Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
VPB 93-3205 KI-generiert

Revision of Surveillance Laws for Foreign Criminal Expulsion

Geschäftsnummer VPB 93-3205
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (VPB) (CH)
Entscheiddatum
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

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A motion proposed that the Swiss Penal Code and other federal laws be revised to address telephone surveillance, recommending a restrictive catalog of offenses, improved protection for third parties, and subsequent effectiveness controls. The Federal Council agreed with the objective of expelling dangerous foreign criminals and supported focusing on administrative expulsion measures due to their greater flexibility. The court acknowledged the need to balance individual rights with effective crime prevention, particularly concerning organized crime, and accepted the motion to revise the legal framework for surveillance, emphasizing targeted use and enhanced legal safeguards.

Legislator-Regeste

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Art. 66ff. Bundesstrafrechtspflege; Revision of Surveillance Laws for Foreign Criminal Expulsion: The Federal Council agreed with the objective of expelling dangerous foreign criminals and supported focusing on administrative expulsion measures due to their greater flexibility. The court acknowledged the need to balance individual rights with effective crime prevention, particularly concerning organized crime, and accepted the motion to revise the legal framework for surveillance, emphasizing targeted use and enhanced legal safeguards.

Schlagwörter

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Revision des Strafurteils strafrechtliche Landesverweisung Restriktive Maßnahmen Gesetzlicher Schutz Asylrevision Straftaten gegen den Geheimbereich

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Art. 66ff. Bundesstrafrechtspflege
Cited as the legal basis for detailed procedural provisions at the federal level regarding surveillance.
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 66ff. Bundesstrafrechtspflege

Cited as the legal basis for detailed procedural provisions at the federal level regarding surveillance.

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Volltext

9. Dezember 1993 973 Motion des Nationalrates (GPK-NR)

nicht, sondern weise wie beim vorher behandelten Geschäft c. enge Umschreibung der übrigen Voraussetzungen wie kon-

einfach darauf hin: Es soll nach der Vorstellung der Experten kreter Tatverdacht, Eignung und Subsidiarität der Mass-

inskünftig bei der administrativen Landesverweisung bleiben, nahme, damit der kontrollierende Richter sicherstellen kann,

die weitere Verweisungsgründe vorsieht und mit grösserer dass nur die vom Gesetzgeber gewollten Ueberwachungen

Flexibilität gehandhabt werden kann als die strafrechtliche. stattfinden; der Richter sollte seinen Entscheid in jedem Ein-

Kurz und gut: Diese Gründe führten die diesmal einstim- zelfall summarisch begründen;

mige Kommission dazu, Ihnen zu beantragen, die Motion als d. verbesserter Schutz von Drittpersonen, insbesondere von

Postulat beider Räte zu überweisen, im Sinne eines Zeichens, solchen, denen ein Zeugnisverweigerungsrecht zusteht (z. B.

wie Sie es beim vorher behandelten Geschäft ebenfalls ge- durch besondere Verfahrensregelungen und Verwertungsver-

setzt haben. bote sowie durch Vorschriften über den Umgang mit Zufalls-

Ich bitte Sie, diesem Antrag zuzustimmen. funden); zu prüfen sind auch praktikable Möglichkeiten, zwi-

schen dem Abhörvorgang und dem untersuchungsleitenden

Bundesrat Koller: Ich war im Nationalrat bei der Diskussion Beamten einen Filter einzubauen, der verhindert, dass der Be-

nicht dabei. Die Debatte im Nationalrat, wie ich sie dann nach- amte Kenntnisse erlangt, die er nicht verwerten darf (abzuwä-

gelesen habe, hat mir gezeigt, dass der Vorstoss ja primär dar- gen gegenüber dem Bedürfnis der Strafverfolgungsbehörden

auf abzielt, gefährliche ausländische Gewalt- und Drogende- nach Direktschaltungen);

linquenten, die auch nach der Strafverbüssung als eine Gefahr e. Einführung einer nachträglichen Wirksamkeitskontrolle zu

für die öffentliche Sicherheit zu betrachten sind, kompromiss- den getroffenen Ueberwachungsmassnahmen (zumindest

los aus der Schweiz auszuweisen und sie danach möglichst soweit diese den Betroffenen nicht mitgeteilt werden und

lange fernzuhalten. diese daher keine Beschwerde erheben können) ;

Ich kann hier ausdrücklich erklären, dass der Bundesrat mit f. Anpassung der übrigen geltenden Vorschriften an die Erfah-

diesem Ziel vollständig einverstanden ist. Deshalb bin ich rungen in diesem Bereich (allenfalls durch Einführung einer

auch gerne bereit, das Postulat entgegenzunehmen. Meldepflicht der PTT-Behörden an den kontrollierenden Rich-

Wie Herr Zimmerli soeben ausgeführt hat, finden wir über- ter zu Beginn der Ueberwachung oder durch Schliessung von

haupt, dass das Nebeneinander der strafrechtlichen Landes- Lücken in den strafrechtlichen Bestimmungen über die Tele-

verweisung und der verwaltungsrechtlichen Landesverwei- fon- und Postkontrolle);

sung nach dem Anag eine eher unglückliche Sache ist Wir g. gesetzliche Regelung der Voraussetzungen und Verfahren

hoffen daher, dass wir das Problem längerfristig vor allem da- für die Anordnung von Observationen und den Einsatz von

durch lösen, dass wir uns auf die verwaltungsrechtlichen Fern- Verbindungsleuten; zu prüfen ist insbesondere, ob hierfür die

haltemassnahmen konzentrieren können; denn diese haben gleichen Regeln zu gelten haben wie für die Telefonüberwa-

gegenüber den strafrechtlichen den Vorteil viel grösserer Fle- chung.

xibilität. Zu prüfen ist jeweils, gestütztauf die Kompetenzordnung von

In diesem Sinne bin ich gerne bereit, das Postulat entgegen- Bund und Kantonen, ob eine Regelung ihre Wirkung nur für

zunehmen. die Bundesbehörden oder auch für kantonale Instanzen ent-

falten soll.

Ueberwiesen als Postulat- Transmis comme postulat Die Geschäftsprüfungskommission des Nationalrates ist peri-

odisch über den Verlauf der Vorarbeiten zu informieren.

Texfe de la motion du 16 juin 1993

#ST# 93.3205 Le Conseil fédéral est chargé de soumettre, jusqu'au premier

semestre de 1995 au plus tard, un projet spécial ne figurant

Motion des Nationalrates pas au programme de la législature, et concernant une révi-

(GPK-NR) sion du Code pénal suisse et d'autres lois, afin de tenir compte

Telefonüberwachung des conclusions auxquelles la Commission de gestion du

Conseil national est parvenue dans son rapport du 9 novem-

Motion du Conseil national bre 1992 concernant la surveillance téléphonique dans la

(CdG-CN) Confédération.

Surveillance téléphonique La révision doit servir notamment à réaliser les objectifs sui-

vants:

a création d'un bref catalogue exhaustif des infractions pou-

vant donner lieu à des mesures de surveillance téléphonique:

délits contre la sécurité de l'Etat, crimes graves spécialement

Wortlaut der Motion vom 16. Juni 1993 désignés; il y aura notamment lieu de placer dans cette liste

Der Bundesrat wird eingeladen, bis spätestens in der ersten des délits commis de façon répétée ou permanente et qui justi-

Hälfte 1995 das Schweizerische Strafgesetzbuch sowie wei- fient une surveillance policière complémentaire;

tere Bundesgesetze mit einer gesonderten Vorlage ausser- b. adjonction, au catalogue des infractions, d'une clause gé-

halb des Legislaturprogrammes so zu revidieren, dass den nérale applicable à toutes les sortes de délits, lorsqu'une sur-

Schlussfolgerungen im Bericht der Geschäftsprüfungskom- veillance téléphonique semble apte à déceler les structures di-

mission des Nationalrates vom 9. November 1992 über die Te- rigeantes du crime organisé; la définition de celui-ci doit per-

lefonüberwachung im Bund Rechnung getragen wird. mettre de cerner si possible les organisations criminelles

Im einzelnen hat die Revision insbesondere folgende Ziele zu ayant une envergure internationale, comprenant des cellules

verwirklichen: et prévoyant une répartition des activités;

a Schaffung eines restriktiven Deliktskataloges als Vorausset- c. description précise des autres conditions (dont la suspicion

zung für die Anordnung von Telefonüberwachungen: Staats- fondée sur des faits concrets, l'opportunité et le caractère sub-

schutzdelikte, ausgewählte schwere Verbrechen; aufzuneh- sidiaire de la mesure) afin que le juge chargé du contrôle

men sind in erster Linie wiederholt begangene oder fortdau- puisse déterminer si seules les mesures de surveillance vou-

ernde Straftaten, die eine begleitende Beobachtung durch die lues par le législateur sont exécutées; le juge devra exposer

Polizei rechtfertigen; sommairement les motifs de sa décision dans chaque cas;

b. Ergänzung des Deliktskataloges durch eine Generalklau- d. amélioration de la protection accordée à des tiers, notam-

sel, die alle Deliktarten umfasst, falls die Telefonüberwachung ment à ceux qui ont le droit de refuser de témoigner (p. ex par

geeignet erscheint, die Führungsstrukturen des organisierten des règlements spéciaux de procédure et des interdictions

Verbrechens zu erfassen; dessen Definition ist dabei mög- d'exploiter des renseignements, ainsi que par des disposi-

lichst auf Verbrechensorganisationen internationalen Zu- tions sur l'utilisation de découvertes dues au hasard); il y a

schnitts mit zellenartigem Aufbau und arbeitsteiligem Mana- aussi lieu d'étudier les possibilités d'opérer un filtrage des in-

gement zu konzentrieren; formations recueillies lors de l'écoute, avant de les transmettre

23-S

Motion du Conseil national (CdG-CN) 974 9 décembre 1993

au fonctionnaire chargé de l'instruction, afin d'empêcher que brechensbekämpfung und -Verhütung im allgemeinen und

celui-ci n'ait connaissance de renseignements qu'il n'a pas le der organisierten Kriminalität im besonderen mit gezielten ge-

droit d'exploiter (en l'occurrence, il sera nécessaire de procé- setzlichen Verbesserungen Rechnung zu tragen. Eine solche

der aune pondération des intérêts à protéger, d'une part, et de Verlagerung von der repressiven in die präventive Sphäre poli-

la nécessité pour les autorités chargées de la poursuite pénale zeilicher Tätigkeiten bewirkt unweigerlich, dass vermehrt Inter-

de procéder à des écoutes directes, d'autre part); essen- und Rechtskonflikte auftreten.

e. institution d'un contrôle subséquent de l'efficacité des me- War schon bisher nicht die Zahl der Telefonüberwachungen

sures de surveillance prises (en tout cas pour autant qu'elles das Hauptproblem in der Anwendung, sondern die Frage der

ne soient pas communiquées aux intéressés et que ceux-ci ne Rechtmässigkeit und Verhältnismässigkeit von Eingriffen in

soient pas en mesure de faire recours); die Privatsphäre der Bürger, so wird sich dieses Dilemma mit

f. modification des autres dispositions en vigueur compte tenu der erwähnten Verlagerung noch verschärfen, denn es ist na-

des enseignements de l'expérience dans ce domaine (le cas türlich unbestreitbar, dass sich die Polizei hier rechtsstaatlich

échéant par l'introduction d'une obligation faite aux services auf dünnem Eis bewegt

des PTT d'informer le juge chargé du contrôle au début d'une Dies darf jedoch nicht zum Verzicht auf den Einsatz jener tech-

surveillance ou par l'élimination de lacunes existant dans les nischen Mittel führen, welche im Kampf gegen das organi-

dispositions pénales sur le contrôle téléphonique et postal); sierte Verbrechertum für unsere Polizeiorgane unerlässlich

g. réglementation légale indiquant les conditions à remplir et sind. Die nicht von legalistischen Skrupeln geplagten kriminel-

la procédure à suivre pour ordonner que l'on fasse des obser- len Profis werden auch so der Polizei immer noch mindestens

vations et que l'on ait recours à des enquêteurs; il s'agit no- eine Nasenlänge voraus sein. Dies zeigt auf der anderen Seite

tamment d'examiner si les règles à appliquer dans de tels cas aber auch die Notwendigkeit auf, für eine Verstärkung des Per-

sont les mêmes que pour la surveillance téléphonique. sönlichkeits- und vor allem des Datenschutzes besorgt zu

Il faut examiner dans chaque cas si une réglementation doit, sein. Interessenkollisionen sind den anwendenden Behörden

en vertu de la répartition des compétences entre la Confédéra- und ausführenden Organen besser sichtbar zu machen. Ge-

tion et les cantons, déployer ses effets uniquement pour les setzgebung und Praxis sind auf die neueren Erkenntnisse der

autorités fédérales ou également pour celles des cantons. Judikatur und der EMRK abzustimmen.

La Commission de gestion du Conseil national doit être infor- Da sich die organisierte Kriminalität begriffsnotwendig über

mée périodiquement du cours des travaux préparatoires. längere Zeit erstreckt, also in der Regel ein Dauerdelikt dar-

stellt, ist auch die Ueberwachung auf Dauer angelegt. Das Ein-

Danioth, Berichterstatter: Der Nationalrat hat am 16. Juni griffspotential in die Privatsphäre des Bürgers nimmt damit

1993 diese Motion der GPK-NR oppositionslos und mit Zu- schlagartig zu. Die Bevölkerung muss Gewissheit haben, dass

stimmung des Bundesrates überwiesen. Polizei und Behörden kein Klima der allgemeinen und omni-

Diese Motion zielt auf eine zeitgemässe Legiferierung über die präsenten Ueberwachung schaffen, sondern im Gegenteil für

Telefonüberwachung im Bund hin, und zwar auch unter Ein- ihre Sicherheit diese Mittel gezielt nur dort einsetzen, wo sie

bezug der Polizeimittel der Observation oder Filature und von notwendig sind.

V-Leuten. Dies bedingt eine verstärkte rechtsstaatliche Einbindung der

Es stellt sich die Frage, ob auch dem Ständerat beantragt wer- Telefonüberwachung. Sie ist nur im Zusammenhang mit aus-

den soll, die Motion zu überweisen. Das Schweizerische Straf- gewählten Straftaten zuzulassen und auf die Bekämpfung der

gesetzbuch ist bekanntlich im Jahre 1979 durch den neuen Ar- organisierten Kriminalität zu konzentrieren. Besondere Verfah-

tikel 179octies erweitert worden. Dadurch wurde für Bund und ren sollen den Schutz von Drittpersonen und Personen mit

Kantone ein Mindeststandard für die polizeiliche Ueberwa- Zeugnisverweigerungsrecht gewährleisten. Die nachträgliche

chung des Fernmeldeverkehrs geschaffen. Mitteilung über die durchgeführte Telefonkontrolle an die Be-

Danach ist nicht strafbar, wer eine Telefonabhörung in Aus- troffenen soll zur Regel werden. Ausnahmen davon sind rich-

übung ausdrücklicher gesetzlicher Befugnisse anordnet, terlich zu bewilligen.

wenn er unverzüglich die Genehmigung des zuständigen Empfehlenswert wäre auch eine nachträgliche parlamentari-

Richters, konkret des Präsidenten der Anklagekammer des sche Kontrolle, vor allem dort, wo aus Gründen der inneren

Bundesgerichtes, einholt. Die Massnahme muss der Verfol- und äusseren Sicherheit eine nachträgliche Orientierung der

gung oder der Verhütung eines Verbrechens oder eines Ver- Betroffenen nicht möglich ist Sodann ist eine gemeinsame

gehens dienen, dessen Schwere oder Eigenart den Eingriff Regelung mit einer unerlässlichen gesetzlichen Grundlage für

rechtfertigt. Auf Bundesebene sind ausführliche Verfahrens- Observation und für den Einsatz von V-Leuten anzustreben,

bestimmungen zu konkretisieren, und es ist eine staatliche denn all diese Fahndungsmittel gelangen sehr oft koordiniert

Eingriffsmöglichkeit geschaffen worden. Ich verweise auf die und gemeinsam zur Anwendung. Eine gemeinsame Rechts-

Artikel 66ff. Bundesstrafrechtspflege. grundlage drängt sich damit geradezu auf.

Die Ausführung dieses Folgeauftrages der PUK EJPD durch Die zeitliche Distanz zu den PUK-Untersuchungen und Ergeb-

die erwähnte Arbeitsgruppe der GPK hat als wesentliches Er- nissen ermöglicht uns eine unvoreingenommene und ad-

gebnis gezeigt, dass die Bundesbehörden, nämlich Bundes- äquate Lösung dieses heiklen Problems. Handlungsbedarf ist

anwaltschaft und PTT-Organe, sich an den strengen gesetzli- sowohl aus der Sicht der Verbrechensbekämpfung als auch

chen Rahmen halten. Ausserdem funktioniert die richterliche aus jener des Rechtsschutzes gegeben. Damit wird ein wichti-

Ueberprüfung problemlos. Es ist indessen zutage getreten, ger Beitrag zur Verbesserung unserer inneren Sicherheit ge-

dass die Telefonüberwachungen in Bund und Kantonen nur in leistet

sehr geringem Masse eingesetzt werden. Von 1988 bis 1991 Die GPK Ihres Rates beantragt daher Zustimmung zu allen sie-

wurden auf Bundesebene, also besonders beim Staatsschutz, ben Punkten der Motion.

im Schnitt jährlich nur rund 40mal solche Massnahmen ange-

ordnet, im Jahre 1992 sogar nur 28mal. Bundesrat Koller: Es handelt sich hier in der Tat, wie Herr Da-

Bei den Kantonen liegt der Durchschnitt ungefähr bei gesamt- nioth am Schluss gesagt hat, um ein sehr heikles Problem,

haft 500 Massnahmen jährlich. Die Bedeutung der Telefon- denn die Telefonüberwachung bewegt sich natürlich in dem

überwachung als gerichtliches Beweismittel nach begange- Spannungsfeld zwischen Persönlichkeitsschutz auf der einen

ner Tat zur Ueberführung der Täterschaft ist gering geblieben. Seite und wirksamer Verbrechensbekämpfung auf der ande-

Demgegenüber nimmt ihr Stellenwert als Fahndungsmittel ren Seite.

der Polizei im präventiven Bereich immer mehr zu. Ich darf immerhin festhalten, dass der Bericht der national rätli-

Dieser Gewichtsverlagerung in der praktischen Nutzanwen- chen Geschäftsprüfungskommission ausdrücklich festgestellt

dung und der doch geänderten Bedürfnislage gegenüber den hat, dass die in der letzten Zeit angeordneten Telefonkontrol-

Zeitumständen der Einführung gilt es nach Auffassung des len den gesetzlichen Rahmen gewahrt haben und dass Tele-

Nationalrates wie auch des Bundesrates Rechnung zu tragen. fonkontrollen von den zuständigen Bundesstellen nur in eini-

Es gilt, diesem Hauptanliegen einer Anpassung der gesetzli- gen wenigen Fällen eingesetzt worden sind. Es waren im

chen Grundlagen und damit der effizienten Nutzung in der Ver- Jahre 1992 ganze 28 Fälle. Ebenfalls hat die Kommission

9. Dezember 1993 975 Motion des Nationalrates (Kommission NR 93.125)

grundsätzlich die Zweckmässigkeit der heutigen Verfahrens- Texte de la motion du 3 juin 1993

abläufe bejaht und hat ferner festgestellt, dass sie die Bedeu- Dans le cadre des travaux de révision du droit suisse de la res-

tung der Telefonkontrolle in erster Linie im Bereich der Fahn- ponsabilité civile, le Conseil fédéral est invité à régler, de ma-

dung und nicht als Beweismittel im Prozess sehe. Auch hier nière générale, la question des «grands sinistres» qui ne fait

können wir zustimmen. Sie verlangt vor allem in einem Revi- aujourd'hui l'objet d'une disposition que dans la loi sur la res-

sionspaket einen noch besseren Schutz des Persönlichkeits- ponsabilité civile en matière nucléaire (art. 29 et 30).

und des Datenschutzes.

Im ganzen stehen wir diesen Punkten, wie auch Berichterstat- M. Petitpierre, rapporteur: L'accueil réservé par le Conseil na-

ter Danioth im einzelnen dargelegt hat, positiv gegenüber. tional d'abord, par le chef du Département fédéral de justice et

Aber ich möchte Ihnen nicht verhehlen, dass wir uns im Rah- police devant le Conseil national, par votre commission en-

men dieses Revisionspaketes, das Sie von uns verlangen, auf suite, à la motion de la commission du Conseil national

einer eigentlichen Gratwanderung befinden. Vor allem im An- (93.125) qui demandait que la responsabilité pour les grands

schluss an die Diskussion, die wir vorhin geführt haben, wer- sinistres soit réglée spécialement, me dispense de donner de

den wir sehr darauf achten müssen, dass wir zwar auf der ei- longues explications.

nen Seite die Grundrechte schützen und wahren, aber ebenso Les grands sinistres se caractérisent en particulier par un nom-

dezidiert Unrecht verfolgen und sanktionieren. bre de victimes et une ampleur des dommages qui n'entrent

In diesem Punkt möchte ich nur noch auf einen Vorschlag ein- pas dans les prévisions de la législation ordinaire sur la res-

gehen, bei dem mir im Moment eher fraglich scheint, ob er ponsabilité. On en a déjà tiré les conséquences dans le do-

wirklich zum Ziel führt, nämlich die Frage der Schaffung eines maine de l'énergie atomique, et il est question d'en faire de

restriktiven Deliktskatalogs in Verbindung mit einer General- même pour les barrages hydroélectriques. Il serait bon que,

klausel. parallèlement à la révision du droit ordinaire de la responsabi-

In diesem Zusammenhang muss ich Ihnen mitteilen, dass ge- lité civile, s'élabore un droit ordinaire applicable à l'ensemble

rade die Justiz- und Innenminister der Europäischen Union an des grands sinistres. La multitude des lésés, le rôle des assu-

ihrer Tagung der letzten Woche folgendes festgehalten ha- rances obligatoires, l'intervention éventuelle à titre subsidiaire

ben: «Les Etats membres considèrent donc généralement qu'- des collectivités publiques, la procédure applicable aux litiges

elles doivent être limitées à ce qui est nécessaire et qu'elles multiples, les relations internationales liées à des risques qui

doivent être strictement réglementées.» Das geht also in die ont des origines ou des incidences transfrontalières, tout cela

gleiche Richtung. appelle une réglementation appropriée. Il faudra probable-

Dann kommt aber der Satz: «Toutefois, de telles mesures peu- ment, à mon sens, élargir le champ de l'étude et des proposi-

vent se révéler particulièrement utiles, voire indispensables tions au-delà des strictes questions de responsabilité, pour

pour le rassemblement de preuves et l'identification préalable envisager l'indemnisation des victimes indépendamment de

des personnes impliquées dans l'infraction. Il est clair que ceci l'engagement de la responsabilité civile d'une personne X ou

est particulièrement vrai pour la criminalité organisée interna- d'une entité X dans une situation donnée. Qu'on pense aux

tionale, dans la mesure où celle-ci s'articule sur des structures catastrophes naturelles - on en a vu ces dernières années

complexes.» Jetzt kommt das entscheidende Bedenken: même en Suisse -, aux actes de guerre, au terrorisme, etc.

«.... et se manifeste par une multitude d'infractions qui peuvent Les travaux de 1990 de la Société suisse des juristes offrent

être insignifiantes» - also unbedeutend - «par elles-mêmes, une base précieuse et solide. Les professeurs Tercier et

mais qui prennent de l'importance uniquement quand des Schmid ont présenté la problématique de façon remarquable.

corrélations ont pu être établies entre elles.» M. Tercier, en particulier, a établi une série de thèses qui sont

Sie werden also bei der weiteren Bearbeitung dieses Revi- directement utiles. La question est mûre, il faut l'intégrer dans

sionspaketes - ich habe dafür bereits eine Arbeitsgruppe ein- la révision en cours au sein du Département fédéral de justice

gesetzt - natürlich auch diese internationalen Entwicklungen et police.

in der Europäischen Union mitbeachten müssen. C'est dire que l'adhésion de notre conseil à la motion du

In diesem Sinn kann ich mich bereit erklären - ich habe es üb- Conseil national me paraît s'imposer. C'est ce que je vous prie

rigens, wie gesagt, schon getan -, das entsprechende Revi- de décider au nom de notre commission qui l'a fait à l'unani-

sionspaket in Angriff zu nehmen. mité.

Ueberwiesen - Transmis Bundesrat Koller: Ich kann mich bereit erklären, die Motion

entgegenzunehmen. Es ist tatsächlich unbestritten, dass die

Frage der Grossschäden gesetzlich geregelt werden muss. Es

liegt in der Absicht meines Departementes, das im Rahmen

der Gesamtrevision des Haftpflichtrechts zu tun. Wenn ich

ohne Vorbehalt der Motion zustimme, muss ich Sie um etwas

Geduld bitten, denn die Revision des ganzen Haftpflichtrechts

wird natürlich noch einige Zeit beanspruchen.

#ST# 93.3249 Aber in diesem Sinne bin ich bereit, die Motion entgegenzu-

nehmen.

Motion des Nationalrates

(Kommission NR 93.125) Ueberwiesen - Transmis

Haftpflicht bei Grossschäden

Motion du Conseil national

(Commission CN 93.125)

Responsabilité civile

lors des «grands sinistres»

Wortlaut der Motion vom 3. Juni 1993

Der Bundesrat wird beauftragt, im Rahmen der Arbeiten zur

Revision des schweizerischen Haftungsrechts die Frage der

Grossschäden, die heute nur Gegenstand von Bestimmun-

gen des Kernenergiehaftpflichtgesetzes ist (Art. 29 und 30),

allgemein zu regeln.

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Motion des Nationalrates (GPK-NR) Telefonüberwachung

Motion du Conseil national (CdG-CN) Surveillance téléphonique

In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung

Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale

In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale

Jahr 1993

Année

Anno

Band V

Volume

Volume

Session Wintersession

Session Session d'hiver

Sessione Sessione invernale

Rat Ständerat

Conseil Conseil des Etats

Consiglio Consiglio degli Stati

Sitzung 08

Séance

Seduta

Geschäftsnummer 93.3205

Numéro d'objet

Numero dell'oggetto

Datum 09.12.1993 - 08:00

Date

Data

Seite 973-975

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Ref. No 20 023 683

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