Private Conversations Not Covered by Racial Discrimination Law Without Public Act
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe court addressed concerns about the interpretation of a new criminal law against racial discrimination, specifically whether private conversations, such as those in a "Stammtisch" (regular's table) setting, would be covered. The court clarified that the law requires a public act to be applicable and, by analogy with existing laws protecting public order, a conversation among friends and acquaintances in a private setting would not meet this threshold. However, the court declined to give an absolute guarantee regarding future judicial interpretations, emphasizing that judicial independence means judges are bound solely by the law.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 259 StGB, Art. 261 StGB, Art. 261 bis StGB; Private Conversations Not Covered by Racial Discrimination Law Without Public Act: The court clarified that the law requires a public act to be applicable and, by analogy with existing laws protecting public order, a conversation among friends and acquaintances in a private setting would not meet this threshold. However, the court declined to give an absolute guarantee regarding future judicial interpretations, emphasizing that judicial independence means judges are bound solely by the law.
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KI-generiertThe decision implicitly refers to this article as the subject of the interpellation and the legal provision under discussion regarding the application of the criminal norm against racial discrimination.
Volltext
Interpellation Keller Rudolf 2490 N 16 décembre 1994
#ST# 94.3375 Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht Interpellation Keller Rudolf eine schriftliche Antwort
Stammtischgespräche Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates und Rassismus-Strafnorm vom 16. November 1994 Racisme. Application Rapport écrit du Conseil fédéral du 16 novembre 1994 de la norme pénale 1. Die in der Volksabstimmung vom 25. September dieses Jahres angenommene Strafbestimmung von Artikel 261 bis StGB («Rassendiskriminierung») hat ihren Standort im Zwölften Titel («Verbrechen und Vergehen gegen den öffentlichen Wortlaut der Interpellation vom 28. September 1994 Frieden») des Besonderen Teils des Strafgesetzbuches. Der öffentliche Friede als geschütztes Rechtsgut lässt sich um- Im Vorfeld der eidgenössischen Volksabstimmung, vom
25. September 1994 gab es zahlreiche Juristen, die sagten, schreiben als das Vertrauen der Bevölkerung oder einzelner
Bevölkerungsteile in den Bestand der Rechtsordnung als eidass die neue Rassendiskriminierungs-Strafnorm einen sehr ner Grundvoraussetzung für ein angstfreies Zusammenleben grossen Interpretationsspielraum offenlasse und dass sie sehr der Bürgerinnen und Bürger im Staat. unsorgfältig formuliert sei. Trotzdem haben viele dieser Juri- Gleich wie bei Artikel 259 StGB («öffentliche Aufforderung zu sten, im Bewusstsein kommender Auslegungsprobleme, die- Verbrechen oder zur Gewalttätigkeit») sowie bei den ersten ser Strafnorm zugestimmt, «um ein Zeichen zu setzen».
beiden Tatbestandsvarianten von Artikel 261 StGB («Störung Der Bundesrat und die Befürworter haben im Abstimmungsder Glaubensund Kultusfreiheit») wird auch in den ersten vier kampf aber immer wieder erklärt, dass Äusserungen am
Stammtisch nicht als öffentlich gelten würden und somit nicht Absätzen der Strafbestimmung gegen die Rassendiskriminie-
rung eine öffentliche Begehungsweise vorausgesetzt Weder unter die Strafnorm fielen. Der bekannte Strafrechtsprofessor dem Wortlaut der Gesetzesnorm noch den Materialien der Ent- Jörg Rehberg stellte demgegenüber am Abstimmungssonntag am Fernsehen fest, dass es sich beim Gesetz um eine stehungsgeschichte lässt sich im einzelnen entnehmen, wel-
schlecht umsetzbare Programmerklärung handle, die zu viele che Anforderungen an eine öffentliche Begehungsweise zu
stellen sind. Aufgrund einer am geschützten Rechtsgut orienschlecht umschriebene Begriffe enthalte. Dem Parlament und tierten Auslegung dieser Tatbestandsvoraussetzungen haben dem Bundesrat warf Rehberg vor, schlecht gearbeitet zu ha- Bundesrat und Verwaltung im Vorfeld der Abstimmung die ben. Insbesondere sei sehr unklar, wie die Äusserungen am
Stammtisch bewertet würden, auch wenn im Abstimmungs- Auffassung vertreten, dass in Artikel 261 bis StGB der Begriff
des öffentlichen Handelns in gleicher Weise aufzufassen ist kampf anderes behauptet wurde.
wie bei Artikel 259 StGB oder bei Artikel 261 StGB, da auch für Ich frage deshalb den Bundesrat:
diese beiden Bestimmungen der öffentliche Friede als ge-
1. Teilt er die juristischen Gesetzestextinterpretations-Äusse-
rungen von Herrn Professor Jörg Rehberg, oder ist dieser auf schütztes Rechtsgut im Vordergrund steht. Aufgrund der
Rechtsprechung des Bundesgerichtes zu den Voraussetzundem Holzweg?
gen einer «öffentlichen Aufforderung» nach Artikel 259 StGB
2. Kann der Bundesrat auch nach der Abstimmung die abso-
lute Zusicherung abgeben, dass Stammtischgespräche nicht ergibt sich, dass eine Störung oder Gefährdung des öffentli-
unter die Strafnorm fallen? chen Friedens dann zu bejahen ist, wenn ein «grösserer, durch persönliche Beziehungen nicht zusammenhängender Kreis von Personen» von der Aufforderung Kenntnis nehmen Texte de l'interpellation du 28 septembre 1994
De nombreux juristes ont affirmé, dans le cadre de la votation und «durch die Aufforderung beeinflusst werden kann» (BGE
populaire fédérale du 25 septembre 1994, que la nouvelle 111 IV154). An die bei Artikel 261 bis StGB vorausgesetzte öf-
fentliche Begehungsform sind grundsätzlich die gleichen Annorme pénale en matière de discrimination raciale laissait une forderungen zu stellen. Zum gleichen Ergebnis gelangt man, très grande marge d'interprétation et qu'elle avait été formulée wenn man zur grösstmöglichen Schonung des Grundrechts très maladroitement Malgré tout, nombre d'entre eux, consder Meinungsäusserungsfreiheit das einer mehrfachen Deucients des problèmes d'interprétation qu'elle allait engendrer,
ont néanmoins approuvé la norme pénale «pour donner tung zugängliche Tatbestandsmerkmal der öffentlichen Bege-
hungsweise in einer verfassungskonformen Art und Weise l'exemple».
auslegt Nach Auffassung des Bundesrates erfüllt damit eine Le Conseil fédéral et les partisans de la norme ont toujours dit, Unterhaltung zwischen Freunden und Bekannten beispielspendant la campagne précédant la votation, que les opinions weise in einer Stammtischrunde die Voraussetzung einer öfexprimées au café du coin n'étaient pas considérées comme
des déclarations publiques et ne tombaient donc pas sous le fentlichen Begehungsweise im Sinne von Artikel 261 bis StGB
klarerweise nicht coup de la norme pénale. Jörg Rehberg, célèbre professeur
2. Das für unser Staatswesen prägende Gewaltenteilungsprinde droit pénal, a constaté à la télévision, le dimanche de la vo-
tation, qu'il s'agissait d'une déclaration d'intention difficilezip schliesst die Garantie der richterlichen Unabhängigkeit in
sich ein. Nach dem Grundsatz der sachlichen Unabhängigkeit ment transposable dans une loi, étant donné qu'elle contenait der Rechtsprechung ist der Richter ausschliesslich dem Gebeaucoup trop de notions mal définies. Il a reproché au Parlesetz unterworfen und damit weisungsunabhängig. Der Bunment et au Conseil fédéral de ne pas avoir fait du bon travail. La desrat hat im Vorfeld der Abstimmung auch darauf hingewievaleur des déclarations faites au café du coin reste, selon lui,
indéterminée, malgré ce qui a été dit durant la campagne présen. Es ist dem Bundesrat nicht möglich, eine absolute Zusi-
cherung abzugeben, wonach ein Gespräch am Stammtisch cédant la votation.
von der künftigen Rechtsprechung zu Artikel 261 bis StGB Je demande donc au Conseil fédéral:
nicht als öffentliche Äusserung beurteilt werden wird, wenn-
1. Partage-t-il l'avis du Professeur Jörg Rehberg sur l'interprégleich er überzeugt ist, dass die Gerichte ein reines Stammtation juridique du texte de loi, ou pense-t-il que celui-ci fait tischgespräch nicht als strafbar erachten werden. fausse route?
2. Peut-il offrir la garantie absolue, après la votation, que les Erklärung des Interpellanten: teilweise befriedigt discussions de café ne tomberont pas sous le coup de la Déclaration de l'interpellateur: partiellement satisfait norme pénale?
Mitunterzeichner-Cosignataires: Bischof, Stalder, Steffen (3) Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Keller Rudolf Stammtischgespräche und Rassismus-Strafnorm
Interpellation Keller Rudolf Racisme. Application de la norme pénale
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1994 Année Anno
Band IV Volume Volume
Session Wintersession Session Session d'hiver Sessione Sessione invernale
Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale
Sitzung 15 Séance Seduta
Geschäftsnummer 94.3375 Numéro d'objet Numero dell'oggetto
Datum 16.12.1994 - 08:00 Date Data
Seite 2490-2490 Page Pagina
Ref. No 20 024 985
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