Altdorf vs. Thun: Federal Armaments Factory Management Restructuring
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThis interpellation concerns the restructuring of federal armaments companies, specifically the decision to consolidate the management of the Altdorf and Thun munitions factories under a single leadership based in Thun. The core issue is the perceived downgrading of the Altdorf factory, which the interpellant fears will lead to job losses and a qualitative decline, contrary to regional development policies. The federal council's response emphasizes that while management will be centralized in Thun due to logistical advantages and the concentration of related facilities, the Altdorf production site will remain operational with three business units, aiming to mitigate negative consequences and balance regional and economic considerations in a complex restructuring process.
Legislator-Regeste
KI-generiertAltdorf vs. Thun: Federal Armaments Factory Management Restructuring: The core issue is the perceived downgrading of the Altdorf factory, which the interpellant fears will lead to job losses and a qualitative decline, contrary to regional development policies. The federal council's response emphasizes that while management will be centralized in Thun due to logistical advantages and the concentration of related facilities, the Altdorf production site will remain operational with three business units, aiming to mitigate negative consequences and balance regional and economic considerations in a complex restructuring process.
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KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertVolltext
Interpellation Danioth 420 31 mai 1994
Art. 7-11 Je prie le Conseil fédéral de répondre aux questions sui-
Antrag der Kommission vantes:
Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates 1. Compte tenu du potentiel industriel de la fabrique d'Altdorf,
Proposition de la commission quelles sont les raisons qui justifient le déclassement de cette
Adhérer au projet du Conseil fédéral entreprise, qui va devenir pour ainsi dire la filiale de la fabrique
de Thoune?
Angenommen -Adopté 2. Quels sont les arguments déterminants - outre ceux qui ont
été mentionnés par les médias - qui ont fait que Thoune a été
Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble choisie comme siège de la direction unique?
Für Annahme des Entwurfes 30 Stimmen 3. Le Conseil fédéral est-il prêt à ordonner au DMF de réexami-
(Einstimmigkeit) ner le choix du siège de la direction ou de confier cette tâche à
des experts indépendants?
4. Quelles mesures le Conseil fédéral est-il disposé à prendre
An den Nationalrat-Au Conseil national pour atténuer les très graves conséquences que va entraîner
la décision du DMF, laquelle contredit la politique d'aide aux
régions, et notamment aux régions de montagne, tout en al-
lant à rencontre des intérêts de l'Etat?
5. Le Conseil fédéral est-il prêt à tenir dûment compte des inté-
#ST# 93.3567 rêts des petits cantons de notre Etat fédéral s'il était amené à
prendre, à l'avenir, d'autres décisions de ce type?
Interpellation Danioth
Mitunterzeichner- Cosignataires: Ziegler Oswald (1 )
Zukunft der Munitionsfabrik Altdorf
Avenir de la fabrique Danioth Hans (C, UR): Anden mehr oder weniger unvermeid-
de munitions d'Altdorf lichen Abbau von Arbeitsplätzen des Bundes, vorab in Berei-
chen der SBB und des Militärs, ist man im Kanton Uri seit eini-
ger Zeit gewöhnt Vor allem auch bei der Munitionsfabrik Alt-
dorf sind in den letzten Jahren schmerzliche Redimensionie-
rungen mit Stellenabbau durchgeführt worden. Ein harter
Wortlaut der Interpellation vom 6. Dezember 1993 Schlag war die Ankündigung von Anfang Dezember letzten
Laut kürzlicher Mitteilung des EMD sollen die beiden Muniti- Jahres, dass abermals 150 Arbeitsplätze abgebaut werden
onsfabriken Altdorf und Thun im Rahmen einer grossen Um- müssten.
strukturierung eidgenössischer Rüstungsbetriebe unter einer Da in solidarischer Weise das Redimensionierungspotential
einzigen Leitung zusammengefasst werden. Die Geschäftslei- im Zusammenhang mit dem neuen strategischen Umfeld auf
tung dieses Unternehmens soll dem Vernehmen nach in Thun beide Munitionsfabriken, also Thun und Altdorf, etwa gleich-
angesiedelt werden. Nebst dem Abbau von gleich vielen Stel- massig verteilt wurde, brachte man dies- und jenseits des Su-
len in Altdorf und Thun sind mit der führungsmässigen Herab- stens dem unvermeidlichen Opfer ein gewisses Verständnis
stufung der Munitionsfabrik Altdorf (MFA) ein Aderlass von entgegen.
zahlreichen Kaderstellen und längerfristig eine qualitative Aus- Unerwartet und daher um so härter traf die Munitionsfabrik Alt-
dünnung der MFA verbunden. Da das heutige und zukünftige dorf, von der Direktion bis zum letzten Mitarbeiter, sowie Be-
Schwergewicht der Produktion eher für Altdorf spricht, ist die hörden und die interessierte Öffentlichkeit die gleichzeitige
Entscheidung in Uri auch politisch auf grosse Enttäuschung Mitteilung, dass laut dem Lenkungsausschuss des Teilprojek-
gestossen. tes «Industriepotential» inskünftig Thun zum Managementsitz
Ich ersuche den Bundesrat um die Beantwortung folgender nicht nur für die Produktionsstätten von Thun und Wimmis,
Fragen: sondern auch von Altdorf erkoren worden ist.
1. Wie wird angesichts des betrieblichen Potentials die Herab- Die Zusammenfassung der neuen Munitionsfirma unter der
stufung der MFA zur «Filiale» von Thun begründet? Gesamtleitung mit entsprechender Geschäftseinheit mit Sitz
2. Welche Gründe haben nebst den in den Medien genannten in Thun wurde in der Folge auch vom Chef EMD gebilligt Es
für den Standort Thun den Ausschlag gegeben? wurden hierfür rein geschäftsmässige Überlegungen ange-
3. Ist der Bundesrat bereit, das EMD anzuweisen, die Stand- führt Inzwischen sind schon erste Personalentscheide auf Di-
ortfrage der Geschäftsleitung zu überprüfen beziehungsweise rektionsebene gefallen, womit offenbar vollendete Tatsachen
gegebenenfalls durch aussenstehende Fachleute überprüfen geschaffen sind.
zu lassen? Die Begründung für die Zurücksetzung von Altdorf vermag im
4. Welche Massnahmen ist der Bundesrat zu ergreifen gewillt, Urnerland jedoch nicht zu überzeugen. Einige grundsätzliche
um die jeglicher Regional- und Berggebietsförderung, wie Überlegungen sind in dieser Hinsicht weiterhin aktuell. Zwar
auch staatspolitischen Rücksichten, zuwiderlaufende Mass- ist die Bildung von schlanken Geschäftseinheiten zu begrüs-
nahme in ihren verhängnisvollen Folgen zu mildern? sen; dies gilt vor allem dann, wenn sie eine ausgeprägte Auto-
5. Ist der Bundesrat bereit, bei ähnlichen Entscheidungen ins- nomie eingeräumt erhalten.
künftig die kleinen Kantone unserer föderalistischen Struktur In Altdorf sind drei solche Geschäftseinheiten geplant: nebst
entsprechend angemessen zu berücksichtigen? der Grosskalibermunition die Umformtechnologie und die Si-
tuierung der Hohlladungen. Hinzu kommen die von der Ge-
Texte de l'interpellation du 6 décembre 1993 schäftsleitung in Altdorf aktiv und innovativ getätigten Erweite-
Le DMF a récemment annoncé qu'il allait doter les deux fabri- rungen im zivilen Bereich. Gerade die in jüngster Zeit bewie-
ques de munitions d'Altdorf et de Thoune d'une seule et sene hohe unternehmerische Verantwortung, mit der man
même direction, cette mesure s'inscrivant dans une vaste re- sich neuen, bisher ungewohnten Herausforderungen stellte,
structuration des entreprises fédérales d'armement A ce qu'il sowie die Identifizierung von Volk und Behörden mit dem
paraît, le siège de cette direction unique se situera à Thoune. «Schächenwald», wie die Munitionsfabrik wegen ihrer Lage
Outre le fait que la fabrique d'Altdorf verra disparaître autant volkstümlich genannt wird, hätten die Standortvergebung des
d'emplois que celle de Thoune, elle perdra de nombreux pos- Sitzes nach Uri gerechtfertigt
tes de cadres, ce qui entraînera son déclassement et, à plus Zwar kämpfte auch die Region Thun mit voller Berechtigung
long terme, sa satellisation. Comme les grandes orientations für ihr Anliegen. Angesichts der um ein Vielfaches grösseren
actuelles et futures de la production parlent plutôt en faveur und auch weiträumigeren Diversifikation mit Militärbetrieben
d'Altdorf, les mesures envisagées par le DMF ont suscité une im Berner Oberland bestehen aber doch Unterschiede. Die
profonde déception dans le canton d'Uri, notamment dans les Gesamtleitung der Munitionsfabrikationsbetriebe wäre ange-
milieux politiques. sichts der heutigen Produktivität in Altdorf sowie der voraus-
31. Mai 1994 421 Interpellation Danioth
setzbaren Mobilität vor allem im Kaderbereich und der mode- Komplexität von Technik und Wirtschaft lässt sich der hehre
rnen Telekommunikationsmittel auch von Altdorf aus so gut Grundsatz, «aus Schwertern Pflugscharen zu machen», nicht
möglich wie von Thun aus. Die grössere Nähe zur Bundes- mehr so leicht in die Tat umsetzen. Im Kerngehalt sollte dieser
stadt, wie vom Chef EMD einmal erwähnt, sollte hier über- Grundsatz indessen richtungweisend für ein solidarisches
haupt keine Rolle spielen. Handeln des ganzen Landes sein und bleiben.
Die Auswirkungen des Unternehmensentscheides sind zwar
nicht kurzfristig, aber auf längere Zeit ganz eindeutig negativ Villiger Kaspar, Bundesrat: Ich habe sehr viel Verständnis für
zu veranschlagen. Ein klares Bekenntnis zur Eigenständigkeit diese Interpellation, und ich verstehe die Sorge, die man im
wird zwar für die Überlebensfähigkeit der Geschäftseinheiten Kanton Uri hat. Man hat diese Sorge in allen Regionen, wo das
wohl entscheidend sein. Selbst wenn die Geschäftseinheit EMD viele Arbeitsplätze hat Ich glaube, es ist legitim und wich-
eine gewisse unternehmerische Autonomie ermöglicht, wird tig, dass man immer wieder über diese Probleme diskutiert.
der Wegzug oder der Verlust von Kaderstellen aus dem Kan- Ich möchte auch kurz ausholen. Der Interpellant hat darauf
ton Uri indessen kaum zu vermeiden sein. Unser Kanton ge- hingewiesen: Es sind eigentlich zwei Effekte, welche zu dieser
hört seit Jahren zu jenen Gegenden mit der geringsten Rück- Redimensionierung unseres Rüstungspotentials führen. Es
laufquote von Hochschulabsolventen, vor allem der techni- sind sogar drei Effekte: die Verkleinerung der Armee, die tech-
schen Richtung. Immer weniger Urner und Urnerinnen finden nologischen Veränderungen - mehr Simulation statt scharfer
eine adäquate Beschäftigung in ihrer Herkunftsregion. Der Schuss -; es sind aber auch die Budgetkürzungen, die zum
Teufelskreis der Abwanderung wird damit beschleunigt, was Teil erheblich über das hinausgingen, was wir eigentlich im
in den Arbeitslosenziffern eben nicht zum Ausdruck kommt. Hinblick auf die kleinere Armee hätten haben wollen. Dieses
Als längerfristige Auswirkung des Standortentscheids für die Departement - ich habe es schon einige Male gesagt- hat seit
Munitionsfirma ist sodann nicht von der Hand zu weisen, dass 1990 erheblich abgespeckt. Wir haben schon über 2000 Stel-
bei einem weiteren Aderlass unserer Armeebestände und ei- len abgebaut. Wir haben in realen Werten über eine Milliarde
nem nochmaligen Abbau im Rüstungsbereich die Aussenpo- Franken gespart. Wir sind im Moment etwa 15 Prozent unter
sten oder Filialen zuerst «dranglauben» müssen. Die Industrie den Realwerten von 1990, und es werden bis 1997 mit den
hat es kürzlich drastisch vorexerziert (Stichwort Monteforno). Sparpaketen ungefähr gegen 20 Prozent Einsparungen ge-
Die wohl gravierendste Auswirkung dieses Standortentschei- genüber 1990 in den Gesamtausgaben des Departementes
des besteht darin, dass der bislang zweitgrösste Betrieb im sein. Das ist ganz erheblich. Es übersteigt wahrscheinlich
Kanton Uri inskünftig unternehmensmässig und wohl auch auch das, was international üblich ist.
gesellschaftspolitisch von auswärts geleitet wird. Die Ent- Ich sage das nur jenen, die immer noch mehr aus dem EMD
scheidträger eines Unternehmens können nebst den unter- herauspressen wollen. Einmal ist dieser «Steinbruch» er-
nehmerisch-wirtschaftlichen auch die unerlässlichen gesell- schöpft, und dann stellt sich die Frage: Wollen wir noch eine
schaftlichen, sozialen und kulturellen Komponenten bei wich- glaubwürdige Landesverteidigung, oder wollen wir sie nicht?
tigen Entscheiden nur einbringen, wenn sie mit Land und Leu- Es stellt sich dann auch die Frage des Auftrags der Armee.
ten vertraut und verbunden sind. Bei allem Respekt und aller Diese Lage hat zwingend zur Folge, dass wir die Rüstungsbe-
Sympathie für unsere Berner Miteidgenossen können wir von triebe redimensionieren müssen. Das ist unausweichlich. Wir
ihnen nicht verlangen, dass sie hier über ihren eigenen Schat- versuchen, das so zu tun, dass wir eine Struktur suchen, die
ten springen. Die Zukunftsperspektiven der heute noch relativ langfristig auch mit der kleineren Armee trägt und lebensfähig
selbständigen Geschäftseinheiten in Altdorf sind daher kei- ist. Das wollen wir andererseits mit den erwähnten Diversifika-
neswegs rosig. tionsbemühungen, mit einer Begleitung durch Sozialpläne
Noch ein weiterer Aspekt zur regionalpolitischen und gar usw. flankieren. Es ist uns gelungen, diese über 2000 Stellen
staatspolitischen Seite dieser zunehmenden Fremdbestim- zu streichen und praktisch nur sehr wenige Entlassungen aus-
mung: Die Armee und ihre Basisbetriebe waren und sind im zusprechen. Es wurden bis heute etwa 32 Entlassungen nötig,
«Gotthardkanton» traditionell willkommen und wohlgelitten. weil zum Teil die Leute Alternativen nicht akzeptiert haben;
Das darf man behaupten. Man nimmt auch die Kehrseite der aber der ganze Rest konnte mit Sozialplan, Frühpensionierun-
Medaille und damit gewisse Immissionen in Kauf, im Wissen gen, Solidaritätsaktionen usw. einigermassen durchgezogen
um unbestreitbare Vorteile und um die unerlässliche Lei- werden.
stungsbereitschaft jener Region im Interesse des ganzen Lan- Aber auch wenn man das Schicksal des einzelnen mit einem
des. Doch darf ich in diesem Zusammenhang an den Vorstoss Sozialplan mildern kann, so kann man das für die Region
unseres Vorgängers im Ständerat, Herrn Kollege Franz Mu- nicht tun, denn wenn der Arbeitsplatz weg ist, dann ist er
heim, erinnern, der schon als Urner Landrat die Umwandlung auch für Nachwuchs, für Junge, nicht zur Verfügung, für Lehr-
der Munitionsfabriken und anderer Bundesbetriebe in Aktien- stellen usw. Deshalb sind die Konsequenzen gerade für Uri,
gesellschaften gefordert hatte, um sicherzustellen, dass sol- auch im Lehrstellenbereich, wenn ich noch die KMVund alles
che Betriebe des Bundes durch Steuern und allenfalls Divi- dazu nehme, zum Teil recht schmerzlich. Dafür haben wir
denden - wie er damals sogar meinte - auch einen allgemei- Verständnis.
nen Beitrag an die örtlichen Infrastrukturkosten solcher Ge- Aber man kann dem Bären den Pelz nicht waschen, ohne dass
genden und Kantone bezahlen. Dies geschah zu einer Zeit, da er nass wird. Wir können nicht beides, Regionalpolitik mit im-
andere Gegenden sich durch Ansiedlung von kapitalkräftigen mer weniger Geld betreiben und dazu eine leistungsfähige Ar-
Unternehmungen erkleckliche Steuereingänge sichern konn- mee aufrechterhalten. Wir haben uns bemüht und bemühen
ten. Seitens des Bundesrates verwies man dannzumal auf die uns weiter, flankierend zu helfen, dass vielleicht wieder neue
absolut krisensicheren Arbeitsplätze. Das war einmal. Heute Arbeitsplätze entstehen.
wären wirfroh, wenn wenigstens diese damalige bundesrätli- Gerade in Uri haben wir einiges tun können. Ich erinnere an
che Aussage vor der Realität standhalten könnte. die Mittelkaliber-Flab, an die Reprivatisierung eines Teils unse-
Ich habe den Bogen der Interpellationsbegründung bewusst rer Produktion mit Zusatzproduktion aus dem Mittelland, die
weiter gespannt, denn der mit der Truppenreduzierung ver- doch einige Arbeitsplätze hat erhalten können. Ich denke an
bundene Abbau im Rüstungsbereich impliziert ja nicht in er- das Pilotprojekt «Autoersatzteile»; ich denke an die Kühl-
ster Linie für das EMD, sondern für den Bund als Gemeinwe- schrankentsorgung. Das ist nicht gewaltig, aber es ist immer-
sen eine gewisse Verpflichtung, gerade in schwächeren Re- hin etwas.
gionen für Ausgleich besorgt zu sein. Das EMD hat zwar, wie Ich darf vielleicht einfach noch zur erwähnten Äusserung vom
auch generelle Abklärungen der GPK soeben ergeben haben, Vorredner, von Herrn Danioth, sagen: Ich glaube nicht, dass
die Konversion einzelner freiwerdender Teilbereiche von Rü- eine privatisierte Munitionsfabrik heute weniger Probleme
stungsbetrieben in private Produktionszweige initiiert. Für hätte und noch irgendwelche Steuern abliefern würde. Ich
diese Initiative darf man dem Vorsteher und seinen Mitarbei- glaube, die Privatisierung allein wäre in diesem Bereich kein
tern auch danken. Doch sind solchen Bestrebungen ange- Heilmittel gewesen. Aber wir möchten versuchen, eine Politik
sichts der privatwirtschaftlichen Grundsätze, die hier respek- zu betreiben, die vielleicht später Umwandlungen in andere
tiert werden müssen, enge Grenzen gesetzt Angesichts der Strukturen, in Aktiengesellschaften oder Mischfirmen usw., er-
Interpellation Büttiker 422 31 mai 1994
möglichen würde. Wir sind also sehr offen. Wir möchten auch an einem Standort zu konzentrieren, trägt, so meinen wir, den
die neuen Betriebe so managen, wie wir das jetzt schon versu- Anliegen der Regionen in angemessener und ausgewogener
chen, nämlich nach privatwirtschaftlichen Grundsätzen. Weise Rechnung und verteilt die Lasten der Umstrukturierung
Ich habe gesagt, dass der ganze Bereich, wo wir produktiv tä- möglichst gerecht.
tig sind, dieser Restrukturierung unterworfen wird, genau so Es ergibt sich also hier nach Auffassung des Bundesrates kein
wie das Departement an sich auch. Die Entscheide sind im Widerspruch zu den Zielen der regionalen Berggebietsförde-
Prinzip erst bei den Munitionsfirmen getroffen worden, und rung. Deshalb sieht der Bundesrat im Moment auch keinen
jetzt sind wir an der Umsetzung. In den anderen Bereichen ist Anlass, zusätzliche Massnahmen zu treffen. Er hat ja vor allem
die Arbeit erst im Gange. Es ist eine äusserst komplexe Auf- die Lex Bonny in einer ordnungspolitisch weniger heiklen
gabe, so etwas zu restrukturieren. Es sind noch zwei Bereiche. Form jetzt auch zur Verlängerung vorgeschlagen. Das wird Sie
Es ist der Bereich Maschinen, Waffen usw. Hier sind die Kon- ja in diesem Räume auch nächstens noch beschäftigen. Wir
struktionswerkstätte Thun und die Waffenfabrik Bern betrof- glauben also, dass wir die sozialpolitischen, betriebswirt-
fen. Es ist auch die KMV betroffen. Also im Raum Bern, Herr schaftlichen und regionalpolitischen Aspekte - soweit wir das
Danioth, wird in der Zukunft auch noch einiges restrukturiert überhaupt können - berücksichtigt haben. Der Bundesrat ist
werden müssen. Dass wir wahrscheinlich den guten Mittelweg weiterhin bereit und gewillt, den föderalistischen Rahmenbe-
gefunden haben, zeigt sich daran, dass die beiden Kantonsre- dingungen Rechnung zu tragen.
gierungen mit äquivalentem Missmut jeweilen bei mir vorspre- Was in der Bundesverwaltung auch immer wieder ansteht, ist,
chen. Ich glaube doch, dass wir versuchen, nicht die einen ge- dass man etwas interdépartemental denkt Sie haben das zu
gen die anderen auszuspielen. Recht angeführt. Man kann nicht das EMD allein zwingen, mit
Es kommt noch der Bereich Flugzeuge, mit dem Flugzeug- Geld, das es gar nicht hat, die ganze Regionalpolitik zu betrei-
werk Emmen, mit dem BAMF, der auch in eine Art Einheit über- ben. Mir fällt auf, dass man immer beim EMD Konversion for-
führt werden soll, zumindest Teile davon. Das alles ist jetzt erst dert, bei den SBB und bei den PTTnie! Das hat vielleicht auch
in Planung; dort werden auch noch Entscheide anstehen, die gewisse politische Hintergründe, aber man muss doch die Ar-
nicht leicht zu fällen sein werden. beitsplätze des Bundes und die Aufgabe des Bundes als Gan-
Ich komme nun speziell zu den aufgeworfenen Problemen im zes betrachten und nicht nur das EMD isoliert sehen.
Bereich der Munitionsherstellung in Thun und Altdorf. Im Rah- Ich möchte abschliessend ausdrücklich betonen, dass wir auf
men der Reorganisation dieser Munitionsbetriebe wird die Mu- den Kanton Uri angewiesen sind. Wir wissen das. Wir wissen,
nitionsfabrik Altdorf nicht zu einer «Filiale von Thun» degra- dass wir Uri im Bereich Andermatt für die Ausbildung brau-
diert. Wir sind nicht dieser Meinung. Die drei bisherigen Pro- chen. Das wird auch in der Zukunft ein Schwerpunkt bleiben,
duktionsstandorte Altdorf, Thun und Wimmis bleiben gleich- auch mit Bezug auf die Regionalisierung der Ausbildung. Wir
berechtigt mit ihren zugeordneten Geschäftseinheiten erhal- wissen auch, dass die Bevölkerung von Uri immer treu zur Ar-
ten. Von ihrer Zusammenfassung unter eine gemeinsame Lei- mee gestanden ist. Das haben wir gewissen Abstimmungser-
tung sind die Direktionen und Stabsstellen der drei Betriebe in gebnissen entnehmen können. Wir wissen, dass wir eine Ver-
gleicher Weise betroffen. Auf die Arbeitsplätze im Produktions- antwortung in diesen Regionen haben, und ich möchte den
bereich hat die Reorganisation keine unmittelbaren Auswir- Bevölkerungen aller betroffenen Regionen, aller Regionen, wo
kungen. wir arbeiten dürfen, aber auch der Bevölkerung von Uri aus-
Ich sehe schon, dass es Ihnen vor allem um qualifizierte und drücklich für diesen Goodwill danken, den wir sehr zu schät-
um Kaderstellen geht; die reine Produktion wird nicht betrof- zen wissen und dem wir mit besonderer Verantwortung unse-
fen. Als Sitz der Geschäftsleitung der neuen Munitionsfirma rerseits begegnen möchten.
wären Thun und Altdorf an sich beide in Frage gekommen. Die
Wahl fiel schliesslich auf Thun, weil sich mit der Munitionsfa- Danioth Hans (C, UR): Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner
brik Thun und der Pulverfabrik Wimmis zwei der drei Betriebe Brust. Ich danke herzlich für das Verständnis, für die bisheri-
der neuen Firma in derselben Region befinden, also ein gen Aktivitäten des EMD und vor allem auch für die Art und
Schwergewicht bilden. Dazu kommt die räumliche Nähe der Weise, wie das EMD versucht, diesen unvermeidlichen
Pulvermühle in Aubonne. Schrumpfungsprozess durchzuziehen, um hier ein gewisses
Ausschlaggebend waren natürlich auch die räumliche Nähe Gleichgewicht herzustellen.
zum Hauptkunden und der Umstand, dass sich die Fachabtei- Nur zum Teil befriedigt erklären kann ich mich natürlich von
lung Ballistik und Munition der Gruppe für Rüstungsdienste, der Antwort auf die Kernfrage - es kann offenbar nichts mehr
die auch damit in Zusammenhang gesehen werden muss, geändert werden -, nämlich auf die Frage des Sitzes der Ge-
schon in Thun befindet samtunternehmungsleitung, denn auch die Gründe hierfür
Diese Optimierung ist ein Teilprojekt der laufenden Reform. sind nicht nachvollziehbar. Als geborener Optimist hoffe ich
Ich habe das bereits gesagt Es kommen alle dran, und diese aber vor allem auf die positiven Aspekte, d. h. vor allem auf die
Reform ist noch keineswegs zu Ende. Die Projektleitung liegt Gewährung einer grösstmöglichen Autonomie für diese Ge-
in den Händen des Rüstungschefs. Es sind aber auch externe schäftseinheiten.
Beratungsfirmen intensiv beteiligt. Sie haben diesen Punkt in
Ihrer Interpellation in eine Frage eingebaut Wir machen das
also mit fachtechnischer Begleitung von aussen, weil wir glau-
ben, dass wir einen Moderator brauchen, der unsere Arbeit #ST# 93.3645
begleitet, der neue Impulse gibt, der einen immer wieder
zwingt, zurück zum Wesentlichen zu kommen und nicht von Interpellation Büttiker
den Grundsätzen abzuweichen. Und das hat sich sehr gut be- Neuausrichtung der Zentralstelle
währt. Diese aussenstehende, sehr renommierte Beratungs-
firma war an der Gestaltung der neuen Munitionsfirma wesent-
für Gesamtverteidigung (ZGV)
lich mitbeteiligt. Réorientation de l'Office central
Wir haben aber auch versucht, neben den rein betriebswirt- de la défense (OC D)
schaftlichen Aspekten beim Projekt «Pulver und Munition»
auch regionalpolitische Gesichtspunkte einzubeziehen. Des-
halb hat die Projektleitung statt zwei Geschäftseinheiten, was
aus betriebswirtschaftlicher und organisatorischer Sicht näh-
ergelegen wäre, deren drei nach Altdorf vergeben. Wir glau- Wortlaut der Interpellation vom 16. Dezember 1993
ben, dass wir damit ein gewisses Gegengewicht zur Direktion Mitteilungen in der Presse konnte entnommen werden, dass
haben schaffen können und dass damit auch ein gewisser zu- der Bundesrat das EMD und die Bundeskanzlei beauftragte,
sätzlicher Erhalt von Kaderstellen in der Region Uri möglich aufgrund der veränderten sicherheitspolitischen Lage unter
sein wird. Der Entscheid, die drei Standorte Thun, Wimmis, Alt- anderem auch die Aufgaben der Zentralstelle für Gesamtver-
dorf beizubehalten und lediglich die übergeordnete Leitung teidigung (ZGV) zu überprüfen.
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Danioth Zukunft der Munitionsfabrik Altdorf
Interpellation Danioth Avenir de la fabrique de munitions d'Altdorf
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1994
Année
Anno
Band II
Volume
Volume
Session Sommersession
Session Session d'été
Sessione Sessione estiva
Rat Ständerat
Conseil Conseil des Etats
Consiglio Consiglio degli Stati
Sitzung 02
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 93.3567
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 31.05.1994 - 08:00
Date
Data
Seite 420-422
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Pagina
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