Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
5 StR 543/10 KI-generiert

Criminal liability for precursor trade: dynamic EU regulation reference and statutory transition in attempted purchase of acetic anhydride

Geschäftsnummer 5 StR 543/10
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The German Federal Court of Criminal Court (BGH) dismissed the defendant's appeal as unfounded, upholding the Hamburg Regional Court's conviction for the intentional and unauthorized trade in precursor chemicals under § 19 Abs. 1 Nr. 1 of the Precursor Chemicals Monitoring Act (GÜG). The dispute centered on whether the defendant's attempts to purchase acetic anhydride constituted "trade" in a controlled precursor substance, specifically addressing the applicability of dynamic references to EU Regulation 273/2004 within German criminal law and the transition of legal provisions on March 19, 2008. The court held that the conduct constituted a single, continuous offense spanning from January 9, 2008, to April 10, 2008, and that the conviction was legally justified because the prohibition on acetic anhydride remained consistent throughout the period; although the original dynamic reference to the EU regulation posed potential constitutional concerns regarding criminal law certainty, the enactment of § 19 Abs. 5 GÜG on March 19, 2008, introduced a permissible static reference to the regulation as it stood at that date, ensuring the conviction was valid under both the old and new statutory frameworks.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 2 StPO; Criminal liability for precursor trade: dynamic EU regulation reference and statutory transition in attempted purchase of acetic anhydride: 1 Nr. 1 of the Precursor Chemicals Monitoring Act (GÜG). The dispute centered on whether the defendant's attempts to purchase acetic anhydride constituted "trade" in a controlled precursor substance, specifically addressing the applicability of dynamic references to EU Regulation 273/2004 within German criminal law and the transition of legal provisions on March 19, 2008. The court held that the conduct constituted a single, continuous offense spanning from January 9, 2008, to April 10, 2008, and that the conviction was legally justified because the prohibition on acetic anhydride remained consistent throughout the period; although the original dynamic reference to the EU regulation posed potential constitutional concerns regarding criminal law certainty, the enactment of § 19 Abs. 5 GÜG on March 19, 2008, introduced a permissible static reference to the regulation as it stood at that date, ensuring the conviction was valid under both the old and new statutory frameworks.

Schlagwörter

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gesetzliches Verbot strafbares Verhalten Handelsvorschrift Rechtssicherheit Gefährliche Stoffe Landesrecht

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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1 StR 745/95
August 1996 - 1 StR 745/95, BGHSt 42, 219, 221), kann dies verfassungsrechtlich bedenklich sein.
BGHSt 42, 219
August 1996 - 1 StR 745/95, BGHSt 42, 219, 221), kann dies verfassungsrechtlich bedenklich sein.
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 349 Abs. 2 StPO

Procedural rule cited in the dispositive to declare the revision unfounded and dismiss it.

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Volltext

Überwachung des Verkehrs mit Betäubungsmittelgrundstoffen: Bemühungen um den Ankauf von Essigsäureanhydrid als strafbares Handeln mit einem Grundstoff zur Herstellung von Betäubungsmitteln

[TENOR]

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Hamburg vom 25. Juni 2010 wird nach § 349 Abs. 2 StPO als unbegründet verworfen.

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat:

Das Landgericht hat den Angeklagten zu Recht wegen eines im Tatzeitraum vom 9. Januar 2008 bis 10. April 2008 begangenen (einheitlichen) Vergehens des vorsätzlichen unerlaubten Handeltreibens mit einem Grundstoff, der zur Herstellung von Betäubungsmitteln verwendet werden soll, verurteilt (§ 19 Abs. 1 Nr. 1 GÜG). Der Stoff, auf den sich die Tat bezog, war Essigsäureanhydrid. Dieses ist nach Art. 2 lit. a der Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rats vom 11. Februar 2004 (VO (EG) Nr. 273/2004) ein solcher Grundstoff, weil er in Anhang I Kategorie 2 zu der Verordnung ausdrücklich genannt ist. Die Verordnung ist am 18. August 2005 in Kraft getreten. Die Regelung des § 2 Nr. 1 GÜG aF bestimmte diesen Stoff unter Verweis auf die vorgenannte Verordnung als Grundstoff. Diese Bestimmung des Grundstoffüberwachungsgesetzes trat am 1. Januar 2006 in Kraft, also zu einem Zeitpunkt, zu dem die vorgenannte Verordnung bereits in Geltung stand. Die zum 19. März 2008 erfolgte Änderung des § 2 GÜG ist schon deshalb bedeutungslos, weil die Bezugnahme auf die vorgenannte EG-Verordnung lediglich in § 1 Nr. 1 GÜG verschoben wurde.

Mit diesem Grundstoff hat der Angeklagte – was das Landgericht rechtsfehlerfrei festgestellt hat – Handel getrieben, indem er vielfältige Ankaufsbemühungen entfaltete. Damit hat er gegen die (seit ihrem Erlass im Jahre 1994) unverändert gebliebene Verbotsnorm des § 3 GÜG verstoßen. Der Verstoß gegen diese Verbotsnorm war während des gesamten Tatzeitraums strafbewehrt. Die Strafbarkeit ergab sich bis 18. März 2008 aus § 29 Abs. 1 Nr. 1 GÜG aF, ab 19. März 2008 - zu diesem Zeitpunkt dauerte das tatbestandliche und einheitlich zu bewertende Handeltreiben noch an - aus § 19 Abs. 1 Nr. 1 GÜG. Eine hier bedeutsame Verschärfung des Straftatbestands war mit der Änderung nicht verbunden.

Allerdings nehmen die gesetzlichen Regelungen des Grundstoffüberwachungsgesetzes Bezug auf die dort bezeichneten EG-Verordnungen in ihrer jeweils geltenden Fassung. Damit ist zwar eine insbesondere im Strafrecht problematische dynamische Verweisung angeordnet worden (Dannecker in LK, 12. Aufl., § 1 Rn. 158; vgl. auch OLG Hamburg, NZV 2007, 372), weil im Rahmen des Strafrechts der Europäischen Union jedenfalls zur Tatzeit keine Kompetenz für eine Rechtsetzung zukam. Soweit die Blankettnorm ihrerseits nicht die wesentlichen Strafbarkeitsvoraussetzungen enthält (vgl. BGH, Beschluss vom 16. August 1996 - 1 StR 745/95, BGHSt 42, 219, 221), kann dies verfassungsrechtlich bedenklich sein. Im vorliegenden Fall bedarf die Frage jedoch keiner weiteren Vertiefung. Die Essigsäureanhydrid betreffende Verbotsnorm bestand nämlich während des gesamten Tatzeitraums und war nicht von inhaltlichen Änderungen betroffen. Mithin war eine eindeutige und durchgehende, aus der EG-Verordnung hergeleitete Verbotskette gegeben.

Darüber hinaus hat der Gesetzgeber in § 19 Abs. 5 GÜG nF nunmehr ausdrücklich klargestellt, das (für die strafrechtliche Beurteilung) auf die im Zeitpunkt des Inkrafttretens geltende Fassung der EG-VO 273/2004 abzustellen sei. Damit galt ab dem 19. März 2008 eine unbedenkliche statische Verweisung auf Gemeinschaftsrecht. Da die Tathandlung über den 19. März 2008 hinaus noch andauerte, ist der Schuldspruch zudem auch unter diesem Gesichtspunkt gerechtfertigt. Das Landgericht hat den Angeklagten deshalb zutreffend wegen eines Vergehens nach § 19 Abs. 1 Nr. 1 GÜG verurteilt.

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