Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
1 StR 484/10 KI-generiert

Incorporation of monetary fines into total custodial sentence for VAT evasion and necessity of explicit reasoning under § 53 Abs. 2 StGB

Geschäftsnummer 1 StR 484/10
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Criminal Procedure (BGH) rejected the defendant's revision, upholding the Lower Regional Court's sentence of a total custodial term of two years and two months, which included the incorporation of nine accompanying monetary fines. The dispute centered on whether the trial court erred in sentencing for ten acts of VAT evasion amounting to approximately €240,000, specifically regarding the necessity to discuss potentially lighter sentencing alternatives and the failure to explicitly justify not applying the exception under § 53 Abs. 2 Satz 2 StGB that would allow the monetary fines to stand independently rather than being converted into custody. The BGH held that because all offenses targeted the same legal interest, incorporating the fines into a total custodial sentence was legally sound without explicit reasoning, and that the trial court had sufficiently considered mitigating factors, thus no legal error to the detriment of the defendant was found. Additionally, the court noted that the defense's procedural complaint regarding the lack of a translation of the indictment into Serbo-Croatian was inadequately addressed by the prosecution, though this did not result in a reversal given the defendant's demonstrated ability to plead in German. Key legal provisions included § 349 Abs. 2 StPO, § 53 Abs. 2 StGB, and Article 6 Abs. 3 Buchst. a MRK.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 2 StPO, § 53 Abs. 2 Satz 2 StGB, § 347 Abs. 1 Satz 2 StPO; Incorporation of monetary fines into total custodial sentence for VAT evasion and necessity of explicit reasoning under § 53 Abs. 2 StGB: The dispute centered on whether the trial court erred in sentencing for ten acts of VAT evasion amounting to approximately €240,000, specifically regarding the necessity to discuss potentially lighter sentencing alternatives and the failure to explicitly justify not applying the exception under § 53 Abs. 2 Satz 2 StGB that would allow the monetary fines to stand independently rather than being converted into custody. The BGH held that because all offenses targeted the same legal interest, incorporating the fines into a total custodial sentence was legally sound without explicit reasoning, and that the trial court had sufficiently considered mitigating factors, thus no legal error to the detriment of the defendant was found. Additionally, the court noted that the defense's procedural complaint regarding the lack of a translation of the indictment into Serbo-Croatian was inadequately addressed by the prosecution, though this did not result in a reversal given the defendant's demonstrated ability to plead in German. Key legal provisions included § 349 Abs. 2 StPO, § 53 Abs. 2 StGB, and Article 6 Abs. 3 Buchst. a MRK.

Schlagwörter

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Strafurteil Busse gegen Steuerpflichtige Anklage Mehrwertsteuerhinterziehung Strafvollstreckungsverjährung fehlerhafte Strafzumessung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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5 StR 392/02
Oktober 2002 - 5 StR 392/02).
1 StR 207/03
Juli 2003 - 1 StR 207/03; ferner BGH, Beschluss vom 22.
1 StR 471/01
November 2001 - 1 StR 471/01, NStZ 2002, 275, 276).
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 349 Abs. 2 StPO

The procedural basis cited in the dispositive for dismissing the revision as unfounded because the review did not reveal any legal error to the defendant's detriment.

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Volltext

Gesamtstrafenbildung bei Steuerhinterziehung: Einbeziehung von Geldstrafen in eine Gesamtfreiheitstrafe

[TENOR]

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main vom 11. März 2010 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend zu der Antragsschrift des Generalbundesanwalts vom 7. September 2010 bemerkt der Senat:

1. Angesichts der durch die zehn - innerhalb eines Zeitraums von fast anderthalb Jahren begangenen - Taten hinterzogenen Umsatzsteuer in Höhe von insgesamt nahezu 240.000 Euro ist es nicht rechtsfehlerhaft, dass das Landgericht nicht erörtert hat, ob statt der verhängten Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten eine noch niedrigere Strafe hätte schuldangemessen sein können, deren Vollstreckung möglicherweise zur Bewährung hätte ausgesetzt werden können. Zudem hat das Landgericht die im Wesentlichen für den Angeklagten sprechenden Gesichtspunkte (seine sonstige Unbestraftheit und das lange Zurückliegen der Taten) im Rahmen der Strafzumessung bedacht (vgl. BGH, Urteil vom 23. Oktober 2002 - 5 StR 392/02).

Die Gesamtfreiheitsstrafe ist aus der Einsatzstrafe von einem Jahr und fünf Monaten Freiheitsstrafe sowie neun Geldstrafen gebildet worden. Es stellt ebenfalls keinen durchgreifenden Rechtsfehler dar, dass das Landgericht hierbei nicht dargelegt hat, warum es von der durch die Ausnahmeregelung des § 53 Abs. 2 Satz 2 StGB eröffneten Möglichkeit keinen Gebrauch gemacht hat. Zwar bedarf die Nichtanwendung der genannten Vorschrift grundsätzlich dann einer ausdrücklichen Begründung, wenn nach den besonderen Umständen des Falles die Bildung einer Gesamtfreiheitsstrafe als das gegenüber dem Bestehenlassen der Geldstrafen schwerere Übel erscheint. Anders verhält es sich aber, wenn sich - wie hier - sämtliche Taten gegen dasselbe Rechtsgut richteten und deshalb die Einbeziehung der Geldstrafen in eine Gesamtfreiheitsstrafe nahelag (vgl. BGHR StGB § 53 Abs. 2 Einbeziehung, nachteilige 6).

2. Für die Beurteilung der Verfahrensrüge, die Anklageschrift sei dem Angeklagten entgegen Art. 6 Abs. 3 Buchst. a MRK nicht in die serbokroatische Sprache übersetzt worden, wäre es hilfreich gewesen, wenn die Staatsanwaltschaft in ihrer im Übrigen sorgfältig verfassten Gegenerklärung (§ 347 Abs. 1 Satz 2 StPO) dargelegt hätte, ob und ggf. in welchem Umfang der Angeklagte, der nach den Feststellungen bereits im Jahr 1990 nach Deutschland gekommen und in der Folge u.a. Geschäftsführer einer GmbH gewesen ist, seine in der Hauptverhandlung erfolgte Einlassung zu seiner Person und zur Sache in deutscher Sprache abgegeben hat. Ein diesbezüglicher Vermerk der am angegriffenen Urteil beteiligten Richter wäre ebenfalls zweckmäßig gewesen (vgl. BGH, Beschluss vom 1. Juli 2003 - 1 StR 207/03; ferner BGH, Beschluss vom 22. November 2001 - 1 StR 471/01, NStZ 2002, 275, 276).

Nack Wahl Hebenstreit

Jäger Sander