Validity of plea agreement in criminal proceedings due to doubtful criminal capacity and potential § 63 StGB commitment
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Federal Court of Cassation reversed the Berlin Regional Court’s conviction and remanded the case for a new trial, prevailing on the defendant’s revision. The dispute concerned a plea agreement ( Verständigung ) in a criminal proceeding for three counts of aggravated robbery, where the defendant, who suffered from schizophrenia and had disclosed his mental illness during preliminary interrogations, had pleaded guilty to avoid a potential indefinite commitment to a psychiatric facility under § 63 StGB. The appellate court held that the lower court was prohibited from accepting the plea agreement due to the doubt regarding the defendant's criminal responsibility and the pending possibility of a § 63 StGB measure; the decisive legal basis was § 349 Abs. 4 StPO, which mandated the setting aside of the judgment based on an evidentiary objection (§ 257c Abs. 2 Satz 3 StPO) that the court failed to commission a psychiatric expert examination despite the massive suspicion of mental illness, thereby violating the duty to investigate the truth of a potentially insanity-defended case where the sole evidence was a confession.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 349 Abs. 4 StPO, § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO, § 257c Abs. 2 Satz 3 StPO, § 63 StGB, § 358 Abs. 2 Satz 3 StPO; Validity of plea agreement in criminal proceedings due to doubtful criminal capacity and potential § 63 StGB commitment: The dispute concerned a plea agreement ( Verständigung ) in a criminal proceeding for three counts of aggravated robbery, where the defendant, who suffered from schizophrenia and had disclosed his mental illness during preliminary interrogations, had pleaded guilty to avoid a potential indefinite commitment to a psychiatric facility under § 63 StGB. The appellate court held that the lower court was prohibited from accepting the plea agreement due to the doubt regarding the defendant's criminal responsibility and the pending possibility of a § 63 StGB measure; the decisive legal basis was § 349 Abs. 4 StPO, which mandated the setting aside of the judgment based on an evidentiary objection (§ 257c Abs. 2 Satz 3 StPO) that the court failed to commission a psychiatric expert examination despite the massive suspicion of mental illness, thereby violating the duty to investigate the truth of a potentially insanity-defended case where the sole evidence was a confession.
Schlagwörter
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KI-generiertCited in the dispositive as the procedural basis for vacating the lower court's judgment and remanding the case for a new hearing.
Volltext
Verständigung im Strafverfahren bei zweifelhafter Schuldfähigkeit; Bestellung eines neuen Pflichtverteidigers
[TENOR]
Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Berlin vom 24. März 2011 nach § 349 Abs. 4 StPO mit den Feststellungen aufgehoben.
Die Sache wird zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.
[GRUENDE]
Das Landgericht hat den Angeklagten – nach einer Verständigung – wegen schweren Raubes in drei Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Die Revision des Angeklagten hat mit einer Aufklärungsrüge Erfolg.
Mit der in der Revisionsbegründung enthaltenen zutreffenden inhaltlichen Wiedergabe der Mitteilung des Angeklagten, er leide an Schizophrenie und benötige Medikamente, in seiner verantwortlichen Vernehmung im Ermittlungsverfahren sind die Zulässigkeitsvoraussetzungen des § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO hier als erfüllt anzusehen. Ob der Revisionsrechtfertigung auch eine Rüge der Verletzung des § 257c Abs. 2 Satz 3 StPO zu entnehmen wäre, bedarf danach keiner Vertiefung.
Die Aufklärungsrüge ist offensichtlich begründet. Die Strafkammer war nach der letztgenannten Vorschrift wegen der zweifelhaften Schuldfähigkeit des Angeklagten und einer im Raum stehenden Maßregel nach § 63 StGB an einer Verständigung – nicht anders als auch die Staatsanwaltschaft – gehindert. Es musste sich ihr aufgrund der eigenen, in die Anklageschrift aufgenommenen Hinweise des Angeklagten auf eine schwere psychische Erkrankung aufdrängen, ihn zur Frage der Schuldfähigkeit begutachten zu lassen. Dass das Tatbild der dem Angeklagten zur Last gelegten Verbrechen auf den ersten Blick eine Einschränkung seiner Schuldfähigkeit nicht nahelegt, ändert hieran angesichts des begründeten massiven Krankheitsverdachts nichts.
Die Rüge muss angesichts der alleinigen Beweisgrundlage des Geständnisses eines möglicherweise Geisteskranken zur umfassenden Aufhebung des angefochtenen Urteils führen. Das neue Tatgericht wird zu erwägen haben, ob dem Angeklagten ein neuer Verteidiger zu bestellen ist, nachdem der bisherige sich auf die vom Gericht initiierte grob sachwidrige Verständigung eingelassen hat. Die Erwägung, dass der Verteidiger womöglich zum vermeintlich Besten seines Mandanten handeln wollte, indem er ihm einen unbefristeten Freiheitsentzug infolge einer Unterbringung nach § 63 StGB zu ersparen suchte, verbietet sich angesichts der jetzt durchgeführten Revision (vgl. § 358 Abs. 2 Satz 3 StPO).
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