Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
5 StR 516/10 KI-generiert

Severe bodily harm: factual loss of hearing capacity sufficient for § 226 StGB conviction

Geschäftsnummer 5 StR 516/10
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice (BGH) rejected the defendant's appeal as unfounded, upholding the lower court's conviction and order for the defendant to bear the costs of the appeal and the adverse party's necessary expenses. The dispute concerned whether specific bodily harm constituted aggravated assault under § 226 Para. 1 No. 1 StGB, with the defendant challenging the legal qualification of the injury. The BGH confirmed that the victim’s near-total deafness, characterized by a 5% residual hearing in one ear and a functional inability to understand speech without simultaneous lip-reading even with hearing aids, amounts to a factual loss of hearing capacity, thereby satisfying the statutory requirement for severe bodily harm. The Court further determined that the lower court’s failure to explicitly find the defendant guilty of this specific aggravated offense was not a procedural error prejudicial to the defendant, and confirmed that prior expunged criminal records from 1994 and 1999 were not determinative for the court's finding of intent to kill and low motives.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 2 StPO, § 226 Abs. 1 Nr. 1 StGB, § 226 StGB; Severe bodily harm: factual loss of hearing capacity sufficient for § 226 StGB conviction: The dispute concerned whether specific bodily harm constituted aggravated assault under § 226 Para. 1 No. 1 StGB, with the defendant challenging the legal qualification of the injury. The BGH confirmed that the victim’s near-total deafness, characterized by a 5% residual hearing in one ear and a functional inability to understand speech without simultaneous lip-reading even with hearing aids, amounts to a factual loss of hearing capacity, thereby satisfying the statutory requirement for severe bodily harm. The Court further determined that the lower court’s failure to explicitly find the defendant guilty of this specific aggravated offense was not a procedural error prejudicial to the defendant, and confirmed that prior expunged criminal records from 1994 and 1999 were not determinative for the court's finding of intent to kill and low motives.

Schlagwörter

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Körperverletzung kriminelle Aktivität Rechtsfähigkeit Parteianhörung Prozessfähigkeit Gehörschaden

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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3 StR 408/08
Oktober 2008 – 3 StR 408/08, BGHSt 53, 23, 24) verwirklichten Verbrechens der schweren Körperverletzung nach § 226 Abs.
BGHSt 53, 23
Oktober 2008 – 3 StR 408/08, BGHSt 53, 23, 24) verwirklichten Verbrechens der schweren Körperverletzung nach § 226 Abs.
4 StR 522/06
März 2007 – 4 StR 522/06, BGHSt 51, 252, 256 f.).
BGHSt 51, 252
März 2007 – 4 StR 522/06, BGHSt 51, 252, 256 f.).
4 StR 36/06
März 2006 – 4 StR 36/06, BGHR BZRG § 51 Verwertungsverbot 9; BGH, Beschluss vom 20.
4 StR 87/90
März 1990 – 4 StR 87/90, NJW 1990, 2264; BGH, Beschluss vom 6.
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 349 Abs. 2 StPO

Basis for dismissing the defendant's appeal as unfounded.

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Volltext

Schwere Körperverletzung: Faktischer Verlust des Hörvermögens

[TENOR]

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Potsdam vom 20. Juli 2010 wird nach § 349 Abs. 2 StPO als unbegründet verworfen.

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die dadurch der Adhäsions- und Nebenklägerin entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

Ergänzend zur Antragsschrift des Generalbundesanwalts bemerkt der Senat:

1. Zu Unrecht, diesen aber nicht beschwerend, hat das Landgericht den Angeklagten nicht auch eines tateinheitlich (vgl. BGH, Beschluss vom 21. Oktober 2008 – 3 StR 408/08, BGHSt 53, 23, 24) verwirklichten Verbrechens der schweren Körperverletzung nach § 226 Abs. 1 Nr. 1 StGB schuldig gesprochen.

Die Nebenklägerin ist infolge der durch den Angeklagten ausgeführten Schläge auf dem rechten Ohr taub geworden; auf dem linken Ohr besteht ein Resthörvermögen von 5 %. Ohne Hörgerät nimmt sie „einen neben ihr startenden Lastkraftwagen vergleichbar wahr wie eine Person mit intaktem Gehör eine neben sich zu Boden fallende Stecknadel“; mit Hörgerät vermag sie notwendig sehr lautes Sprechen nur zu verstehen, wenn sie zugleich von den Lippen des Sprechenden ablesen kann, wobei das Risiko weiterer Verschlechterung des Leidens besteht (UA S. 17).

Damit sind die Voraussetzungen des § 226 Abs. 1 Nr. 1 StGB erfüllt. Zwar genügen für die Annahme eines Verlusts des Wahrnehmungsvermögens auch schwere Herabminderungen grundsätzlich nicht; jedoch ist in Rechtsprechung und Schrifttum anerkannt, dass von dem genannten Merkmal nach dessen Wortsinn sowie dem Normzweck des § 226 StGB Fälle wie der hier gegebene umfasst werden, in denen eine für den Geschädigten im Ergebnis wertlose Restfähigkeit zurückbleibt (RGSt 71, 119, 120; 72, 321; MünchKommStGB/Hardtung, § 226, Rn. 19, 21, 23; vgl. auch BGH, Urteil vom 15. März 2007 – 4 StR 522/06, BGHSt 51, 252, 256 f.). Dass es der Nebenklägerin unter den bezeichneten schwierigen Bedingungen mithilfe eines Hörgeräts notdürftig gelingt, andere Personen zu verstehen, vermag keinen rechtlich relevanten Ausgleich für den faktischen Verlust des Hörvermögens zu schaffen. Denn hierdurch werden nur die Auswirkungen der Schädigung – geringfügig – gelindert (vgl. BayObLG, NStZ-RR 2004, 264, 265; MünchKommStGB/Hardtung § 226 Rn. 18).

2. Der Senat schließt aus, dass die trotz Tilgung der entsprechenden Eintragungen im Bundeszentralregister (vgl. BGH, Beschluss vom 23. März 2006 – 4 StR 36/06, BGHR BZRG § 51 Verwertungsverbot 9; BGH, Beschluss vom 20. März 1990 – 4 StR 87/90, NJW 1990, 2264; BGH, Beschluss vom 6. Dezember 2000 – 1 StR 398/00, NStZ-RR 2001, 237) von der Strafkammer im Rahmen der Beweiswürdigung herangezogenen Taten aus den Jahren 1994 und 1999 für die Annahme des Tötungsvorsatzes und des Mordmerkmals des sonst niedrigen Beweggrundes tragend gewesen sind.

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