangels erstreckt sich nicht auf die nicht revidierenden Mitangeklagten Me. und Ma. .

Appl Schmitt Berger

Krehl Eschelbach