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4 StR 397/10 KI-generiert

Aggravated rape: Classification of locking victim in room as violence under § 177 Abs. 1 Nr. 1 StGB rather than exploitation of helpless situation

Geschäftsnummer 4 StR 397/10
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice (4th Criminal Senate) rejected the defendant’s appeal but modified the verdict to clarify that he is guilty of aggravated rape under § 177 Abs. 1 Nr. 1 StGB, maintaining the original sentence and ordering the defendant to bear the costs of the proceedings and the co-plaintiff’s necessary expenses. The dispute concerned whether the defendant’s act of locking the victim in his room constituted a separate statutory element or was subsumed under physical violence, which the lower court had classified under the alternative provision of § 177 Abs. 1 Nr. 3 StGB (exploiting helplessness). The court held that locking a victim in an enclosed space with the intent to prevent them from leaving to facilitate sexual acts constitutes the application of violence under § 177 Abs. 1 Nr. 1 StGB, rendering the alternative provision inapplicable on the level of concurrence because the resulting helpless state is part of the violent act itself; however, this legal correction did not affect the factual finding of guilt or the severity of the imposed custodial sentence.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 2 StPO, § 177 Abs. 1 Nr. 3 StGB, § 177 Abs. 1 Nr. 1 StGB; Aggravated rape: Classification of locking victim in room as violence under § 177 Abs. 1 Nr. 1 StGB rather than exploitation of helpless situation: 1 Nr. 1 StGB, maintaining the original sentence and ordering the defendant to bear the costs of the proceedings and the co-plaintiff’s necessary expenses. The dispute concerned whether the defendant’s act of locking the victim in his room constituted a separate statutory element or was subsumed under physical violence, which the lower court had classified under the alternative provision of § 177 Abs. 1 Nr. 3 StGB (exploiting helplessness). The court held that locking a victim in an enclosed space with the intent to prevent them from leaving to facilitate sexual acts constitutes the application of violence under § 177 Abs. 1 Nr. 1 StGB, rendering the alternative provision inapplicable on the level of concurrence because the resulting helpless state is part of the violent act itself; however, this legal correction did not affect the factual finding of guilt or the severity of the imposed custodial sentence.

Schlagwörter

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sexuelle Gewalt schwerer Fall Freiheitsstrafe strafrechtlicher Vorsatz Schuldschein Opfereigenschaft

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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2 StR 153/02
Oktober 2002 - 2 StR 153/02, NStZ-RR 2003, 42, 43 m.w.N.; Beschluss vom 23.
1 StR 739/93
November 1993 - 1 StR 739/93, BGHR StGB § 177 Abs.
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 349 Abs. 2 StPO

Procedural basis cited in the dispositive to state that the review found no legal error to the disadvantage of the accused in the remaining parts of the judgment.

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Volltext

Vergewaltigung: Einschließen des Opfers als Gewaltanwendung

[TENOR]

1. Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Bielefeld vom 14. April 2010 wird mit der Maßgabe als unbegründet verworfen, dass der Angeklagte der besonders schweren Vergewaltigung schuldig ist.

2. Im Übrigen hat die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben (§ 349 Abs. 2 StPO).

3. Der Angeklagte trägt die Kosten des Rechtsmittels und die im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen der Nebenklägerin.

Ergänzend zur Antragsschrift des Generalbundesanwalts bemerkt der Senat:

Die Annahme des Landgerichts, der Angeklagte habe außer § 177 Abs. 1 Nr. 1 und 2 StGB auch die Tatbestandsalternative des § 177 Abs. 1 Nr. 3 StGB erfüllt, begegnet durchgreifenden rechtlichen Bedenken. Die Verwirklichung des § 177 Abs. 1 Nr. 3 StGB hat die Strafkammer darin gesehen, dass der Angeklagte durch das Verschließen der Tür seines Zimmers für die - später auch geschlagene und mit einem Messer bedrohte - Nebenklägerin eine Lage geschaffen hatte, in der sie dem Angeklagten schutzlos ausgeliefert war und die dazu beitrug, den sexuellen Handlungen entgegenstehenden Willen der Nebenklägerin zu überwinden. Das Einschließen des Opfers in einem umschlossenen Raum in der Absicht, es am Verlassen des Raumes zu hindern, um auf diese Weise die Vornahme sexueller Handlungen zu ermöglichen, stellt sich indes als Gewaltanwendung im Sinne des § 177 Abs. 1 Nr. 1 StGB dar (vgl. BGH, Urteil vom 2. Oktober 2002 - 2 StR 153/02, NStZ-RR 2003, 42, 43 m.w.N.; Beschluss vom 23. November 1993 - 1 StR 739/93, BGHR StGB § 177 Abs. 1 Gewalt 10; Fischer StGB 57. Aufl. § 177 Rn. 7). Die durch eine fortdauernde tatbestandsmäßige Gewalteinwirkung erst geschaffene hilflose Lage des Opfers wird als Teil der Gewalt durch die Regelung des § 177 Abs. 1 Nr. 1 StGB erfasst. Die Begehungsalternative des § 177 Abs. 1 Nr. 3 StGB gelangt daneben nicht zur Anwendung, weil sie jedenfalls auf der Konkurrenzebene zurücktritt (vgl. SSW/Wolters § 177 Rn. 33).

Der Schuldspruch wird durch die unzutreffende rechtliche Würdigung nicht berührt. Der Strafausspruch kann ebenfalls bestehen bleiben. Die Strafkammer hat zwar im Rahmen der Strafzumessung die Verwirklichung der Begehungsvariante des § 177 Abs. 1 Nr. 3 StGB zum Nachteil des Angeklagten gewertet. Damit hat sie aber der Sache nach lediglich strafschärfend berücksichtigt, dass der Angeklagte die Nebenklägerin - über die Schläge und die Bedrohung mit dem Messer hinaus - auch in seinem Zimmer einsperrte, um sie zu sexuellen Handlungen zu nötigen. Der Senat kann ausschließen, dass der Tatrichter auf eine mildere Freiheitsstrafe erkannt hätte, wenn er das Einsperren der Nebenklägerin zutreffend als weitere Gewalteinwirkung im Sinne des § 177 Abs. 1 Nr. 1 StGB gewürdigt hätte.

Ernemann Solin-Stojanović Cierniak

Franke Bender