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1 StR 239/10 KI-generiert

Forfeiture of replacement value in tax evasion diversion cases where the recipient lacks fiscal liability

Geschäftsnummer 1 StR 239/10
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice (BGH) rejected the appeal of the forfeiture participant, upholding the Landgericht Kiel’s order of forfeiture of replacement value against her and leaving the lower court’s judgment in force. The dispute concerned the validity of a forfeiture order in a tax evasion case, where the defendant had transferred over 950,000 Euro to the participant through a chain of gratuitous transfers to shield the assets from legal seizure, constituting a "Verschiebungsfall" or diversion case. The court ruled that the transferred funds were acquired directly from the crime under §§ 73, 73a StGB, and the forfeiture did not violate the claims of the tax authority as an injured party under § 73 Abs. 1 Satz 2 StGB, because the participant was neither a principal nor an accomplice in the tax evasion offenses and thus incurred no liability under § 71 AO, allowing the civil forfeiture to proceed independently of the fiscal claims.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 2 StPO, § 370 AO, § 73 Abs. 3 StGB, § 73 Abs. 1 Satz 2 StGB, § 73 StGB, § 71 AO; Forfeiture of replacement value in tax evasion diversion cases where the recipient lacks fiscal liability: The dispute concerned the validity of a forfeiture order in a tax evasion case, where the defendant had transferred over 950,000 Euro to the participant through a chain of gratuitous transfers to shield the assets from legal seizure, constituting a "Verschiebungsfall" or diversion case. The court ruled that the transferred funds were acquired directly from the crime under §§ 73, 73a StGB, and the forfeiture did not violate the claims of the tax authority as an injured party under § 73 Abs. 1 Satz 2 StGB, because the participant was neither a principal nor an accomplice in the tax evasion offenses and thus incurred no liability under § 71 AO, allowing the civil forfeiture to proceed independently of the fiscal claims.

Schlagwörter

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Verwirkung Steuerhinterziehung Vermögensübertragung Streitwert Ersatzwert privatrechtliche Haftung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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BGHSt 45, 235
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 349 Abs. 2 StPO

Cited in the dispositive as the procedural basis for dismissing the revision as unfounded because the review did not reveal any legal error to the detriment of the participant.

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Volltext

Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung: Anordnung des Wertersatzverfalls in so genannten Verschiebungsfällen

[TENOR]

Die Revision der Verfallsbeteiligten gegen das Urteil des Landgerichts Kiel vom 21. Dezember 2009 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil der Verfallsbeteiligten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Die Beschwerdeführerin hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend zu den Ausführungen des Generalbundesanwalts in seinem Antrag vom 21. Juni 2010 bemerkt der Senat:

Der Umstand, dass die von der Verfallsbeteiligten B. erlangte Geldsumme von mehr als 950.000 Euro aus Steuerhinterziehungen (§ 370 AO) des Angeklagten stammte, steht der Anordnung des Verfalls von Wertersatz gemäß § 73a i.V.m. § 73 Abs. 3 StGB nicht entgegen. Aus der Tat erlangt sind auch die hinterzogenen Steuern (vgl. Fischer, StGB, 57. Aufl. § 73 Rdn. 9).

Die Anordnung des Verfalls richtet sich gegen die Verfallsbeteiligte B., weil ein sog. Verschiebungsfall vorliegt. Bei dieser Fallgestaltung lässt der Täter oder Teilnehmer die Tatvorteile einer anderen Person unentgeltlich oder aufgrund eines jedenfalls bemakelten Rechtsgeschäfts zukommen, um sie dem Zugriff des Gläubigers zu entziehen oder um die Tat zu verschleiern (vgl. BGHSt 45, 235, 245f.). Hier hat B. die Geldsumme in ununterbrochener Bereicherungskette jeweils unentgeltlicher Zuwendungen ausgehend vom Angeklagten und vermittelt durch E. erlangt.

Der Anordnung des Verfalls stehen auch keine Ansprüche des Steuerfiskus als Verletztem im Sinne von § 73 Abs. 1 Satz 2 StGB entgegen. Zwar kann auch der Steuerfiskus Verletzter im Sinne dieser Vorschrift sein (vgl. BGHR § 73 StGB Verletzter 3). Dem Steuerfiskus ist jedoch aus den Taten des Angeklagten kein Anspruch gegen die Verfallsbeteiligte B. entstanden. Im Gegensatz zum Angeklagten und zu E. war B. weder Täterin einer Steuerhinterziehung, noch war sie an den Steuerstraftaten des Angeklagten beteiligt. Sie haftet deshalb auch nicht gemäß § 71 AO für die von dem Angeklagten verkürzten Steuern.

Nack Wahl Hebenstreit

Jäger Sander