Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
IX ZB 176/09 KI-generiert

Tax debt enforcement in insolvency: Priority of titled public-law claims over pending administrative litigation and exhaustion of execution objection remedies

Geschäftsnummer IX ZB 176/09
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Nichteintreten / Unzulässig (Inadmissible)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

KI-generiert

The Federal Court of Justice (BGH) dismissed the debtor’s legal complaint as inadmissible, thereby upholding the lower court's ruling that allowed the tax authority to open insolvency proceedings, resulting in a final victory for the creditor. The dispute concerned whether the insolvency court must refuse to open proceedings based on a fully enforceable tax assessment order if the debtor has pending tax court litigation regarding the timeliness of an objection, and whether the insolvency court failed to respect the debtor's right to be heard by ignoring that litigation. The court held that the issues were already settled by prior precedent: for a contested claim serving as the sole basis for insolvency, the claimant must prove its existence, but once a claim is titled (fully enforceable), the debtor must challenge its enforceability through the dedicated execution objection proceedings rather than raising defenses directly before the insolvency court; this principle applies equally to public-law tax claims unless the suspension of enforcement is explicitly demonstrated, which the debtor failed to prove or even apply for.

Legislator-Regeste

KI-generiert

§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO, § 574 Abs. 2 ZPO, § 14 InsO, § 16 InsO, § 14 Abs. 1 InsO, § 361 Abs. 1 AO; Tax debt enforcement in insolvency: Priority of titled public-law claims over pending administrative litigation and exhaustion of execution objection remedies: The dispute concerned whether the insolvency court must refuse to open proceedings based on a fully enforceable tax assessment order if the debtor has pending tax court litigation regarding the timeliness of an objection, and whether the insolvency court failed to respect the debtor's right to be heard by ignoring that litigation. The court held that the issues were already settled by prior precedent: for a contested claim serving as the sole basis for insolvency, the claimant must prove its existence, but once a claim is titled (fully enforceable), the debtor must challenge its enforceability through the dedicated execution objection proceedings rather than raising defenses directly before the insolvency court; this principle applies equally to public-law tax claims unless the suspension of enforcement is explicitly demonstrated, which the debtor failed to prove or even apply for.

Schlagwörter

KI-generiert
Betreibungsforderung Steuerschulden Zahlungsunfähigkeit Vollstreckung der Steuerveranlagung Besteuerungsgrundlage öffentliche Schulden

Zitierte Gesetzesbestimmungen

KI-generiert

Zitierte Rechtsprechung

KI-generiert
IX ZB 177/09
Admissibility of insolvency application on enforceable title when execution is suspended against security not yet furnished
IX ZB 245/05
Juni 2006 - IX ZB 245/05, ZIP 2006, 1452, 1453 f Rn.
IX ZB 12/07
November 2007 - IX ZB 12/07, ZIP 2008, 281, 282 Rn.
IX ZB 26/08
September 2009 - IX ZB 26/08, ZInsO 2009, 2072 Rn.
KI-generiert

Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

KI-generiert
§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO

Established the admissibility of the legal complaint, which served as the basis for the subsequent determination that it was procedurally inadmissible.

§ 574 Abs. 2 ZPO

Cited in the decision to justify the dismissal of the complaint as inadmissible due to a lack of fundamental legal significance or need for uniform case law.

Fragen Sie sich, wie dieser Entscheid auf Ihren Fall anwendbar ist?

Prüfen Sie diesen Entscheid zusammen mit Bundesrecht, kantonalen Erlassen, Kommentaren und Folgeentscheiden in Legislator AI.

Fall in Legislator öffnen →

Volltext

Insolvenzrecht: Steuerforderungen aus einem vollziehbaren Steuerbescheid als Eröffnungsgrund trotz Anhängigkeit eines finanzgerichtlichen Verfahrens

[TENOR]

Die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 1. Zivilkammer des Landgerichts Köln vom 23. Juni 2009 wird auf Kosten des Schuldners als unzulässig verworfen.

Der Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf 5.000 € festgesetzt.

[GRUENDE]

Die Rechtsbeschwerde ist statthaft (§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO in Verbindung mit § 6, 7, 26, 34 Abs. 1 InsO), jedoch unzulässig; weder hat die Sache rechtsgrundsätzliche Bedeutung noch erfordert die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts (§ 574 Abs. 2 ZPO).

1. Die von der Rechtsbeschwerde aufgeworfene, als rechtsgrundsätzlich angesehene Frage, ob die den Insolvenzantrag stellende Finanzbehörde den Anforderungen an die Glaubhaftmachung bzw. den Nachweis ihrer Forderungen gegen den Schuldner gemäß § 14 InsO durch Vorlage der Steuerbescheide genügt, wenn über die den Steuerbescheiden zugrundeliegenden Steuerforderungen ein finanzgerichtliches Verfahren anhängig ist, in dem auch über die Frage zu entscheiden ist, ob der Schuldner rechtzeitig Einspruch eingelegt hat, ist nicht klärungsbedürftig.

Ebenso wenig ist klärungsbedürftig die von der Rechtsbeschwerde aufgeworfene, als rechtsgrundsätzlich angesehene Frage, ob das Insolvenzgericht einen Grund für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens im Sinne des § 16 InsO annehmen darf, wenn über die Forderungen, auf die der Eröffnungsantrag gestützt wird, ein finanzgerichtliches Verfahren anhängig ist.

Beide Fragen sind geklärt (vgl. BGH, Beschl. v. 14. Januar 2010 - IX ZB 177/09, ZIP 2010, 291, 292 Rn. 6 ff m.w.N.).

Nach § 14 Abs. 1 InsO muss der Gläubiger ein rechtliches Interesse an der Eröffnung des Insolvenzverfahrens haben und seine Forderung sowie den Eröffnungsgrund glaubhaft machen. Eröffnet wird das Verfahren, wenn ein Eröffnungsgrund gegeben ist (§ 16 InsO). Soll der Eröffnungsgrund aus einer einzigen Forderung des antragstellenden Gläubigers abgeleitet werden und ist diese Forderung bestritten, muss sie für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens bewiesen sein (BGH, Beschl. v. 29. Juni 2006 - IX ZB 245/05, ZIP 2006, 1452, 1453 f Rn. 11; BGH, Beschl. v. 14. Januar 2010 aaO S. 292 Rn. 6).

Ist die Forderung des die Eröffnung des Insolvenzverfahrens betreibenden Gläubigers tituliert, muss der Schuldner Einwendungen gegen die Vollstreckbarkeit in dem dafür vorgesehenen Verfahren verfolgen (BGH, Beschl. v. 29. November 2007 - IX ZB 12/07, ZIP 2008, 281, 282 Rn. 9; v. 14. Januar 2010 aaO). Solange die Vollstreckbarkeit nicht auf diese Weise beseitigt ist, braucht das Insolvenzgericht die Einwendungen des Schuldners nicht zu berücksichtigen (BGH, Beschl. v. 17. September 2009 - IX ZB 26/08, ZInsO 2009, 2072 Rn. 5 m.w.N.; v. 14. Januar 2010 aaO).

Dies gilt auch für vollstreckbare öffentlich-rechtliche Forderungen (BGH, Beschl. v. 17. September 2009 aaO). Ob hiervon bei unstreitigen oder offensichtlichen Sachverhalten eine Ausnahme zu machen ist, bedarf keiner Klärung, denn der Sachverhalt ist streitig und das Ergebnis des finanzgerichtlichen Verfahrens nicht offensichtlich.

Der Schuldner hat nicht dargelegt, dass die Vollziehung der Steuerbescheide, die weder durch die behaupteten Einsprüche (vgl. § 361 Abs. 1 AO) noch durch die (Untätigkeits-) Klage gehemmt worden war (vgl. § 69 Abs. 1 FGO), ausgesetzt worden wäre (§ 361 Abs. 2 AO, § 69 Abs. 2 bis 4 FGO). Er hat nicht einmal entsprechende Anträge dargelegt.

2. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs des Schuldners lag schon deshalb nicht vor, weil das nach seiner Auffassung übergangene Vorbringen - insbesondere die von ihm erhobene Klage vor dem Finanzgericht und sein dortiger Vortrag zur rechtzeitigen Einlegung der Einsprüche - aus den dargelegten Gründen nicht entscheidungserheblich war.

3. Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 577 Abs. 6 Satz 3 ZPO abgesehen.

Ganter Gehrlein Vill

Lohmann Fischer